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Wie die Frauen in unseren Länderbüros ihre #PowerToChange nutzen

Die Mitarbeiterinnen in unseren Länderbüros setzen sich Tag für Tag für Frauen ein, die von Krieg, Gewalt, und Diskriminierung in ihren Gemeinden betroffen sind. Sie haben die #PowerToChange – also die Kraft, Veränderungen zu bewirken. Wir haben mit drei unserer Kolleginnen über ihren Ansporn, Frauen zu einem besseren Leben zu verhelfen, gesprochen.  

KHALIDA KHALO LAZGEEN

PROGRAMMREFERENTIN, IRAK

Ich bin Khalida. Ich habe mein Studium im Bereich Wasserwissenschaften abgeschlossen, bin verheiratet und lebe in der Region Kurdistan im Irak. Seit 2016 habe ich für verschiedene NGOs gearbeitet. Die Arbeit, auf die ich am meisten stolz bin, ist die Unterstützung marginalisierter Frauen und Überlebender geschlechtsspezifischer Gewalt.

Was hat dich dazu inspiriert, dich für Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen?

Ich habe mein ganzes Leben in meiner Heimatgemeinde gelebt. Ich sehe die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern in meiner Gesellschaft und auf der ganzen Welt – die Gewalt, der Frauen in ihrem Leben ausgesetzt sind sowie Ehrenmorde, Vergewaltigungen, und Missbrauch. Wer soll sich für sie einsetzen? Wir sind die Einzigen, die einander verstehen und sich gegenseitig unterstützen können, um den Wandel herbeizuführen, den wir so dringend sehen wollen.

Wenn wir als Frauen uns nicht gegenseitig unterstützen, wer dann?

Hast du in deinem Umfeld und in deinem Leben bereits Frauen getroffen, die ihre #PowerToChange eingesetzt haben? 

Ich habe viele Erfolgsgeschichten aus unserem Programm bei Women for Women International erlebt. Zu Beginn haben viele der Frauen, mit denen wir arbeiten, keinerlei Selbstvertrauen. Sie fragen sich, wie sich ihr Leben ändern wird. Wer wird ihnen helfen? Wie können sie ihr eigenes Geld verdienen? 

Zwei unserer Programmabsolventinnen schulen heute als Trainerinnen andere Programmteilnehmerinnen in beruflichen Fähigkeiten. Dabei teilen sie auch ihre persönlichen Erfahrungen und berichten, wie unser Programm "Stronger Women Stronger Nations" ihnen dabei half, mit einer eigenen Arbeit und einem Einkommen ihre Familien zu unterstützen. Eine von ihnen trainiert heute andere Frauen in der Herstellung von Süßigkeiten und hat eine Online-Verkaufsseite eröffnet. Sie erhält viele Aufträge und stellt zu Hause Süßigkeiten her, die sie verkauft. 

Eine andere Absolventin wurde bereits in jungen Jahren verheiratet und hatte keinerlei eigenes Einkommen. Ihr Mann hatte ebenfalls keine Arbeit und die finanzielle Situation des Ehepaars war sehr schlecht. Sie hatte nicht genug Geld, um ärztliche Behandlungen für sich selbst zu bezahlen. Seit unserem Programm ist sie sehr geschickt im Herstellen von handgefertigten Stoffen und im Nähen. Sie fand einen Job bei einer renommierten Schneiderin, was sie sehr glücklich und stolz machte. Sie war selbstbewusster, seitdem sie mit ihren eigenen Fähigkeiten ein Einkommen erzielen konnte. 

Welche Veränderung würdest du dir in deiner Gesellschaft wünschen, wenn es um die Rechte von Frauen geht? 

Die größte soziale und wirtschaftliche Herausforderung für Frauen ist, dass die meisten kein eigenes Geld verdienen. Sie können sich nicht auf sich selbst verlassen. Selbst gebildete Frauen und Mädchen können aufgrund kultureller Normen und Geschlechterrollen nicht frei wählen, welcher Arbeit sie nachgehen möchten. Die Tatsache, dass Frauen kein Geld verdienen, ist ein entscheidender Faktor bei der Entstehung und Verschärfung sozialer Ungleichheiten und Reibungen. Diese Frauen brauchen immer eine andere Person, die sich um sie kümmert, und meistens ist diese Person ein Mann - ihr Ehemann, Bruder oder Vater. 

Das wiederum macht die Frauen in den Augen der Gesellschaft schwach, und die Männer übernehmen zu leicht die Kontrolle über deren Leben und verweigern ihnen ihre Grundbedürfnisse. Frauen erleiden viele Formen geschlechtsspezifischer Gewalt durch ihre Ehemänner oder andere männliche Familienmitglieder, aber sie können sich nicht scheiden lassen oder trennen, weil sie wissen, dass sie ohne Einkommen nicht für sich und ihre Kinder sorgen können. Es gibt Gemeinden, die Frauen kein Erbe zugestehen. Es gibt viele Frauen, die großartige Geschäftsideen haben, aber sie bekommen keinerlei Unterstützung dabei, ihre Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Ihre Träume davon, mit ihren Ideen ihr eigenes Geld zu verdienen zerplatzen. 

Die Veränderung, die ich mir wünsche, besteht also darin, dass Frauen ihre Fähigkeiten ausbauen und die Gesellschaft ihnen mehr Möglichkeiten zur Selbstentfaltung und Weiterentwicklung eröffnet. Auf diese Weise wird die Last der Familie gleichmäßig zwischen Frauen und Männern aufgeteilt, und dieser Prozess wird die Frauen gesellschaftlich stärken. So kann weibliche Beteiligung an der Entscheidungsfindung zunehmen, der Wert der Frauen in ihren Gemeinden und Familien geschätzt sowie traditionelle Geschlechternormen abgebaut werden. Sobald Frauen diese Chancen erhalten, wird sich ihre wirtschaftliche Lage verbessern.  

Frauen können so ihre Familie und Gemeinschaft durch ein Einkommen unterstützen, und dies wird die Wirtschaft des Landes als Ganzes fördern. 

LATIFA FAQIRZADA

BERATERIN FÜR POLICY & ADVOCACY, AFGHANISTAN

Wer bin ich? Ich bin ein Mädchen mit einem weizenfarbenen Gesicht und Augen voller Schmerz. Ich mag zart sein, aber ich bin nicht schwach. Ja, das bin ich, Latifa Faqirzada, Beraterin für Policy und Advocacy bei Women for Women International und seit fast 10 Jahren Fürsprecherin für marginalisierte Frauen in Afghanistan.

Was hat dich dazu inspiriert, dich für Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen? 

Ich bin in einer traditionellen und sehr religiösen Gesellschaft aufgewachsen. Von Kind an war ich mit Geschlechterungerechtigkeiten, Gewalt gegen Frauen und Verletzungen von Frauenrechte konfrontiert. Ich litt unter all diesen Dingen und beschloss, mich mit Aktivistinnen zusammenzutun, um neue Gesetze und Vorschriften zum Schutz der Frauenrechte zu schaffen und marginalisierten Frauen zu helfen, ihre Selbstständigkeit zu entwickeln und ihr Leben zu verändern. 

Hast du in deinem Umfeld und in deinem Leben bereits Frauen getroffen, die ihre #PowerToChange eingesetzt haben? 

Als ich anfing, mich für Frauenrechte einzusetzen, arbeiteten wir mit der Zivilgesellschaft zusammen, um ein neues Gesetz zur Beseitigung der Gewalt an Frauen zu schaffen. Dabei stießen wir auf den Widerstand religiöser Parlamentsabgeordneter. Wir setzten uns für die Verabschiedung dieses Gesetzes ein, und glücklicherweise hatten wir Erfolg und der Präsident unterzeichnete es. Nach einigen Jahren beschloss die afghanische Regierung, Teile des Gesetzes in das Strafgesetzbuch aufzunehmen und schließlich, das ganze Gesetz wieder zu streichen. Wieder fing unsere Arbeit von vorne an. Schließlich konnten wir das Gesetz retten, und die Regierung beauftragte spezielle Anwälte und Gerichte mit der Umsetzung des Gesetzes. 

Als ich meine Stelle bei Women for Women International antrat, arbeiteten wir mit Gruppen von Change Agents in der Provinz Kapisa zusammen. Sie führten eine bewusstseinsbildende Kampagne für benachteiligende kulturelle Normen und Traditionen durch, an der sich mehr als 160 Frauen und Männer aus ihrer Gemeinde beteiligten. Die Change Agents veröffentlichten eine Erklärung mit allen Unterschriften, um diese kulturellen Praktiken in Zukunft zu bekämpfen. 

Eine andere Gruppe in der Provinz Nangarhar führte mehrere Treffen mit religiösen Führungspersonen durch, um sich für die Einrichtung von Madrasa (Bildungseinrichtung) für Frauen und Mädchen einzusetzen. Es hat lange gedauert, aber sie hatten Erfolg.  

Ich habe im Laufe meiner Karriere mit sehr vielen Frauen zusammengearbeitet. Ihre Kraft zur Veränderung hat in ihrer Familie, ihrer Gemeinde, ihrer Gesellschaft und ihrem Land viel bewirkt. 

Welche Veränderung würdest du dir in deiner Gesellschaft wünschen, wenn es um die Rechte von Frauen geht? 

Als afghanische Frau mache ich mir viele Sorgen um die Frauen und Mädchen in Afghanistan. Ich konnte sehen, wie ein Mädchen gehängt wurde, ich konnte sehen, wie Frauen in Schwarz gehüllt wurden, ich konnte sehen, wie ein achtjähriges Mädchen aufgrund von Armut verkauft wurde, ich konnte eine Migrantin sehen, die im Schnee erfroren ist, ich konnte ein Baby sehen, das bei der Evakuierung am Flughafen verloren ging, und ich kann all diesen Schmerz tief in meiner Seele fühlen.  

Afghanische Mädchen sollten ihre Ausbildung in einer sicheren Umgebung fortsetzen können, und die Frauen müssen die Freiheit haben, sich so zu kleiden und zu arbeiten wie Männer und andere Frauen in der Welt. Dieses Problem wird sich lösen lassen, wenn die internationale Gemeinschaft die de facto Regierung auffordert, die Menschen- und Frauenrechte in Afghanistan zu gewährleisten. 

Ich will Frieden für Afghanistan und ich will, dass alle afghanischen Frauen und Mädchen ihre Rechte wahrnehmen können.

ZAINAB GBOBANIYI

ADVOCACY KOORDINATORIN, NIGERIA

Ich bin Rechtsanwältin mit einem Fokus auf Menschenrechte und setze mich leidenschaftlich für die Förderung und den Schutz von Frauenrechten ein. Ich bin Mutter von zwei Kindern.

Ich lebe in Jos, im nigerianischen Bundesstaat Plateau. Ich bin der Meinung, dass die Rechte von Frauen nicht in den Hintergrund, sondern in den Mittelpunkt der Diskussionen gerückt werden sollten.

Was hat dich dazu inspiriert, dich für Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen? 

In der Gesellschaft, in der ich aufgewachsen bin, ist es gang und gäbe, dass eine Frau niemals das Recht hat, sich zu bilden oder an Entscheidungsprozessen teilzunehmen. Den Söhnen wird in jeder Hinsicht in der Familie Vorrang eingeräumt. Mädchen wachsen einfach auf und werden verheiratet, um ihren Ehemännern zu dienen. Und der Kreislauf der Armut geht weiter.  

Als Kind sah ich die Not von Mädchen, die älter waren als ich, und ich wollte nie ein solches Leben führen. 

Ich begann, diese benachteiligenden Normen und die Kultur, in der ich lebte, zu hinterfragen. Ich beschloss, Jura zu studieren, um mich für diejenigen einzusetzen, die nicht für sich selbst sprechen können, und vor allem, um auf die Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen, die Frauen jeden Tag erlebten: Dass Frauen ihre Rechte verweigert werden, nur weil sie als Frau geboren wurden, obwohl wir uns das nicht aussuchen können. 

Hast du in deinem Umfeld und in deinem Leben bereits Frauen getroffen, die ihre #PowerToChange eingesetzt haben? 

Frauen können mit ihrer Stimme viel bewirken. Früher wussten viele der Frauen in meinem Umfeld noch nicht einmal, dass sie Rechte haben. Heute erheben Frauen ihre Stimme gegen geschlechtsspezifische Gewalt und andere Probleme. Sie setzen sich dafür ein, dass Frauen in alle Aspekte der Entscheidungsfindung einbezogen werden, einschließlich Frieden und Sicherheit, Regierungsführung und vieles mehr. 

Welche Veränderung würdest du dir in deiner Gesellschaft wünschen, wenn es um die Rechte von Frauen geht? 

Frauenrechte sollten nie zweitranging sein. Sie sollten niemals vernachlässigt werden. Sie sollten ernst genommen werden, als Grundrechte ohne jegliche Ausnahme und Diskriminierung. Frauen sollten an allen Aspekten der Gesellschaft beteiligt sein und nicht zurückgelassen werden.  

Eine Gesellschaft, in der Frauen beteiligt sind, entwickelt sich schneller.

Frauen haben die Kraft, die Welt zu verändern

Wenn wir unsere Stimme erheben und uns unserer eigenen Kraft bewusst werden, können wir die Welt verändern. Trage deinen Teil dazu bei, sei es im großen oder im kleinen Rahmen.

Wie nutzt du deine #PowerToChange?

Bücherempfehlungen - Women's History Month

Starte in den Monat März, indem du in die Bücher von Autorinnen aus der Gegenwart und der Vergangenheit eintauchst. Lasse dich von den kraftvollen Worten und Geschichten dazu inspirieren, deine eigene #PowerToChange zu nutzen.

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Women's History Month Kalender

Unser Aktivitätenkalender ist da! Wir wollen den Monat März zum Anlass nehmen, um inspirierende Frauen aus der Vergangenheit und Gegenwart in den Fokus zu stellen. Frauen, die ihre #PowerToChange nutzen und positive Veränderungen für Frauen weltweit bewirken.