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Eindrücke unserer Reise nach Polen

Von Caroline Kent, Geschäftsführerin Women for Women International Deutschland

In diesem Monat waren wir in Warschau und haben unsere Projekte mit geflüchteten Frauen und Kindern aus der Ukraine in Polen besucht. Wir konnten sowohl mit unseren Projektpartnern Bereginia und HumanDoc über die Entwicklungen vor Ort sprechen als auch die Frauen, die wir unterstützen, besser kennenlernen. 

Die wichtigsten Ziele für unsere Partner sind derzeit: 

  • Bereitstellung eines sicheren Wohnraums und Unterstützung bei der Jobvermittlung
  • psychologische Rehabilitation und soziokulturelle Anpassung von ukrainischen Frauen in Polen   
  • Integration von geflüchteten Frauen in die Aufnahmegesellschaft durch Aktivitäten zur Entwicklung der Gemeinschaft unter Berücksichtigung ihrer eigenen Erfahrungen und moderner kreativer Ansätze
  • Förderung der Rechte und Grundfreiheiten von geflüchteten Frauen
  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Vielfalt und geschlechtsspezifische Fragen 

Für viele der Frauen ist es bereits das zweite Mal in ihrem Leben, dass sie aufgrund des Krieges aus ihrer Heimat und aus ihrem gewohnten Umfeld vertrieben wurden. Uns als Frauenrechtsorganisation ist es besonders wichtig, dass wir den Frauen nicht nur helfen, das Erlebte zu verarbeiten, sondern sie – wie in all unseren Projekten – auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu unterstützen. Deshalb sind wir unglaublich dankbar, dass wir gemeinsam mit unseren großartigen Partnern – die selbst Geflüchtete aus Mariupol sind – die Frauen dabei unterstützen, mit neuer Hoffnung und Kenntnissen in Polen Fuß zu fassen. 

Frauen werden nicht unabhängig sein, solange sie auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Sie werden erst frei sein, wenn sie ein selbstbestimmtes Leben führen, in dem sie eigenes Geld verdienen können.

Marina, Gründerin von Bereginia - Mariupol's Women's Association

Die Kraft von Frauen auf der Flucht

In einer Kunsttherapiesitzung hatte ich die Möglichkeit, mich mit den geflüchteten Frauen aus der Ukraine auszutauschen und in einem sicheren Raum mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Besonders beeindruckt war ich von der Resilienz und Stärke dieser Frauen, wenn man bedenkt, was sie alles durchgemacht haben. Ich habe zum Beispiel mit Natalia gesprochen, einer Frau aus Mariupol. Natalia hat drei Wochen ohne fließendes Wasser, Strom und Gas ausgeharrt. Sie kochte auf Feuerstellen und sammelte Regenwasser, um sich und ihren 16-jährigen Sohn zu versorgen, während ihr Mann als Soldat kämpfte und die Azovstal-Fabrik verteidigte. Als ihr Haus komplett zerstört wurde, ging sie circa 50 km zu Fuß in die von Russland besetzte Stadt Berdiansk. Online fand sie Informationen zu unserer Partnerorganisation Bereginia, die ihr und ihrem Sohn dabei half, aus der Ukraine zu fliehen. Die Organisation unterstützt Natalia auch weiterhin in Polen, z.B. bei der Wohnungssuche, und verhalf Natalia sogar zu einem Job als Büromanagerin in Warschau.

Die größte Sorge, die die Frauen, mit denen ich gesprochen habe, umtreibt, ist, dass ihr geliebtes Zuhause und ihr geliebtes Heimatland für immer zerstört wurden. Ihr früheres Leben existiert nicht mehr. Sie plagen die Gedanken, dass sie in Polen in Sicherheit sind, während ihre Ehemänner und viele andere Familienmitglieder sich weiterhin in der Ukraine aufhalten.

“Bereginia hat mir in Polen dabei geholfen, mich wieder als Mensch zu fühlen.”

Natalia

Den Blick nach Vorne gerichtet

Doch die Frauen verarbeiten die Situation mit einer unglaublichen Resilienz. Besonders beeindruckt hat mich die 16-jährige Olena, die gerade ihren Schulabschluss gemacht hat und eigentlich jetzt in Charkiw Englisch studieren wollte. Sie hat sich jetzt für ein Fernstudium in “Internationale Beziehungen” eingeschrieben, um Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation wie sie befinden, zu helfen. Ihre Botschaft an die Außenwelt ist klar: "Was wir gerade durchmachen, kann jeder und jedem passieren. Deshalb sollten wir uns gegenseitig unterstützen.”

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