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"Wir geben, weil andere zu wenig haben."

COVID-19 & Hilfsbereitschaft in Nigeria

Eine Gruppe unserer Programmteilnehmerinnen in Nigeria zeigt uns inmitten des Lockdowns, wie Mitgefühl unsere Welt zu einem besseren Ort machen kann.

2020 war ein Jahr der Krisen – aber die COVID-19-Pandemie hat auch unzählige Beispiele hervorgebracht, wie harte Zeiten das Beste in uns zum Vorschein bringen. In dieser Zeit, in der wir zu Selbstisolierung angehalten sind, haben wir eine Welle von Solidarität und Zusammenhalt erlebt. Viele haben Engagement gezeigt, um ihren Mitmenschen zu helfen.

Die Frauen, die wir unterstützen, haben in ihren von Konflikt betroffenen Heimatländern bereits vor der Pandemie mit Krisen und Entbehrungen zu kämpfen gehabt. Armut, Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern und Gewalt sind eine ständige Bedrohung für ihr Leben und ihre Existenz, wodurch sie oft isoliert und allein zurückbleiben. Ihnen ist die Relevanz von Solidarität im Angesicht von Not bewusster als vielen anderen.

Deshalb konzentriert sich unser einjähriges Schulungsprogramm darauf, Freundschaften zwischen den Frauen auf- und Netzwerke auszubauen – weil wir wissen, dass die Verbindung zu anderen ein essenzieller Bestandteil des sozialen und wirtschaftlichen Empowerments der Frauen ist.

Schon kleine Taten der Solidarität und gegenseitigen Unterstützung können einen riesigen Unterschied für jemanden in Not ausmachen – und sie sind ein wichtiger Teil im Aufbau von gesunden, widerstandsfähigen Gemeinschaften.

Wir stellen die Frauen in unseren Programmen überall auf der Welt in den Mittelpunkt, die sich gegenseitig durch schwere Zeiten helfen und so ein Zeichen für Mitgefühl und Zusammenhalt setzen.

Ein ganz besonders inspirierendes Beispiel ist eine Gruppe von Frauen, die Teil unseres Programms im nigerianischen Bundesstaat Kaduna sind. Die 25 Frauen aus Sabo haben es sich zur Aufgabe gemacht, die schwächsten Mitglieder ihrer Gemeinde zu unterstützen und den Zugang zur Grundversorgung während der Pandemie zu verbessern.

Da es durch COVID-19 zu schweren Problemen in der Landwirtschaft und Unterbrechungen in den Versorgungsketten kommt, sehen sich Millionen der ärmsten Nigerianer*innen mit steigenden Preisen und Knappheit von lebensnotwendigen Gütern konfrontiert. Zu Beginn des Lockdowns im Frühjahr haben wir eine Umfrage unter unseren Programmteilnehmerinnen durchgeführt und festgestellt, dass 75,6 % von ihnen aufgrund der Pandemie Einkommenseinbußen erlebten und 23,7 % gar kein Einkommen mehr hatten. Dazu kommt, dass 30 % der befragten Frauen berichteten, dass sie nicht mehr genug zu Essen hätten und 64 % angaben, dass sie sich nur „manchmal“ ausreichend mit Essen versorgen konnten.

Als die Frauengruppe aus Sabo beobachtete, wie Hunger und Entbehrung in ihrer Gemeinde zunahmen, legte sie ihre Ressourcen zusammen, um lebensnotwendige Güter zu kaufen und fünf Witwen aus ihrem Dorf zu unterstützen. Diese Pakete enthielten Seife, Getreide und Gewürzpäckchen. Einige Mitglieder der Gruppe steuerten Geld zum Kauf der Artikel bei, andere spendeten Mais aus ihrem eigenen Vorrat.

Die Frauen erzählten, dass sie sich von ihren Sponsor*innen von Women for Women International inspiriert gefühlt hatten, da diese ihre Schulungen finanziell unterstützten, obwohl sie sie nicht persönlich kannten.

Die Vorsitzende der Gruppe aus Sabo sagte dazu:

„Wir sind uns der Vorteile und der Schulungen, die wir erhalten haben, bewusst, weswegen es für uns selbstverständlich war, dass wir die Frauen um uns herum unterstützen. Wir alle erleben durch den Ausbruch der COVID-19-Pandemie schwere Zeiten. Trotzdem stehen wir besser da als die Witwen, weil wir weiterhin unser monatliches Stipendium von Women for Women International erhalten haben, obwohl das Schulungsprogramm wegen des Lockdowns ausgesetzt wurde. Was wir den Frauen gegeben haben, ist nicht viel, aber dadurch kann ihr Leid ein wenig gelindert werden. So können wir unsere Gemeinschaft in diesen schweren Zeiten unterstützen, wie wir es gelernt haben.“

Auch nachdem der Lockdown aufgehoben wurde und persönliche Schulungen nun wieder stattfinden können, setzt die Gruppe weiterhin alles daran, ihrer Gemeinde dort zu helfen, wo es gebraucht wird. Zuletzt sammelten sie Spenden, um dem Krankenhaus Stühle zu finanzieren – damit Patient*innen bequem sitzen können, während sie auf medizinische Versorgung warten. Zudem beschafften sie Betonkies, um den Zugang zum Zentrum für gesundheitliche Grundversorgung in Sabo zu verbessern.

Auch wenn Krisen die Gräben in unserer Gesellschaft noch vertiefen und Spannungen verschlimmern können, sollten wir uns daran erinnern, dass sie auch bemerkenswerte Taten des Mitgefühls und der Großzügigkeit hervorrufen – ein Beweis dafür sind Halima und ihre Freundinnen.

Wir geben nicht, weil wir zu viel haben, sondern weil Andere zu wenig haben.

Halima, Mitglied der Gruppe.