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MARGINALISIERTE FRAUEN IN DIE GLOBALEN ZIELE EINBEZIEHEN

WOMEN FOR WOMEN INTERNATIONAL SETZT SICH DAFÜR EIN, DIE SICHTBARKEIT MARGINALISIERTER UND VON KONFLIKT BETROFFENER FRAUEN ZU ERHÖHEN. IHRE LEBENSWIRKLICHKEITEN UND ERFAHRUNGEN WERDEN IN OFFIZIELLEN DATENSÄTZEN KAUM ERFASST.

Ohne verlässliche Daten über die Lebensrealitäten und Erfahrungen einiger der weltweit am stärksten marginalisierten Frauen ist es schwierig, ein vollständiges Bild über den Fortschritt bei der Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu erhalten – oder ein differenziertes Verständnis dafür zu entwickeln, wo auch in Zukunft Handlungsbedarf besteht.

Seit 2017 veröffentlichen wir jährlich Daten zu unseren Bemühungen im Kontext der SDGs. Darin ermöglichen wir einen Überblick über die Lebenswirklichkeiten marginalisierter Frauen, bevor sie sich für unser einjähriges Programm anmelden, sowie die Fortschritte, die sie nach Abschluss des Programms gemacht haben. Durch die Offenlegung dieser Datensätze lassen sich Vergleiche zu vergangenen Jahren ziehen und die Sichtbarkeit vielfach benachteiligter Frauen, die in fragilen und von Konflikten betroffenen Gebieten leben, wird erhöht.

Im Hinblick auf die Erfolgsmessung zeigen unsere Daten eindrucksvoll, dass insbesondere SDG Nummer 5 (Gleichstellung der Geschlechter) das Monitoring einer Reihe von Indikatoren erfordert – darunter Ernährungssicherheit, Einkommen, Beschäftigung, Wahrnehmungen, Einstellungen und soziale Normen. Nur so kann ein differenziertes Bild des Fortschritts und notwendiger Bemühungen gezeichnet werden, insbesondere im Kontext komplexer Konfliktsituationen.

Es gibt 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung. Die hier abgebildeten Ziele sind diejenigen, auf die sich unsere Programme direkt auswirken.
Es gibt 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung. Die hier abgebildeten Ziele sind diejenigen, auf die sich unsere Programme direkt auswirken.

Die Top 10 Highlights aus unseren Daten für 2020

Unsere Daten zeigen:

1. Investitionen in Frauen und ihre Widerstandsfähigkeit können Ernährungs- und Wirtschaftsunsicherheit verhindern.

In Ruanda gaben 99 % der Absolventinnen unseres Programms an, einen Teil ihres Einkommens zu sparen, verglichen mit 59 % bei der Einschreibung. Nach Abschluss unseres Programms gaben zudem 68 % der ruandischen Programmteilnehmerinnen, in ihrem Haushalt über einen Zeitraum von vier Wochen ausreichend Lebensmittel zur Verfügung zu haben – verglichen mit 33 % bei der Einschreibung.

2. Die Zahl der Frauen, die im Rahmen unserer Programme in Afghanistan einen Teil ihres Einkommens sparten, stieg von nur 1 % bei der Einschreibung in das Programm auf fast die Hälfte bei Programmabschluss (44 %).

3. In Nigeria, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo gaben über 96 % der Absolventinnen an, einen Teil ihres Einkommens zu sparen. Der prozentuale Unterschied zwischen Einschreibung und Abschluss in diesen Ländern unterstreicht den Wert von Investitionen in die Kraft und Widerstandsfähigkeit von Frauen.

4. Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, eine geschlechtsspezifische Dimension in Bemühungen zur wirtschaftlichen Resilienz und Ernährungssicherheit einzubeziehen. Ein ganzheitlicher gendersensibler Ansatz ist für die nachhaltige Zielerreichung von grundlegender Bedeutung.

5. Unsere Ergebnisse im Irak unterstreichen die Bedeutung kontextspezifischer Analysen und Interpretationen. Bei unseren irakischen Programmteilnehmerinnen haben wir einen Rückgang der Ersparnisse beobachtet. 31 % gaben bei der Einschreibung in das Programm an, dass sie einen Teil ihres Einkommens sparen. Dieser Anteil sank auf 21 % bei Programmabschluss, was teilweise auf den finanziellen Druck durch COVID-19 zurückzuführen ist.

6. Trotz positiver Veränderungen von der Einschreibung bis zum Abschluss ist der relative Anteil der Frauen, die bei der Einschreibung mit Ernährungsunsicherheit konfrontiert sind, in der Demokratischen Republik Kongo von 2017 (18 %) über 2019 (47 %) bis 2020 (91 %) deutlich gestiegen. Die erhöhte Ernährungsunsicherheit in der Demokratischen Republik Kongo unterstreicht den enormen Handlungsbedarf hinsichtlich der Auswirkungen von COVID-19 auf marginalisierte Frauen.

7. Es besteht eine Diskrepanz zwischen der angegebenen Selbstwirksamkeit der Frauen, die sich durchweg verbessert hat, und ihrer Fähigkeit, sich öffentlich gegen Gewalt auszusprechen. Die wahrgenommene Selbstwirksamkeit einer Frau ist ihr Selbstvertrauen und ihre Handlungsfähigkeit, ihr Glaube an sich selbst, ihre Fähigkeit, erfolgreich zu sein und zu verhandeln, und ihre Fähigkeit, Entscheidungen über ihre eigene Zukunft zu treffen. Dieser Indikator verbessert sich bei den Frauen in unserem Programm kontinuierlich. Trotzdem liegt in der Demokratischen Republik Kongo, im Irak, in Afghanistan und in Nigeria der Anteil der Frauen, die sich öffentlich gegen Gewalt aussprechen, bei unter 25 %. Das ist nicht überraschend. Wir wissen, dass es zur Erreichung flächendeckender Geschlechtergerechtigkeit und zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen unabdingbar ist, dass Frauen ihre Stimme erheben können. Zudem müssen wir uns mit den schädlichen sozialen Normen und den patriarchalen Systemen, die Gewalt normalisieren, auseinandersetzen.

8. Nach Abschluss der Programme schaffen Frauen Möglichkeiten, ihre Stimmen zu erheben. In allen Ländern, in denen wir tätig sind, hat unser Programm deutliche Fortschritte im Hinblick darauf verzeichnet, dass Frauen sich gegenseitig über Herausforderungen in ihren Gemeinden austauschen. Im Jahr 2020 reichten diese prozentualen Steigerungen von 46-55 % in Ruanda, 75-93 % in Nigeria, 41-58 % in der Demokratischen Republik Kongo, 8-31 % in Afghanistan und 51-52 % im Irak.

9. Die Bildung von Mädchen bleibt für afghanische Frauen eine Priorität. Im Vergleich zu anderen SDG-Kennzahlen gibt ein relativ hoher Anteil der Frauen an, dass ihre Töchter eingeschult werden und die Schule besuchen (39-49 %). Dies muss eine Priorität bleiben.

10. Die Daten aus unserem Programm in Afghanistan zu Einkommen, Ersparnissen (1-3 %), Beschäftigung (4-8 %) und dem Aussprechen gegen Gewalt (2-8 %) sind nach wie vor niedriger als in den anderen Ländern, in denen wir unser Programm implementieren.

Der Handlungsbedarf in Afghanistan ist nach wie vor enorm und die Lage für die Frauen vor Ort hat sich durch die jüngsten politischen Entwicklungen verschärft. Wir werden nicht aufgeben und Frauen weiterhin dabei unterstützen, ihr Leben wieder aufzubauen und ihre Zukunft selbst zu gestalten.

Mehr zu unserer Advocacy-Arbeit

Die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen umfassen internationale Bemühungen, um die wichtigsten globalen Herausforderungen zu bewältigen. Die Ziele verfolgen das Versprechen, niemanden zurückzulassen und beinhalten Maßnahmen auf dem Weg zu globaler Geschlechtergerechtigkeit – eine Vision, die unsere Arbeit leitet und trägt.

Gewalt gegen Frauen ist auf der ganzen Welt endemisch. Für Überlebende sind die Folgen schwerwiegend und verhindern, dass Frauen ihr volles Potenzial ausschöpfen. Die Frauen, denen wir dienen, sind extrem anfällig für alle Formen von Gewalt. Unser Ziel ist es, Gefährdungen vorzubeugen und Bewusstsein für die prekären Folgen geschlechtsspezifischer Gewalt zu schaffen.

Das Konzept Frauen, Frieden, und Sicherheit erkennt die essenzielle Rolle von Frauen in Friedensprozessen an sowie die Tatsache, dass die Wahrung der Frauenrechte einen zentralen Aspekt der Konfliktbewältigung und Friedenskonsolidierung darstellt. Der Weg zu einer umfassenden Implementierung der UN-Resolution 1325 ist jedoch noch weit.