Mein Name ist Lilian Kiden: Ich stehe für Frieden in meiner Gemeinde ein

Geschichten aus dem Süsudan

Mein Name ist Lilian Kiden. Ich bin 48 Jahre alt, Mutter von acht Kindern und Bäuerin. Obwohl ich nie die Möglichkeit hatte, zur Schule zu gehen, gab mir WfWI die Chance, an einem Führungs- und Advocacy-Trainingsprogramm teilzunehmen, das mein Leben verändert hat.

Heute kennen mich viele Menschen, und mein Einfluss reicht über mein Dorf hinaus. Ich bin zur Change Agent geworden und diene nun als Sultanin (Chief) der Mahad-11-Gemeinschaft in Gimunu Boma, Yei County, Südsudan.

Nachdem ich 2022 das WfWI-Change-Agent-Programm abgeschlossen hatte, begann ich, meine Fähigkeiten und Erfahrungen zu nutzen, um Probleme in meiner Gemeinschaft anzugehen. Konflikte waren ein großes Thema, also entschied ich mich, meine Stimme zu erheben und zu handeln – auch wenn es schwierig war. Die Menschen bemerkten mein Engagement und wählten mich zur Sultanin, eine Rolle, die üblicherweise Männern vorbehalten ist und lange Zeit als unerreichbar für Frauen galt.


Lilian Kiden spricht mit Teilnehmerinnen eines Programms über Friedensförderung. Foto: WfWI

Obwohl es nach Jahren der Kämpfe in Südsudan Friedensabkommen gab, hat die Gewalt nicht aufgehört. Stattdessen hat sie sich von den Frontlinien in die Dörfer verlagert. Diese Veränderung hat Soldaten in engeren Kontakt mit der lokalen Bevölkerung gebracht, was zu mehr Spannungen zwischen Zivilisten und Militär führte. Das ist auch in meinem Dorf und in anderen Dörfern im Yei County der Fall. Da sich in Yei eine Militärkaserne befindet, habe ich häufig geholfen, Konflikte zwischen Soldaten und Zivilisten zu vermitteln. Wenn ein Konflikt ausbricht, führe ich Gespräche sowohl mit Soldaten als auch mit ranghohen Offizieren. So entsteht eine Verbindung zwischen der lokalen Gemeinschaft und den Verantwortlichen, die sich um Soldaten kümmern, die schwere Vergehen begangen haben. Anschließend übernimmt Marab, ein Generalmajor der Armee, den Fall, und die Soldaten werden zu disziplinarischen Maßnahmen vorgeladen.

Am 14. Januar 2025 brach in Yei ein schwerer Konflikt zwischen zwei Gemeinschaften aus Rumbek und Bor im Bundesstaat Lakes aus. Ich meldete den Vorfall sofort, und die Beteiligten wurden schnell festgenommen, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Das Gericht handelte zügig und konnte den Konflikt lösen.


Lilian Kiden sitzt vor ihrem Haus mit ihren Kindern. Foto: WfWI

Ich unterstütze auch Familien dabei, Konflikte zu lösen, die sich verschlimmern können, wenn sie nicht frühzeitig angesprochen werden. Ich bringe alle Beteiligten an einen Tisch, damit sie miteinander sprechen, und betone, wie wichtig es ist, dass Männer in die Lösungsfindung einbezogen werden. Es kann herausfordernd sein, doch nach einigen Treffen akzeptieren Familien in der Regel meine Vermittlung und finden wieder Frieden. Meine Erfahrung in der Konfliktlösung hilft mir, familiäre Streitigkeiten zu schlichten und Harmonie wiederherzustellen. Selbst Verwandte, die sich zuvor gemieden haben, beginnen wieder miteinander zu sprechen und gemeinsam zu essen.

Darüber hinaus leite ich die Change-Agents-Gruppe in meinem Dorf und unterstütze die Mitglieder aktiv dabei, verschiedene Herausforderungen in der Gemeinschaft anzugehen. Indem ich Verständnis fördere und proaktiv handle, helfe ich sicherzustellen, dass alle fokussiert und motiviert auf unsere gemeinsamen Ziele hinarbeiten.


Ich habe an vielen unterschiedlichen Konflikten gearbeitet, darunter Streitigkeiten zwischen Gemeinschaften, familiäre Probleme und Auseinandersetzungen um gemeinschaftliche Wasserstellen. Jede Situation bringt eigene Herausforderungen mit sich – etwa lange Anfahrtswege oder anfängliche Zurückhaltung der Beteiligten. Dennoch bin ich überzeugt, dass es wichtig ist, zu einer friedlichen Gemeinschaft beizutragen, und ich gebe mein Bestes, um Menschen wieder näher zusammenzubringen.

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