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Für die Mädchen, die in unsere Fußstapfen treten

Jede Frau hat die Macht, ihr eigenes Leben zu ändern — und das Leben der Mädchen um sie herum.

Das sehen wir zum Beispiel im Irak, wo die Teilnehmerinnen von Online-Schulungen den wertvollen Unterrichtsstoff mit ihren Töchtern teilen. Oder in Ruanda, wo Absolventinnen ihre Kompetenzen an Mädchen in ihren Familien weitergeben und damit in die Zukunft dieser Mädchen investieren. Ein weiteres Beispiel ist die Geschichte von Aishatu und ihrer Tocher Ummi aus Nigeria, die uns über die Hindernisse auf dem Weg zur Gleichberechtigung erzählen und wie sie daran arbeiten, diese aus dem Weg zu räumen.

Aishatu

Ich hatte vor, meine Tochter zu verheiraten, bevor sie die weiterführende Schule abschließen würde (wie bei den meisten muslimischen Mädchen in meiner Umgebung), aber ich änderte meine Meinung, nachdem ich dem Programm Women for Women International beigetreten war. Mir wurden die Gefahren bewusst, denen ich meine Tochter aussetzen würde. Und mir wurde klar, dass auch ihre Menschenrechte dadurch verletzt würden, so wie meine es wurden als ich mit 15 heiratete.

Ich beschloss, meinen Töchtern das weiterzugeben, was ich selbst gelernt hatte, damit sie ein anderes Leben als mein Leben führen können.

Von meinen vier Töchtern ist Ummi die älteste. Was ich lerne, teile ich mit allen vieren, aber vor allem mit Ummi, weil sie sich als junge Frau in der verletzlichsten Phase ihres Lebens befindet.

Sie ist 17 Jahre alt, besucht zurzeit eine weiterführende Schule und lernt fleißig für ihren Abschluss. Das macht sie von zu Hause aus, weil die Schulen aufgrund der COVID-19-Pandemie momentan geschlossen sind.

Manche Leute in unserer Nachbarschaft beschweren sich und sagen, Ummi sei doch bereit zu heiraten und solle mit einem Mann zusammenleben. Ich sage ihnen aber immer wieder, dass die Entscheidung zu heiraten, Ummis eigene Entscheidung sein soll und nicht meine.

Ummi

Meine Mutter hat mir beigebracht, wie wichtig Bildung ist. Bildung stärkt mich darin, gute Entscheidungen zu treffen, zu Hause und in der Gesellschaft. Obwohl manche Leute in unserer Umgebung meine Eltern bedrängt haben, mich zu verheiraten, unterstützen meine Eltern mich zum Glück vollkommen bei meinem Schulabschluss. Ich möchte nach der Schule eine Ausbildung im Bereich Gesundheit absolvieren, bevor ich überhaupt ans Heiraten denke.
Wenn ich schnell heiraten würde, würde ich anderen zeigen, dass ich einen Mann brauche, um Rechte zu haben. Stattdessen habe ich angefangen, mein Wissen mit anderen jungen Mädchen in meiner Umgebung zu teilen. Ich habe gelernt, mich selbst zu lieben, zu respektieren und wertzuschätzen.

Durch die Diskussionen mit meiner Mutter verstand ich immer besser, dass Frauen die gleichen Rechte haben wie Männer. Ich habe ein Recht auf Bildung, Ehe, das Erben von Vermögen und auf Respekt.

Ich dachte vorher, dass Frauen keine Rechte haben bevor sie heiraten und, dass sie nur durch ihre Ehemänner bestimmte Rechte wahrnehmen können. Ich glaube, das ist der Grund dafür, dass viele von uns jungen Mädchen so schnell heiraten wollen, nachdem wir kurz in der Schule waren. Dabei realisieren wir nicht, dass wir uns damit unser fundamentales Recht auf Bildung verbauen.

Mut ist eine Qualität, die meine Mutter mir beigebracht hat.

Ich selbst nehme nicht Teil am Programm von Women for Women International, aber hatte das Glück, durch meine Mutter davon zu profitieren. Obwohl ich schüchtern bin, hat das, was ich von ihr gelernt habe, mein Selbstbewusstsein gestärkt.

Meine Mutter und ich sind durch das Wissen, das wir teilen, enge Freundinnen geworden.

Übersetzt von Froukje