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WIE WIR UNSERE TEILNEHMERINNEN TROTZ COVID-19 ERREICHEN

Wie viele Frauen in unserem Projektland Ruanda zwangen die strikten Lockdown-Maßnahmen auch unsere Programmteilnehmerin Jeanne, lange Zeit zu Hause zu bleiben. Dadurch war auch sie plötzlich nicht mehr in der Lage war, Geld für die Versorgung ihrer Familie zu verdienen. Auch ihre persönlichen Schulungen bei Women for Women International wurden vorübergehend auf Eis gelegt, da die Regierung öffentliche Versammlungen verbot, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Unser Team in Ruanda wusste, dass Frauen wie Jeanne während der Coronavirus-Pandemie weiterhin Unterstützung brauchen würden – so entstand die Idee, Mobiltelefone einzusetzen. Aufgrund des zuverlässigeren Mobilfunknetzes und der Möglichkeit für Frauen, auf Handys zuzugreifen, erwies sich dies als brauchbare Lösung: Wir konnten sicherstellen, dass Frauen weiterhin ihre monatlichen Stipendien erhalten, insbesondere da die Banken geschlossen waren. Für Jeanne waren diese mobilen Geldüberweisungen entscheidend für das Überleben ihrer Familie.

Miragire, eine Teilnehmerin aus Ruanda, ist selbst während der Arbeit erreichbar. Foto: Alison Wright
Miragire, eine Teilnehmerin aus Ruanda, ist selbst während der Arbeit erreichbar. Foto: Alison Wright

Nicht jede Frau hat ihr eigenes Telefon; manchmal ist sie auf ein gemeinsames Mobiltelefon angewiesen. Unser Team umging dieses Hindernis, indem es den Frauen half, an eigene SIM-Karten zu gelangen, wodurch die Frauen selbstständig über ihre Geldeinnahmen und die Kommunikation mit anderen Frauen bestimmen konnten.

Mobiltelefone haben auch dazu beigetragen, die Isolation des Lockdowns zu durchbrechen. Unsere Mitarbeiter*innen richteten über die dörfliche Spargruppe (Village Savings and Loan Association – VSLA) Telefonketten ein. Jeanne berichtet, dass sie das Erlernte aus den Programmmodulen zu Frauensolidarität und sozialen Netzwerke in die Praxis umgesetzt. Dies habe sie motiviert, mit anderen Frauen aus dem Programm in Kontakt zu bleiben, um sich gegenseitig während der Krise beizustehen und auszutauschen.

Die Mobilfunktechnologie hat sich auch in vielen anderen Ländern, in denen wir arbeiten, als unerlässlich erwiesen. So auch im Irak, wo unsere Programmteilnehmerinnen mit einer der strengsten Ausgangssperren weltweit konfrontiert sind. Da dort viele Frauen Zugang zu persönlichen Mobiltelefonen haben, half unser Team ihnen bei der Einrichtung von Gruppenchats und Anwendungen wie Viber und Snapchat.

In einer Zeit, in der Frauen aufgrund des Lockdowns massiven wirtschaftlichen und sozialen Belastungen ausgesetzt sind und der Stress im Haushalt zunimmt, haben sich diese Gruppen – zusammen mit den regelmäßigen Anrufen unserer Mitarbeiter*innen – als unglaublich wichtig erwiesen.

Wir sind einfach froh, dass wir einen Weg gefunden haben, um mit den Frauen in Kontakt zu bleiben. Wir rufen sie an, um zu fragen, wie es ihnen geht. Wir vermitteln sie mit anderen Dienstleistern und versuchen, sie ihn dieser Krise mit lebenswichtigen Informationen zu versorgen.

Shan, Economic Empowerment Managerin im Irak
Foto: Alison Wright
Foto: Alison Wright

Eines der größten Risiken in solch artigen Krisen ist häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt, da der Stress traurigerweise allzu oft auf die Frauen abgewälzt wird. Dank der geschaffenen Netzwerke und Telefonketten konnten unsere Mitarbeiter*innen im Irak jedoch auf Fälle von Gewalt gegen Frauen reagieren. In Nigeria halfen diese Vernetzung und der stetige Austausch unseren Teams dabei, das Gleiche zu tun.

Neben der Unterstützung von Frauen in diesen schwierigen Zeiten sucht unser Team weiterhin nach Möglichkeiten, wie Frauen die Programminhalte rekapitulieren und verinnerlichen können, bis die persönliche Ausbildung weitergeht.

Die Realität sieht jedoch so aus, dass die Alphabetisierung für viele Frauen in unserem Programm ein großes Hindernis darstellt. Geschlechterdiskriminierung und Armut bedeuten, dass viele von ihnen nur wenig oder gar nicht lesen können. In Ländern wie der Demokratischen Republik Kongo und dem Südsudan boten Radiosendungen dafür eine Lösung.

Eugenie, eine Programmabsolventin aus Ruanda, bezahlt ihre Rechnungen mit mobilem Banking. Foto: Alison Wright
Eugenie, eine Programmabsolventin aus Ruanda, bezahlt ihre Rechnungen mit mobilem Banking. Foto: Alison Wright

In Afghanistan haben unsere Teams nicht nur Telefonketten eingerichtet, sondern auch Ideen wie aufgezeichnete Sprachnachrichten ausprobiert, damit die Frauen weiterhin genaue, vertrauenswürdige Informationen über Gesundheit und Hygiene erhalten. Bei so vielen kursierenden Gerüchten und Mythen, die gefährliche und falsche Informationen über das Coronavirus verbreiten, kann dieses Wissen vielen Frauen helfen, sich und ihre Familien zu schützen und die Ausbreitung der Krankheit in ihren Gemeinden zu verhindern.

Neben der schnellen und innovativen Art und Weise, wie unsere Mitarbeiter*innen mobile Technologien angewandt haben, um die Frauen weiterhin zu erreichen, hat diese Zeit die tiefen Verbindungen, die das Women for Women International Programm den Frauen ermöglicht, offenbart. Frauen haben sich in einer Zeit der Not umeinander gekümmert – aber auch um unsere Teams gesorgt!

Shan aus dem Irak berichtete, dass die Programmteilnehmerinnen sie und die Mitarbeiter*innen tatsächlich angerufen haben, um sich zu erkundigen, wie es ihnen geht.

"Was das Programm bewirkt, ist, dass es die Frauen zusammenbringt und sie ein Netzwerk der gegenseitigen Unterstützung bilden", sagte Shan.

Die rasche Umstellung auf Mobilfunktechnologie oder Radioprogramme, zusammen mit der Unterstützung, die Frauen einander über Entfernungen hinweg zeigen, gibt uns Hoffnung – eine kraftvolle und wichtige Ressource im Angesicht der Krise.