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Mein Name ist Zainab

GESCHICHTEN AUS UNSEREM PROJEKTLAND NIGERIA

Mein ganzes bisheriges Leben war von Not und Leid geprägt.

Als ich ein junges Mädchen war, trennten sich meine Eltern und ich musste bei meiner Tante leben. Das Gefühl, mütterliche oder väterliche Liebe und Aufmerksamkeit zu erfahren, kannte ich nicht. Ich begann die Grundschule zu besuchen, doch als ich sechs Jahre alt war, ließ meine Tante mich vor dem Schulbeginn und in den Pausen Milch verkaufen, was sehr anstrengend für mich war.

Ich war so glücklich, als ich heiratete. Ich hatte das Gefühl, dass mein Leben viel besser werden würde, nun dass ich jemanden hatte, dem ich mich anvertrauen konnte, dass ich weniger Hausarbeit und weniger Leid hätte. Aber es kam alles anders, als ich es mir vorgestellt hatte.

Mein Mann heiratete eine zweite Frau und hörte auf, mir zuzuhören. Immer, wenn ich eine Auseinandersetzung mit meiner Nebenfrau hatte, fing mein Mann an mich zu schlagen, ohne meine Version des Geschehens anzuhören. Manchmal wollte er mir nicht mal Geld geben, um mich und meine Kinder zu ernähren. Bei meiner Nebenfrau war das nicht so, die liebte er und behandelte er gut.

Programmteilnehmerin in Nigeria. Foto: SEFA NKANSA
Programmteilnehmerin in Nigeria. Foto: SEFA NKANSA

Dazu kamen die politische Unsicherheit und Unruhen, die uns zwangen, Zuflucht in einer Kaserne zu suchen. Dort angekommen mussten wir aber feststellen, dass sich bereits viele Leute dorthin in Sicherheit gebracht hatten und das Lager völlig überfüllt war. Wir mussten fünf Tage lang unter einem Baum schlafen, weil die Kaserne zu voll war. Schließlich beschlossen wir umzuziehen und den örtlichen Spannungen zu entgehen. Wir verließen das Lager mit nur einer kleinen Matratze, wenigen Klamotten und ein wenig Lebensmitteln im Gepäck.

Wir zogen in ein Lehmhaus und ich fing an, Suppengewürz auf einem Tisch vor unserem Haus zu verkaufen, um über die Runden zu kommen und für das Essen meiner Kinder bezahlen zu können.

Der Beitritt zu Women for Women International bedeutete für mich den Wendepunkt meines Lebens.

Zainab, Programmteilnehmerin in Nigeria

Die angebotenen Kurse erleichterten mich ungemein auf emotionaler Ebene, was mein ganzes Leben veränderte. Das Programm half mir, mich mit anderen Frauen anzufreunden, die anderen Religionen angehören und aus anderen Stämmen stammen. Wir finden beieinander emotionale und – wenn nötig – auch finanzielle Unterstützung. Ich besuche sie und sie kommen auch zu mir nach Hause zu Besuch.

Ich hatte vorher weder meine eigenen Rechte noch die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gekannt und verstanden. Mir wurde immer beigebracht, dass Frauen bis zur Ehe keine Rechte hätten, und dass ihre Rechte in der Ehe nur so weit reichten, wie es nötig war, um für ihre Familie zu sorgen. Alles, was darüber hinaus ging, hätte von ihrem Mann ermöglicht werden müssen.

„Während den Sitzungen zu Entscheidungsfindung und Frauenrechten wurden mir die Augen geöffnet. Ich habe gelernt, mich selbst als Mensch besser wertzuschätzen.“

Die Anwendung meiner Lernerfolge war nicht einfach, da ich immer große Ehrfurcht vor meinem Mann hatte. Zuerst kam ich schlecht zurecht, denn er setzte meinen Respekt als Selbstverständlichkeit voraus. Eines Tages gab er mir Schläge und befahl mir, das Haus zu verlassen. Normalerweise hätten die Beleidigung und Misshandlung durch meinen Mann mich dazu gebracht, einen Ort zum Sitzen aufzusuchen und mir die Augen auszuweinen. Nach einiger Zeit wäre ich dann zu ihm gegangen und hätte mich entschuldigt.

Aber dieses Mal weigerte ich mich zu weinen. Stattdessen bewahrte ich meine Ruhe und stellte mich ihm gegenüber. Ich sagte ihm, er solle mich zurück zu meinen Leuten in meine Heimat bringen, aus der er mich geheiratet hatte, wenn er wollte, dass ich das Haus verließ. Meine Ruhe überraschte ihn und meine Nebenfrau, die erwarteten, wie üblich die weinende und flehende Zainab zu sehen.

All dies geschah direkt vor dem Haus. Mein Mann wusste nicht, wie er reagieren sollte, weil ich nie zuvor während eines Streits so mutig aufgetreten war. Schon bald kamen Nachbarn, um mir zu helfen und darum zu bitten, dass ich im Haus bleiben konnte und es nicht verlassen musste. Meinem Mann war das sehr peinlich, denn er galt in der Nachbarschaft als sehr guter Ehemann. Seit diesem Tag ist er nie wieder respektlos mit mir umgegangen oder hat seine Hand gegen mich erhoben.

Aus Sicherheits- und Datenschutzgründen verwenden wir ein Foto einer anderen Women for Women International Absolventin, um die Frau in der Geschichte darzustellen.

Unsere Klassenzimmer mögen jetzt etwas anders aussehen - mit Abstandsregeln, Gesichtsmasken und Handwaschstationen zum Schutz unserer Programmteilnehmerinnen und Trainerinnen - aber die unterstützende Gruppenatmosphäre ist dieselbe, und sie erweist sich als wichtiger denn je.
Es gibt Hunderte von Frauen, die darauf warten, sich für unser einjähriges Trainingsprogramm anzumelden. Melde dich noch heute an und gib einer Frau die Chance, ihr Leben zu verändern.