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UNTERSTÜTZUNG VON ÜBERLEBENDEN SEXUELLER GEWALT IN TIGRAY, ÄTHIOPIEN

IM RAHMEN UNSERES CONFLICT RESPONSE FUNDS ARBEITEN WIR MIT ÜBERLEBENDEN GESCHLECHTSSPEZIFISCHER UND SEXUELLER GEWALT IN DER VOM BÜRGERKRIEG GEZEICHNETEN REGION TIGRAY IN ÄTHIOPIEN.

In dem Bürgerkrieg, der im November 2020 in Äthiopien ausbrach, als die Regierungstruppen in die Region Tigray einmarschierten, wurden schätzungsweise mehr als zwei Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben und Tausende getötet. Zusätzlich zu der drohenden Hungersnot gab es zahlreiche Berichte über Menschenrechtsverletzungen, darunter der strategische Einsatz von Vergewaltigungen als Kriegswaffe.

Women for Women International verfolgt einen überparteilichen Ansatz, um überlebenden Frauen beim Wiederaufbau ihres Lebens zu helfen, und arbeitet mit Organisationen in fragilen Kontexten zusammen, um so viele Frauen wie möglich zu erreichen.

Über unseren Conflict Response Fund arbeiten wir seit 2021 mit Mums for Mums, einer lokal ansässigen Organisation in Tigray, zusammen, um gegen die eskalierende Gewalt an Frauen vorzugehen. Gemeinsam unterstützen wir Überlebende, indem wir Ersthelfer*innen ausbilden, die auf die unmittelbaren Bedürfnisse der Betroffenen eingehen können, und indem wir das Bewusstsein der Gemeinschaft für die Prävention sexueller Gewalt gegen Frauen und Mädchen schärfen. Das Projekt "Integrated Solutions for Sexual Violence Against Women and Girls in Tigray" verfolgt einen rechtsbasierenden Ansatz, bei dem die Überlebenden als selbstbestimmte Individuen mit Rechten anerkannt werden, anstelle von passive Empfänger*innen von Dienstleistungen.

Ich ging einmal die Straße entlang, als ich auf eine Gruppe armer Frauen und Kinder stieß. In diesem Moment wurde mir klar, dass es an anderen Müttern wie mir lag, zu versuchen, diesen Frauen zu helfen. Daraus entstand der Name Mums for Mums. Meine Vision für die Organisation ist es, Frauen zu stärken und die Armut zu besiegen.

- Tebereh Weldegabrial, Gründerin von Mums for Mums
Eine Frau nimmt an einer Berufsausbildung teil. Dies wird ihr helfen, sich ein Einkommen zu sichern und ihre Familie zu unterstützen. Foto: Mums for Mums
Eine Frau nimmt an einer Berufsausbildung teil. Dies wird ihr helfen, sich ein Einkommen zu sichern und ihre Familie zu unterstützen. Foto: Mums for Mums

Angestrebte Wirkungen des Projekts

  • Direkte Unterstützung von 1.000 Frauen und Mädchen, die sexuelle Gewalt überlebt haben, durch Beratungsdienste und -zentren und Frauenhäuser
  • Medizinische und psychologische Schulung von 110 Ersthelfern in den Communities zur Erstversorgung und rechtlichen Beratung
  • Sensibilisierung der Gemeinschaft für die Prävention von sexueller Gewalt gegen Frauen und Mädchen durch Veranstaltungen, Infomaterial und lokale Radio- und Fernsehsendungen
  • Berufsausbildung und Entwicklung von Businessplänen für 400 Überlebende, damit sie ihr eigenes kleines Unternehmen gründen können 

Interview

Wir haben mit dem Geschäftsführer von Mums for Mums, Ashenafi Asmelash, darüber gesprochen, was in Tigray passiert und wie das Projekt auf die Bedürfnisse der Frauen eingeht.

WfWI: Ashenafi, was hat dich - als Mann - dazu inspiriert, für Mums for Mums zu arbeiten?

A: Ich habe Tebereh bei einem Treffen kennengelernt und sie hat mir von Mums for Mums erzählt. Ich war so beeindruckt von der Sache, dass sie mich überredet hat, mich zu engagieren. Ich glaube, dass alle Männer Verbündete sein und sich für die Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen einsetzen sollten.

WfWI: Kannst du erläutern, was in der Region Tigray passiert und was die Erfahrungen für Frauen und Mädchen in den letzten Monaten waren?

A: Es gab Massenmorde an Zivilist*innen, Häuser wurden niedergebrannt, Schulen und Gesundheitseinrichtungen sowie religiöse und kulturelle Stätten zerstört und ein großer Teil der Bevölkerung von Tigray wurde aus ihrer Heimat vertrieben. Frauen und Mädchen haben ihr Zuhause, ihr Einkommen und ihre Lebensgrundlage verloren, ihnen fehlt ein Zufluchtsort, Nahrung und der Zugang zu Gesundheitsdiensten.

Während des gesamten Konflikts waren Frauen und Mädchen auch sexuellem Missbrauch und zunehmender Gewalt ausgesetzt. Den jüngsten offiziellen Statistiken über geschlechtsspezifische Gewalt in der Region Tigray zufolge wurden mehr als 22.000 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Gewalt sowie der Tod von schwangeren und stillenden Frauen gemeldet.

WfWI: Frauen und Mädchen, die sexuelle Gewalt überlebt haben, sind in Gesundheitseinrichtungen und sicheren Unterkünften weiteren Risiken ausgesetzt, kannst du uns dazu etwas sagen?

A: Frauen und Mädchen, die es schaffen, sich bei Gesundheitseinrichtungen zu melden, sind nur die „Spitze des Eisbergs“. Vergewaltigungen werden auch in normalen Zeiten oft nicht gemeldet.

Überlebende, die sich bei Gesundheitseinrichtungen melden, werden in Übergangsunterkünften untergebracht, um das Risiko weiteren Missbrauchs und die Stigmatisierung der Opfer und Überlebenden zu verringern. In diesen Einrichtungen sind die Überlebenden mit Überbelegung, mangelndem Zugang zu Grundbedürfnissen, Trennung von Familienmitgliedern und dem Zusammenbruch sozialer Schutzmechanismen konfrontiert. Unsere vorläufige Bewertung zeigt, dass Frauen und Mädchen, die in solchen Unterkünften untergebracht sind, ein geringes Selbstwertgefühl haben und unter Scham, Schuldgefühlen, Wut, Angststörungen, Verletzungen, Depressionen und Angst vor der Wiedereingliederung in die Gesellschaft leiden. Sie sind anfällig für Ausbeutung und Missbrauch.

WfWI: Wie trägt der Zuschuss aus dem Conflict Response Fund von Women for Women International dazu bei, die kritischen Bedürfnisse von Frauen und Mädchen in der Region zu unterstützen?

A: Mit den zur Verfügung gestellten Mitteln wird eine integrierte Lösung für sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen in zwei Zentren für Binnenvertriebene in Mekelle und Adigrat unterstützt. In Zusammenarbeit mit Women for Women International wird Mums for Mums medizinische Erste-Hilfe-Schulungen für Ersthelfer sowie Traumaberatungsdienste für Opfer und Überlebende sexueller Gewalt anbieten. Darüber hinaus wird der Fonds die Ausbildung von Frauen und Mädchen in unternehmerischen Fähigkeiten sowie Programme zur Sensibilisierung und Prävention sexueller Gewalt in den Communities unterstützen.

Das Projekt erreicht 1.000 Frauen und Mädchen, die sexuelle Gewalt erfahren haben. Wir hoffen, dass zusätzlich zu den 500.000 Gemeindemitgliedern, die durch Sensibilisierungsmaßnahmen erreicht werden sollen, rund 4.000 Familienmitglieder indirekt von dem Projekt profitieren werden.

WfWI: Wie werden Women for Women International und eure Organisation gemeinsam Frauen dabei unterstützen, ihre Macht zu erkennen und die Fähigkeiten zu erlernen, die sie brauchen, um für sich und ihre Familien zu sorgen?

A: Auch wenn humanitäre Hilfe dringend notwendig ist, wird sie allein nicht ausreichen, um den Überlebenden sexueller Gewalt ein würdevolles Leben zurückzugeben. Deshalb wollen wir den Überlebenden von sexueller Gewalt in der Region Tigray eine bessere Zukunft bieten und ihnen helfen, ihr Leben nach dem Trauma, das sie erlebt haben, wieder aufzubauen.

Mums for Mums hat eine gemeinsame Vision mit Women for Women International: die Gleichstellung der Geschlechter und die soziale, wirtschaftliche und politische Teilhabe von Frauen und Mädchen.