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Geschlechtergleichstellung beginnt bei der Erziehung

Ein Kind großzuziehen ist schwierig. Ein Kind in Armut und konfliktreichen Umständen großzuziehen kann noch schwieriger sein.

Am diesjährigen Welttag der Eltern schenken wir den Müttern und Vätern, die die Zukunft unserer Welt großziehen, Anerkennung, Ermutigung und Unterstützung. Die Frauen, die an unseren Programmen teilnehmen, ebnen den Weg zur Gleichberechtigung für ihre Kinder.

Usainas Geschichte

Usaina kommt aus Bauchi in Nigeria und ist solch eine Mutter. Als ihre Gemeinde in Gefahr schwebte, galt ihr erster Gedanke dem Schutz ihrer Kinder. Nach der Flucht und dem tagelangen Verstecken vor der Gewalt ohne Nahrung oder Wasser, konnte Usaina sich in Sicherheit bringen. In ihrem neuen Leben angelangt, fasste sie den Entschluss, ihren Kindern eine sichere Zukunft zu schaffen. Sie widmete ihre Kräfte dem einjährigen Trainingsprogramm von Women for Women International, um genug zu verdienen, sodass sie ihre Familie unterstützen und ihren Kindern Bildung ermöglichen kann.

Saratus Geschichte 

Saratu, auch aus Bauchi, erfuhr mehr über Geschlechtergleichstellung durch das Trainingsprogramm, während ihr Mann dies im Men's Engagement Programm tat.

„Ich lerne sehr viel durch die Schulungen, und meine Einstellung zu mancher unserer Praktiken hat sich verändert“, sagt Saratu (hier rechts im Bild mit ihrer Familie).

„Beispielsweise bezüglich der Gleichbehandlung meiner Kinder, ungeachtet ihres Geschlechts: Unsere traditionellen Erziehungspraktiken stellen sicher, dass Jungen schon von frühem Alter an lernen, dass sie höher gestellt sind als Mädchen, weil sie den Familiennamen weitertragen. Nach der Schulung über geschlechtsspezifische Arbeitsteilung realisierte ich die Bedeutung davon, meinen Sohn so zu erziehen, einfache, altersangemessene Hausarbeiten zu erledigen.“

Frishtas Geschichte 

In Afghanistan erfuhr Frishta Gewalt und schlimmste Lebensbedingungen; auch sie machte weiter, um ihrer Kinder willen. Obwohl sie in Versuchung war, aufzugeben, dachte sie an ihre Verantwortung und harrte aus. Freundschaften zu ihren Klassenkameradinnen, Fähigkeiten und Wissen haben ihr geholfen, mehr Hoffnung und Kraft zu schöpfen, und nun fühlt sie sich glücklicher und selbstbewusster – und hat diese Hoffnung an ihre Familie weitergegeben.

Josephines Geschichte

So wie Usaina, Saratu und viele weitere Frauen des Programms, wurde auch Josephine aus dem Südsudan aus ihrer Heimatstadt vertrieben. Heute wohnt sie mit ihrem Mann in Yei und arbeitet auf den Tag hin, an dem sie nach Hause zurückkehren und ihre Farm wieder bewirtschaften kann. Josephine, die auf dem Titelbild mit ihrem Sohn abgebildet ist, investiert weiter in sich selbst und den Erfolg ihrer Kinder – mit dem Trainingsprogramm von Women for Women International.

„Geschäftsfähigkeiten sind mein Lieblingsthema. Es hat mir geholfen, mein eigenes Unternehmen zu gründen. Mein kleines Geschäft zu führen hat es mir ermöglicht, meine Kinder in der Schule und in anderen Lebenslagen zu unterstützen.“

Das Training hat mir beigebracht, wie ich Geld spare und anlege, und das hat mich dazu befähigt, die Bildung meiner Kinder zu finanzieren und lebenswichtige Grundlagen für die zu schaffen.

Josephine, Programmteilnehmerin im Südsudan

Geschlechtergleichstellung in die Erziehung verankern

Durch das Programm eignen sich Frauen die geschäftlichen und beruflichen Fähigkeiten an, um ihre Familie finanziell zu unterstützen, während sie sich praktische Fähigkeiten zu eigen machen, um sich um die Gesundheit ihrer Kinder zu kümmern. Wenn Frauen sich vergegenwärtigen, welche Rechte sie haben, erlernen sie gleichzeitig wertvolle Erziehungspraktiken.

Seit das Team im Südsudan letztes Jahr das Programm wiederaufgenommen hat, wurden mithilfe von Radioprogrammen, die sich als sehr beliebt herausgestellten, ganze Gemeinden mit wertvollen Lektionen erreicht. Jede Woche wird ein anderes Themenfeld behandelt, beispielsweise Gesundheit, Geschäftliches oder sogar Geschlechterrollen und Haushaltspflichten. Kürzlich wurde eine Diskussion über die sogenannte „positive Erziehung“ geführt.

Positive Erziehung wurde definiert als „eine immerwährende Beziehung zwischen einem Elternteil und einem Kind oder Kindern“. Die Radiohörer*innen setzten sich mit den Herausforderungen auseinander, mit denen Eltern konfrontiert werden, und die Auswirkungen verschiedener Erziehungsstile auf Kinder.

Diese Live-Übertragungen bieten ein öffentliches Forum für Diskussionen über Erziehung. So können schwierige, persönliche Probleme zur Sprache gebracht und Unterstützung gefunden werden, ohne dass Konflikte mit geliebten Personen oder Nachbarn geschürt werden. Beispielsweise teilten alleinerziehende Eltern ihre Herausforderungen in der Erziehung ihrer Kinder, da sie viel die Zeit außerhalb des Zuhauses verbringen müssen, um ein Einkommen zu sichern. Außerdem sprachen sie darüber, wie der Einfluss Verwandter und Freunde auf die Erziehung der Kinder reguliert werden kann.  

Angesichts der vielen alltäglichen Gefahren, die im Südsudan lauern, wie Explosivstoffe, Waffen und eine mangelhafte Infrastruktur, enthüllte die Diskussion den politischen Aspekt von Erziehung: Es wurde deutlich, wie wichtig es ist, dass Menschen zusammenarbeiten und Risiken minimieren, damit Kinder in einer sicheren Umgebung aufwachsen können.

Die Modellierung von Geschlechtergleichstellung

Die Radiosendung, die unser Team im Südsudan ausstrahlte, betonte die Bedeutung der Kommunikation mit Kindern für die positive Erziehung – Regeln aufstellen, klare Begründungen für Entscheidungen geben, und ihnen zuhören – sowie mit gutem Beispiel voranzugehen. Einer der effektivsten Wege in eine Zukunft der Geschlechtergleichstellung liegt darin, dass Eltern als Vorbilder für ihre Kinder dienen. Ihre Töchter wachsen mit selbstbewussten Müttern heran, die ihre Stärke an sie weitergeben. Sie wachsen mit Vätern heran, die weibliche Rechte verteidigen und respektieren. Söhne sehen, dass ihre Schwestern und Mütter die gleichen Rechte haben wie sie selbst und werden zu Verbündeten.

Wir investieren in diese Zukunft nicht nur durch die Mütter, sondern auch durch die Väter. Über die Länderprogramme von Women for Women International hinweg, bringt das Men's Engagement Programm Männern bei, die Haushaltspflichten und die Erziehung der Kinder mit ihren Frauen zu teilen.

In Ruanda teilt Philip Verantwortung und Macht mit seiner Frau, um ein besserer Vater zu sein.

„Was wir durch dieses Programm lernen hat uns dabei geholfen, es durch diesen Lockdown zu schaffen. In unserer Kultur ist es nicht üblich, dass der Mann mit der Frau und den Kindern zuhause bleibt; er kommt erst spät nach Hause, manchmal betrunken.“

„Uns wurden durch dieses Programm die Vorteile davon deutlich, Zeit mit der Familie zu verbringen, positive Einstellungen als Mann zu entwickeln und ein guter Vater zu sein. Wir arbeiten zusammen, essen unser Mittagessen gemeinsam, planen und kümmern uns um unsere Kinder.“

Programmteilnehmerin im Kongo mit ihrem Kind. Foto: Alison Wright
Programmteilnehmerin im Kongo mit ihrem Kind. Foto: Alison Wright

Eltern unterstützen, um Frieden zu schaffen

Der Einfluss, den Usaina, Saratu, Frishta und Josephine auf ihre Kinder haben, wird über ihren Haushalt hinaus reichen. Sie errichten das Fundament für Geschlechtergleichstellung – in ihren Gemeinden und für ihre Kinder, auf dem Weg in eine gerechtere Welt.

Frauen reinvestieren 90 Prozent ihres Einkommens in ihre Familien, im Kontrast zu 40 Prozent bei Männern. Sie behalten ihre Töchter in der Schule und realisieren die Wichtigkeit ihrer Bildung. Für jede zusätzlichen 10 Prozent von Mädchen, die die Schule besuchen, kann das Bruttoinlandsprodukt eines Landes um 3 Prozent steigen.

Wenn wir die Macht der Frauen bestärken, kommt diese auch den Töchtern zugute. Dies machen die Welt friedlicher und sicherer – für alle.

Geschlechtergleichheit als Teil positiver Erziehung löst einen Welleneffekt aus.