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Für eine friedvolle Zukunft in Ruanda: in Frauen investieren

In diesem Blogeintrag reflektiert Antoinette Uwimana, die Landesdirektorin von Women for Women International – Ruanda Fortschritte und Herausforderungen bei der Trauma- und Konfliktbewältigung in ihrem Heimatland Ruanda. Sie geht auf den unabdingbaren Einfluss ruandischer Frauen auf Frieden, Toleranz, Versöhnung, Gewaltlosigkeit und Stabilität in ihren Gemeinden ein. 

Wir arbeiten mit den am stärksten marginalisierten Frauen in Ruanda zusammen, von denen viele persönlich vom Konflikt und Völkermord im Jahr 1994 betroffen waren. 

In erster Linie helfen wir den Frauen, Hoffnung zu finden. 

Foto: Programmteilnehmerinnen aus Ngera, Ruanda (Foto: Tracy Keza)

Nach dem Völkermord wurde das Leben der Menschen in Ruanda auf den Kopf gestellt. Das Leben musste für die Menschen, besonders für die Frauen, neu beginnen. Einige wurden als Waisen zurückgelassen, viele standen vor den Trümmern ihrer Häuser und Existenzen. Die Frauen waren traumatisiert. Einige hatten körperliche Verletzungen davongetragen oder wurden Opfer von sexualisierter Gewalt. Sie verloren Eltern, Ehemänner, oder hatten Partner, die in den Konflikt verwickelt waren. In jedem Fall tragen sie bis heute die Geschichte des Konflikts in ihren Familien weiter. Es war ein extrem kritischer Moment für unsere Gemeinden. Als Zainab Salbi 1997 in Ruanda das Programm "Stronger Women, Stronger Nations" ins Leben rief, wurden die Frauen, die vom Völkermord am meisten betroffen waren, ernst genommen und endlich von der internationalen Gemeinschaft gesehen.

Frauen brauchen Nahrung, Medizin, Liebe – alles

Foto: Aidan O’Neill

In unseren Programmen fangen wir damit an, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufzubauen: Wenn man keine Hoffnung für sich selbst hat, kann man auch keinen Frieden in der Gemeinde aufbauen. Einige Frauen fühlten sich aufgrund von Traumata oder anhaltendem Misstrauen in ihrer Gemeinschaft komplett isoliert. Sie fühlten sich allein gelassen und hatten das Gefühl: "Vielleicht ist es nicht einmal wert, dass ich lebe, weil sich niemand für mich oder meine Geschichte interessiert, oder dafür, dass Menschen meine Familie getötet haben."  

Wir bringen die Frauen in einem sicheren Raum zusammen, damit sie enge Freundschaften bilden können, während sie gleichzeitig Fähigkeiten aufbauen und ihre eigene Hoffnung auf eine bessere Zukunft stärken. Sie kümmern sich umeinander und erkennen, dass sie nicht nur wichtig sind, sondern auch Kraft haben.

Menschen mit Hoffnung - sie kommen zusammen, sie arbeiten zusammen.

Gemeinsame Traumabewältigung 

Die Integration von Frauen in ihren Gemeinden stellt den Frieden wieder her.  

Um zu erfahren, wie man den Heilungsprozess und die engen Verbindungen zwischen den Frauen bestmöglichfördern kann, musste das Programm sich jahrelang entwickeln. Wir begannen mit dem Geldtransfer- und Stipendienprogramm, indem wir dem Beispiel unserer Schwesterorganisation in Bosnien & Herzegowina folgten, einem Land, das sich zu dieser Zeit ebenfalls von einem Konflikt erholte. Von den bosnischen Frauen erfuhren wir, dass sie nicht nur Bargeld brauchten, sondern auch andere Formen der Unterstützung, um ihren sozialen Einfluss und ihr Selbstvertrauen zurückzugewinnen. Sie mussten sich wirtschaftliche Fähigkeiten aneignen, damit sie sich auch nach Abschluss des Programms weiterentwickeln konnten.   

In Ruanda entwickelte sich das Programm auf die gleiche Weise wie in Bosnien & Herzegowina. Große Spender wie Bloomberg Philanthropie und Oprah Winfrey haben unser Wachstum ebenfalls unterstützt, besonders zwischen den Jahren 2000 und 2017. Wir waren in der Lage, uns weiterzuentwickeln, und haben den Frauen im Laufe der Zeit bspw. den Umgang mit Taschenrechnern und Telefonen als Teil ihrer Geschäftsschulung vermittelt. Die Spartrainings entwickelten sich weiter und befähigten die Frauen dazu, gemeinsame Dorfspargruppen (Village Savings and Loan Associations (VSLAs)) zu gründen. In jüngster Zeit haben wir digitale Komponenten in die VSLAs eingeführt, die wir in Zukunft ausweiten werden.   

Stetige Anpassungen des Programmes und Erfahrungen unserer Kursabsolventinnen waren entscheidend für unsere Entwicklung, um die Bedürfnisse der Frauen bestmöglich zu erfüllen. 

Umfragen halfen uns dabei herauszufinden, dass die Frauen weiterführendes Coaching und Training benötigen, um ihre erlernten beruflichen Fähigkeiten zu nutzen. Wir haben auch andere Elemente eingeführt, wie z. B. Partnerschaften mit dem Privatsektor (wie der Marriott Hotelkette). Diese Kooperationen waren der Schlüssel zur Einbindung der Frauen. Sie öffneten ihnen Türen, um zu Vorstellungsgesprächen eingeladen zu werden und Jobs vermittelt zu bekommen.   

Frauenförderung bedeutet Friedensförderung 

Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Konflikt Teil dessen, was Frauen an den Rand der Gesellschaft gedrängt hat. Sie wurden von vielen beruflichen Möglichkeiten ausgeschlossen. Sie mit Würde zu unterstützen schafft langfristigen Frieden, weil die Frauen dazu befähigt sind, für ihre Familien zu sorgen und auch ihren Töchtern Zugang zu Bildung zu verschaffen.  

Frauen investieren in Stabilität. Ihre Kinder haben nun genug Nahrung, können medizinische Versorgung in Anspruch nehmen und zur Schule gehen. Sie wachsen in einer friedvollen Umgebung in ihren Häusern auf, da die Frauen lernen, ihre Rechte gegenüber den Männern in ihrem Haushalt einzufordern und die Männer als Verbündete zu gewinnen. Dies hat langfristige Auswirkungen auf die Kinder, die damit aufwachsen, dass Frauen Entscheidungen zu Hause und in ihren eigenen Kleinunternehmen beeinflussen. 

Foto: Women’s March in Ruanda

Wenn Frauen die Macht haben, Entscheidungen zu treffen, dann beziehen sie die Menschen in ihrem Umfeld mit ein. Sie treffen gute Entscheidungen in ihrer Gemeinde. Aus dem Klassenzimmer heraus bringen sie ihre gemeinsame Kraft und die engen Verbindungen zueinander ein, um Vertrauen und Harmonie innerhalb ihrer Gemeinden zu fördern. Wenn Menschen einander nicht vertrauen können, ist es schwierig, gesamtgesellschaftliche Versöhnung zu fördern.

Viele Frauen, die das Programm absolviert haben, sind inzwischen zu Führungspersönlichkeiten in ihren Gemeinden aufgestiegen. Wenn Frauen einen Beitrag zu ihrer Gemeinschaft leisten, werden Konflikte weniger, während gleichzeitig mehr Unterstützung für Alle – unabhängig ihres Geschlechts – entsteht.

Letztendlich ist dieses Wachstum ein unaufhaltsamer Prozess, wenn wir den Frauen die richtigen Fähigkeiten, Ressourcen und das Wissen an die Hand geben. Mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft können Frauen eine Kraft entfalten, die sie letztendlich auch zu Entscheidungsprozessen auf nationaler Ebene führt. Frauen erkennen, dass sie Führungspersönlichkeiten sein können. Und dies ist ein essenzieller Schritt, um dauerhaften Frieden zu schaffen.

 

*Alle Bilder wurden vor COVID-19 aufgenommen.