Mein Name ist Najah: Bildung ist mein Weg in die Zukunft

Geschichten aus dem Irak

Mein Vater hatte sich das Bein gebrochen und konnte ein Jahr lang nicht arbeiten. Deshalb musste ich bereits mit 14 Jahren auf den Kartoffelfeldern arbeiten, um ihn zu vertreten und meine Familie zu unterstützen.

Mein Name ist Najah Adel Tuba. Ich bin 17 Jahre alt und stamme ursprünglich aus Aleppo in Syrien. Najah bedeutet auf Arabisch „Erfolg“. Ich hoffe, dass Erfolg ein wichtiger Teil meiner Lebensgeschichte sein wird.

Im Jahr 2014 zwang uns der Krieg, unsere Heimat zu verlassen. Gemeinsam mit meinen sechs Geschwistern und meinen Eltern floh ich in die Region Kurdistan im Irak. Seitdem leben wir in einem Flüchtlingslager. Das ist inzwischen fast zwölf Jahre her. Hier fühle ich mich vergleichsweise sicher, aber das Leben ist weiterhin schwierig. Ich musste die Schule in der zehnten Klasse verlassen, als ich erst 14 Jahre alt war, weil meine Familie finanzielle Schwierigkeiten hatte. Mein Vater hatte sich das Bein gebrochen und konnte ein Jahr lang nicht arbeiten. Deshalb begann ich, auf den Kartoffelfeldern zu arbeiten, um seinen Ausfall auszugleichen.

Jeden Tag begann meine Arbeit um 2 Uhr morgens und dauerte bis 13 Uhr. Ich sammelte Kartoffeln und trug sie über viele Stunden. Es war sehr anstrengend, besonders weil ich noch so jung war. Auch bei der Arbeit stand ich unter großem Druck. Der Besitzer des Feldes bezahlte mir viel weniger, als ich für die vielen Stunden Arbeit hätte bekommen müssen.

Das Geld reichte nicht aus, um den Bedarf meiner Familie zu decken. Aber zu dieser Zeit war ich die einzige Person, die ein Einkommen verdiente. Zum Glück geht es dem Bein meines Vaters inzwischen besser und er kann wieder arbeiten. Er arbeitet beim Abladen und Tragen von Gemüse. Seine Arbeit ist sehr anstrengend und oft fühlt er sich nicht wohl. Er ist 50 Jahre alt, aber er arbeitet weiter, weil unsere Familie auf ein Einkommen angewiesen ist.

Nach meinen langen Arbeitstagen auf den Kartoffelfeldern schaute ich mir im Internet Make-up-Tutorials an und versuchte, das Gesehene selbst auszuprobieren. Ich wollte mehr lernen, denn schon seit langer Zeit träume ich davon, im Bereich Schönheit und Kosmetik zu arbeiten. Vor fast einem Jahr nahm ich am Programm für jugendliche Mädchen von Women for Women International teil. Heute lerne ich dort professionelle Fähigkeiten im Bereich Schönheit und Kosmetik. Ich mag die Ausbildung sehr, weil die Lehrerinnen und Lehrer mich ermutigen. Ich habe das Gefühl, dass ich etwas Nützliches lerne – und gleichzeitig etwas, das mir Freude macht.

Najah mit ihrer Klasse des Adolescent Girls Programmes. Foto: Women for Women International

Zunächst nahmen wir an Kursen zur wirtschaftlichen Stärkung teil. Wir lernten, wie man ein kleines Unternehmen gründet, wie man Geld spart und wie man häufige Fehler vermeidet. Danach begannen wir mit der praktischen beruflichen Ausbildung. Auch die Informations- und Aufklärungseinheiten gefallen mir sehr, besonders diejenigen, in denen wir etwas über Krankheiten lernen, darüber, wie sie sich verbreiten und wie wir uns davor schützen können. Außerdem gibt es Freizeitangebote, bei denen wir tanzen, singen und miteinander sprechen. Ich liebe diese Momente, weil sie uns die Möglichkeit geben, uns zu entspannen und gemeinsam Freude zu haben.

Nach allem, was ich durch Krieg, Vertreibung, Armut und harte Arbeit erlebt habe, hoffe ich, endlich an einem Ort angekommen zu sein, an dem ich mich weiterentwickeln kann. Ich habe sehr hart gearbeitet, um hierher zu gelangen, und ich hoffe, dass die nächsten Schritte auf dem Weg zu meinen Träumen leichter werden. Ich möchte auch wieder zur Schule gehen, meine Ausbildung abschließen und einen Hochschulabschluss machen.

Früher träumte ich davon, Anwältin zu werden. Ich glaube, dass meine Bildung in Zukunft mein Schutz und mein Schild sein kann.

Ich wollte die Schule nie verlassen, aber ich hatte das Gefühl, keine andere Wahl zu haben. Als älteste unter meinen Geschwistern war ich die Einzige, die neben meinem Vater arbeiten und meine Familie unterstützen konnte.

Ich habe noch einen weiteren Traum. Ich möchte einen großen Schönheitssalon eröffnen und professionelle Friseurin werden. Ich stelle mir vor, meinen eigenen Salon und meine eigenen Kundinnen und Kunden zu haben. Manchmal scheint dieser Traum unmöglich zu sein, aber ich wünsche ihn mir trotzdem. Ich weiß, dass ich viel Unterstützung brauchen werde, um ihn Wirklichkeit werden zu lassen.

Wenn ich an Hoffnung denke, stelle ich mir vor, jeden Morgen aufzuwachen, zu einer Arbeit zu gehen, die ich liebe, und abends glücklich und zufrieden nach Hause zurückzukehren. Ich denke, dass das Leben mir die Chance geben sollte, meine Träume zu verwirklichen – nach all der Anstrengung, die ich auf mich genommen habe.

Ich bin jedoch immer dankbar für meine Mutter und meinen Vater, die mir Kraft und Selbstvertrauen gegeben haben. Sie wollten nicht, dass ich nach dem Verlassen der Schule weiterhin auf den Kartoffelfeldern arbeite. Deshalb ermutigen sie mich, meiner Leidenschaft zu folgen und meinen Traum von einem eigenen Schönheitssalon zu verwirklichen.

Mein Leben ist nicht einfach. Ich habe das Gefühl, dass ich für all das, was ich durchmachen musste, noch viel zu jung bin. Aber ich weiß, dass meine Erfahrungen mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin, und mich zu einem starken, ehrgeizigen und dankbaren Mädchen gemacht haben.

Erfahre mehr über unser Adolescent Girls Programme und Mädchen wie Najah!

Mehr dazu

Mehr Nachrichten

Mein Name ist Feza Mbilizi: Ich träume davon, eine Universität zu besuchen und meine Ausbildung abzuschließen

06.10.2026

Geschichten

Mein Name ist Feza Mbilizi: Ich träume davon, eine Universität zu besuchen und meine Ausbildung abzuschließen

Feza aus der Demokratischen Republik Kongo nahm an unserem AGP teil und lernte dadurch nicht nur sich selbst und ihre Ziele besser kennen, sondern verstand auch, wie Bildung sowohl ihr eigenes als auch das Leben ihrer Mutter und anderer Frauen komplett verändern kann.

Mein Name ist Jennifer Kemisha: Eine Berufsausbildung gab mir Hoffnung auf eine bessere Zukunft

29.09.2026

Geschichten

Mein Name ist Jennifer Kemisha: Eine Berufsausbildung gab mir Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Jennifer aus dem Südsudan erzählt davon, wie Bildung und der Austausch mit Mädchen in ihrem Alter ihr nicht nur Hoffnung, sondern auch echte Perspektive für die Zukunft geschenkt hat.

Männer einbinden, um stärkere Familien und Gemeinschaften im Irak aufzubauen

17.09.2026

Allgemeines

Männer einbinden, um stärkere Familien und Gemeinschaften im Irak aufzubauen

Wir stärken Männer im Irak als Partner für Geschlechtergerechtigkeit: Unser Men’s Engagement Program fördert Wissen, Selbstvertrauen und Kommunikationsfähigkeiten und treibt nicht nur in den Familien, sondern in ganzen Gemeinden nachhaltige Veränderungen voran.

Campaign image

Wie viele Sister möchten Sie unterstützen?

Ihr Unterstützungsbetrag pro Sister

Der Betrag darf nicht weniger als 29 € sein.