Mein Name ist Dilberin: Ich träume von einem Zuhause außerhalb des Geflüchtetenlagers

Geschichten aus dem Irak

Ich habe Angst, dass ich zum vierten Mal fliehen muss. Ebenso fürchte ich, zur Rückkehr nach Syrien gezwungen zu werden – ein Land, das sich für mich noch immer nicht sicher anfühlt.

Mein Name ist Dilberin Suleiman. Ich bin 30 Jahre alt und stamme ursprünglich aus der Stadt Qamishli in Syrien.

In meinem Leben wurde ich bereits zweimal vertrieben. Das erste Mal war vor 13 Jahren, als ich wegen des Beschusses, der Gewalt, der Entführungen und des verheerenden Krieges, der unser Leben bestimmte, aus Syrien fliehen musste. Von dort ging ich in die Türkei, wo ich ein Jahr lang lebte. Das Leben dort war sehr schwer, und ich erlebte viel Diskriminierung. Danach wurde ich erneut vertrieben und zog in die Autonome Region Kurdistan im Irak, wo ich nun seit elf Jahren lebe.

Heute lebe ich mit meinen beiden Töchtern, die zehn und elf Jahre alt sind, im Flüchtlingslager Gawilan. Seit drei Jahren bin ich alleinerziehende Mutter und trage die alleinige Verantwortung für ihre Erziehung und unseren Lebensunterhalt.

Wir leben in einem Wohncontainer im Lager, nicht in einem richtigen Haus. Wenn der Wind stark weht, schlägt die Tür immer wieder auf. An regnerischen Nächten kann ich wegen des Lärms auf dem Dach kaum schlafen. Die Container stehen sehr dicht beieinander, sodass es kaum Privatsphäre gibt. Ich vermisse es, unter einem echten Dach zu leben, statt in einer provisorischen Unterkunft. Außerdem liegt das Lager Gawilan weit von der Stadt und ihren Einrichtungen entfernt, wodurch wir uns oft vom normalen Alltag abgeschnitten fühlen.

Als Frau und alleinerziehende Mutter stehe ich vor Herausforderungen, die den Alltag zusätzlich erschweren.

Das Leben in einem konservativen Umfeld ist nicht immer einfach, und die Privatsphäre von Frauen wird nicht immer respektiert. Gleichzeitig bin ich den Menschen in Kurdistan sehr dankbar. Sie haben uns aufgenommen, uns Schutz gegeben und uns unterstützt, als wir ankamen. Auch heute fühle ich mich hier wohler und sicherer als an vielen anderen Orten.

Trotzdem vermisse ich mein Zuhause. Ich vermisse meine Familie und die schönen gemeinsamen Zusammenkünfte, die wir früher hatten. Hier habe ich kein echtes soziales Netzwerk. Wenn ich krank werde oder eine meiner Töchter Hilfe braucht, gibt es niemanden, auf den ich mich verlassen kann – außer einer Freundin, die für mich wie eine Schwester ist.

Dilberin in ihrer vorübergehenden Unterkunft in einem Flüchtlingslager im Irak. Foto: WfWI

Acht Jahre lang arbeitete ich in der Kinderbetreuung. Ich hatte eine gute Arbeit, doch aufgrund fehlender finanzieller Mittel und Ressourcen wurde das Projekt schließlich eingestellt. Nachdem ich meine Stelle verloren hatte, erzählten mir einige Freundinnen im Lager vom Programm „Stronger Women, Stronger Nations“ von Women for Women International. Im Oktober 2025 entschied ich mich, daran teilzunehmen.

Schon von Beginn an spürte ich eine große emotionale Erleichterung. Gemeinsam mit den anderen Frauen und dem Team fand ich einen Ort, an dem ich lernen, offen sprechen, Freundschaften schließen und neue Fähigkeiten entwickeln konnte. Unsere Trainerin ist unglaublich freundlich und verständnisvoll. Jedes Mal, wenn ich an den Treffen teilnehme, verbessert sich meine Stimmung und ich fühle mich stärker.

Von Anfang an interessierte ich mich besonders für die beruflichen Qualifizierungsangebote – vor allem für Frisuren, Make-up und Nageldesign. Durch das Programm fand ich die Motivation, diesen Interessen ernsthaft nachzugehen. Noch bevor die praktischen Kurse begannen, brachte ich mir die Nagelpflege selbst bei und fand eine Frau, die bereit war, mich auszubilden. Inzwischen biete ich bereits Nageldesign an und verdiene damit ein kleines Einkommen, um mich und meine Töchter zu unterstützen.

Dilberin übt ihre Fähigkeiten im Nageldesign. Foto: WfWI

Durch das Programm „Stronger Women, Stronger Nations“ möchte ich diese Fähigkeiten weiter ausbauen. Ich möchte lernen, wie ich Geld sparen, ein kleines Unternehmen aufbauen und mein Wissen im Bereich Haare, Schönheit und Make-up vertiefen kann. Das Leben ist für mich und viele Menschen in meiner Situation sehr schwer. Doch seit ich an dem Programm teilnehme, blicke ich wieder hoffnungsvoller in die Zukunft. Ich glaube, dass Menschen immer an der Hoffnung festhalten und an eine bessere Zukunft glauben sollten.

Vor Kurzem, während der militärischen Eskalation im Zusammenhang mit dem Iran und den Angriffen, die auch den Irak betrafen, hatten wir große Angst. Ich machte mir große Sorgen, und auch meine Töchter hatten Angst. Sie kannten Krieg bislang nur aus meinen Erzählungen, hatten ihn aber nie selbst erlebt. Zum ersten Mal spürten sie die Angst und Unsicherheit, die Explosionen und die Gefahr eines Konflikts auslösen können. Sie sahen meine Angst – und für mich brachten diese Momente all die schmerzhaften Erinnerungen an den Krieg in Syrien zurück. Ich bekam Angst, erneut fliehen zu müssen – vielleicht sogar zum dritten oder vierten Mal.

Ich fürchte, nach Syrien zurückkehren zu müssen, obwohl das Land für mich noch immer nicht sicher ist. Entführungen und Unsicherheit sind weiterhin Realität, und wir haben dort kein Zuhause mehr, in das wir zurückkehren könnten.

Im Moment konzentriere ich mich auf die Kurse bei Women for Women International. Neben den beruflichen Fähigkeiten lerne ich dort etwas ebenso Wichtiges: mir selbst zu vertrauen, an meine Fähigkeiten zu glauben und selbstbewusst aufzutreten.

Manchmal frage ich mich, was ich den Staats- und Regierungschefs der Welt sagen würde, wenn ich die Gelegenheit dazu hätte. Ich würde sie bitten, in Frieden und Stabilität zu investieren, statt Kriege zu finanzieren.

Ich wünsche mir, dass unsere Ressourcen dafür eingesetzt werden, Häuser und Gemeinschaften aufzubauen – und nicht immer neue provisorische Flüchtlingslager für Menschen zu errichten, die ihre Heimat verlassen mussten.

Niemand entscheidet sich freiwillig dafür, sein Zuhause, seine Familie und alles Vertraute zurückzulassen. Doch Millionen Menschen werden durch Konflikte und Unsicherheit dazu gezwungen. Meine Hoffnung ist einfach: Dass Familien wie meine eines Tages in Sicherheit und Stabilität leben können – unter einem echten Dach, an einem Ort, den sie wirklich ihr Zuhause nennen können.

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