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DIE ENTFÜHRUNGSKRISE IN NIGERIA

IN DEN LETZTEN MONATEN HAT DIE ANZAHL AN ENTFÜHRUNGEN IN NIGERIA DRASTISCH ZUGENOMMEN.

Männer, Frauen und Kinder werden von kriminellen Banden gewaltsam aus Schulen, Häusern und Versammlungen entführt. Unsere Priorität ist die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeitenden und der Frauen und Mädchen, die besonders stark von dieser Krise betroffen sind. Trotz aller Herausforderungen arbeiten wir weiterhin auf eine Zukunft hin, in der Frauen ihre Kraft frei von Gewaltdrohungen und Einschüchterungen entfalten können. 

Seit die Entführungen in Nigeria 2014 mit der weltweiten Kampagne #BringBackOurGirls internationale Aufmerksamkeit erlangten, werden weiterhin Schüler*innen, Lehrer *innen und andere Personen von sogenannten "Banditen" entführt und deren Familien zu Lösegeldzahlungen gezwungen. In den letzten Monaten hat sich die Zahl der Entführungen jedoch nochmals verschlimmert. 

Bukola Onyishi, die Landesdirektorin von Women for Women International in Nigeria, berichtet, die Sicherheitslage sei schlimmer, als sie es je erlebt habe. Sie erklärt, dass Entführungen bisher auf bestimmte Gebiete des Landes beschränkt waren und nur relativ wenige Menschen betroffen waren. Dies habe sich nun geändert. 

 

Bild: Teilnehmerinnen des Schulungsprogramms von Women for Women International in Bauchi, Nigeria. Foto: WfWI
Bild: Teilnehmerinnen des Schulungsprogramms von Women for Women International in Bauchi, Nigeria. Foto: WfWI

Buki sagt: „Ich glaube, niemand ist wirklich sicher. Nach allem, was ich gesehen habe, sind alle durch die aktuelle Situation gefährdet- von Kindern über junge Erwachsene bis hin zu Erwachsenen und älteren Menschen. Alle sind von der angespannten Lage betroffen.“ 

Banden, die diese Entführungen durchführen, terrorisieren Städte wie Jos und Kaduna. Seit Dezember 2020 wurden allein in Kaduna rund 1.000 Menschen entführt, darunter viele Frauen und Mädchen. Anfang Juli 2021 wurden rund 140 Schüler*innen entführt, während sie in den Schlafsälen ihrer Internate schliefen. Seit dem 25. Juli werden noch 81 Schüler*innen vermisst. 

Als Folge der Entführungen in ganz Nigeria werden Schüler*innen aller Altersgruppen gezwungen, die Schule zu verlassen. Entführte Frauen und Mädchen werden häufig Opfer von Zwangsheirat oder Sklaverei

WAS IST DIE URSACHE FÜR DIE ZUNEHMENDE ANZAHL AN ENTFÜHRUNGEN?

Wirtschaftliche Instabilität, wenig effektive Polizeiarbeit und die Auswirkungen der Pandemie haben zu der Welle von Entführungen beigetragen. Die Mitarbeitenden von Women for Women International in Nigeria berichten, dass hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Männern und hohe Drogenabhängigkeit die Situation ebenfalls verschärft haben. Bei der Entführung in der Schule in Kaduna im Juli forderten die Entführer Lösegeld von den Opfern und drohten ihnen mit dem sofortigen Tod, wenn die Familien das geforderte Lösegeld nicht zahlen konnten. 

Entführer, die im Nordosten Nigerias als "Banditen" bezeichnet werden, sind häufig bewaffnet und bringen die Menschen unter Androhung von Gewalt in Gewahrsam. Das Fehlen eines zusammenhängenden Sicherheitssystems ermöglicht es ihnen, ihre Opfer zu entführen, ohne dass der Staat Vergeltungsmaßnahmen ergreifen kann. 

Buki sagt, dass mancherorts auch die Infrastruktur zum Problem beitrage. Die Straßen sind unsicher, der Zustand der Straßen hilft den Entführern, sagt sie. 

Wenn es ruhig ist, fühlt es sich wie eine tickende Zeitbombe an:

Foto: Abschlusszeremonie für Programmteilnehmerinnen in Plateau State. Foto: Sefa Nkansa
Foto: Abschlusszeremonie für Programmteilnehmerinnen in Plateau State. Foto: Sefa Nkansa

WIE WIRKT SICH DIES AUF DIE PROGRAMME VON WOMEN FOR WOMEN INTERNATIONAL AUS?

Die Frauen in Nigeria stehen seit Jahrzehnten an vorderster Front, wenn es darum geht, die nationale Sicherheit zu verbessern. Unser Programm in Nigeria hat die Sicherheitsvorkehrungen erhöht, und die Mitarbeitenden sind nach wie vor flexibel und bereit, sich an veränderte Umstände anzupassen. Reisen in Gebiete, die als "Hotspots" für Entführungen gelten, unternommen werden, werden fortlaufend überwacht. Sobald es jedoch sicher ist, werden die Programme fortgesetzt.

Wir sind der Überzeugung, dass starke Frauen, wie unsere nigerianischen Mitarbeiterinnen als auch die Frauen in den Programmen, sowohl am Dialog als auch an den Maßnahmen beteiligt sein müssen, wenn es darum geht, eine Lösung für das Problem der Entführungen zu finden.  

Unser Schulungsprogramm zielt darauf ab, Frauen dabei zu unterstützen, ihre Rechte zu kennen und zu vertreten, um Entscheidungen in ihren Gemeinden zu beeinflussen. Wir orientieren uns stark an dem Feedback der Programmteilnehmerinnen, um die Sicherheitsmaßnahmen und Richtlinien auf ihre Bedürfnisse anzupassen. Das durch COVID-19 geförderte Vertrauen in die Technologie hat uns dazu inspiriert, bei Bedarf zusätzlich den Einsatz virtueller Lernmethoden zu testen. 

Während wir die Sicherheitslage weiter genau beobachten, setzen wir uns nach wie vor dafür ein, Frauen in Nigeria und auf der ganzen Welt dabei zu unterstützen, Kraft für sich selbst, ihre Familien und ihre Gemeinschaften zu gewinnen. 

 

 

Dieser Blogeintrag wurde übersetzt von Ciara.