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Auswirkungen der COVID-19 Pandemie auf unsere Arbeit

25.05.2020: Gute Neuigkeiten aus der DRK!

Update: In unserem ersten Projektland haben wir den persönlichen Unterricht nun wieder aufgenommen! Erfahre mehr zur atuellen Lage und den Sicherheitsmaßnahmen in der Demokratischen Republik Kongo: 

27.04.20: Die Distanz wird unsere Unterstützung nicht stoppen

Women for Women International glaubt an die Stärke von Solidaritätsnetzwerken und investiert in die Gemeinschaft von Frauen, auch über Entfernungen hinweg. Unsere Teams und Teilnehmerinnen nutzen nun diese Verbindungen, um sich während der COVID-19-Pandemie gegenseitig zu unterstützen.

Unsere Teams bereiteten sich auf die Aussetzung unserer persönlichen Programmaktivitäten vor, indem sie Frauen Wissen über Infektionskrankheiten und wichtige Hygiene- und Gesundheitspraktiken vermittelten. Als vertrauenswürdige Quelle in den Gemeinden für zuverlässige Gesundheitsinformationen gaben unsere Mitarbeiter*innen die Anleitungen der Weltgesundheitsorganisation zur Prävention von COVID-19 weiter, damit Frauen sich selbst schützen und andere in ihren Gemeinden aufklären konnten.

Die Frauen bekamen essenzielle Informationen über soziale Distanzierung, richtiges Händewaschen und sicheres Husten und Niesen, wie auf dem Foto aus unserem Südsudan-Programm zu sehen ist. In diesem Artikel erfahren Sie, wie sich jedes unserer Programme angepasst hat, um Frauen während dieser Krise weiterhin zu unterstützen. In all unseren Länderteams arbeitet Women for Women International mit den lokalen Gesundheitsbehörden zusammen und beteiligt sich an NGO-Foren, um Zugang zu verlässlichen Informationen zu verbreiten und einen Beitrag zur Eindämmung des Virus zu leisten.

 

SÜDSUDAN

Bereits vor COVID-19 nutzte unser Team im Südsudan den Rundfunk, um gesundheitsrelevante Botschaften zu verbreiten und die Gemeinden in die Schulungen einzubinden. Gemeinsam mit Teilnehmern unserer Sendung moderierten die Mitarbeiter*innen eine lokale Radiosendung, die eine Diskussionen über Themen wie geschlechtsbasierte Gewalt gegen Frauen beinhaltete. Als sich das Coronavirus ihrem Land näherte, nutzten die südsudanesischen Teilnehmerinnen und Mitarbeiter*innen die Radioplattform, um Gesundheitsratschläge weiterzugeben und die Menschen über den Ausbruch von COVID-19 zu informieren. Unser Personal hat die Kommunikation mit den Teilnehmerinnen, die über Mobiltelefone verfügen, aufrechterhalten, um das Bewusstsein zu stärken und aktuelle Informationen weiterzugeben.

 

RUANDA

Vor der Aussetzung des Programms im Rahmen eines landesweiten Lockdowns sammelte unser Team in Ruanda die Telefonnummern der Leiterinnen der einzelnen Frauengruppen, um den Kontakt zu den Teilnehmerinnen aufrechtzuerhalten.

Die Klassensprecherinnen sowie die Leiterinnen der Netzwerke ehemaliger Absolventinnen unseres Programms bleiben mit unserem Personal in Kontakt, um über die Lage der Frauen vor Ort auf dem Laufenden zu bleiben und gleichzeitig wichtige Nachrichten über das Virus weiterzugeben.

Den Frauen kamen ihre monatlichen Stipendien stets über Banken zu, was sich für die Teilnehmerinnen als entscheidende Hilfe in der Bestreitung ihres Alltags erwies. Angesichts der Schließung der Banken im Land und zur Wahrung der sozialen Distanz hat sich unser ruandisches Team schnell angepasst und alternative Wege gefunden, um den Frauen diese lebenswichtigen Gelder zu schicken. Sie haben die Frauen zum Kauf einer einfachen SIM-Karte ermutigt, die sie mit einem geliehenen Mobiltelefon benutzen können, um über mobiles Banking ihr monatliches Stipendium zu erhalten. Der Besitz einer SIM-Karte bedeutet auch, dass die Frauen miteinander in Kontakt bleiben und aktuelle Informationen von unseren Ausbildern erhalten können. Indem Sie heute spenden, ermöglichen Sie uns, Frauen in Ruanda mithilfe von SIM-Karten miteinander zu vernetzen.

Unsere Mitarbeiter arbeiten zudem eng mit Institutionen zusammen, die Dienstleistungen anbieten, die Frauen möglicherweise benötigen. Die Mitarbeiter können beispielsweise an Dienste verweisen, die den Betroffenen von häuslicher Gewalt Hilfe leisten.

 

DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO (DRK)

Aufgrund des vergangenen Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo haben unsere Mitarbeiter Erfahrung in der Sensibilisierung und Aufklärung der Gemeinden über Infektionskrankheiten. Bevor der Unterricht unterbrochen wurde, verstärkten unsere Teams die Trainings zur Prävention von COVID-19 anhand von Schulungen und Diskussionsgruppen mit Männern und Frauen. 

Viele Frauen in unserem DRK-Programm lernen im Rahmen ihrer Berufsausbildung die Herstellung von Seife. Deshalb unterstützt unser Team ihre Produktion und prüft, wie wir ihre Seife an andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer verteilen können. Unser Team untersucht auch, ob Frauen, die das Schneiderhandwerk gelernt haben, beim Nähen von Schutzmasken helfen können und welche Ressourcen dafür benötigt würden.

Da die Abdeckung durch Mobiltelefone in DRK nicht immer zuverlässig ist, müssen unsere Teams andere Lösungen finden, um mit den Frauen in unserem Programm in Kontakt zu bleiben.  Diejenigen, die ein Telefon haben, werden Teil von Kommunikationsketten, um Informationen über die Lage in ihren Gemeinden weiterzugeben. Viele dieser Anruferketten werden von den Village Savings and Loan Associations (VSLAs) organisiert, d.h. von Frauengruppen, die im Rahmen unseres Programms ausgebildet werden.

Solche Kommunikationskanäle ermöglichen es unserem Team, weiterhin Informationen über wichtige Gesundheitsdienstleister und die Unterstützung bei geschlechtsspezifischer Gewalt bereitzustellen. Unsere VSLAs prüfen auch, wie sie sich darüber hinaus gegenseitig unterstützen können. Sie erwägen u.a., ob sie untereinander Nahrungsmittel zu reduzierten Preisen tauschen oder verkaufen können, um ihre lokale Wirtschaft zu fördern und gleichzeitig den steigenden Nahrungsmittelpreisen entgegenzuwirken. 

 

IRAK

Gegenwärtig ist unser Landesbüro im Irak am strengsten abgeriegelt. Die meisten Menschen sind nicht in der Lage, ihre Häuser zu verlassen oder ihr Auto zu benutzen, ohne dass die Behörden dies unterbinden und sie zur Rede stellen.

Da sie zu Hause festsitzen, verbringen die Teilnehmerinnen ihre Zeit mit Kunsthandwerk! So bereiten sie sich auf eine Zukunft vor, in der sie ihre Produkte auf dem Markt oder auf Basaren verkaufen können. Sie unterstützen sich weiterhin gegenseitig durch Anrufe und bleiben so in Kontakt mit ihren neu gewonnen Freundinnen aus dem Programm.

Unsere Mitarbeiter wenden sich direkt an jede Teilnehmerin des Programms; sie betonen gegenüber den Frauen, dass unser Team für sie da ist. Wenn Frauen Probleme im Zusammenhang mit Ernährungsunsicherheit, häuslicher Gewalt, geschlechtsspezifischer Gewalt oder Gesundheit haben, vernetzt unser Team sie mit unseren Partnern vor Ort.

Die Kommunikation ist im Irak relativ einfach, so dass Mitarbeiter und Teilnehmerinnen per Telefon, über Chat-Anwendungen wie WhatsApp oder Facebook-Messenger oder über soziale Medien kommunizieren können.  Viele weibliche Teilnehmerinnen haben sich sogar aktiv mit unseren Mitarbeiter*innen in Verbindung gesetzt, um sich über ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu informieren! Unsere Teams suchen auf diesem Wege nach Möglichkeiten, die Frauen auch weiterhin aus der Ferne zu unterrichten, wobei der Lehrplan durch Mobiltelefone, Apps und soziale Medien ergänzt und realisiert wird. So erkunden sie zum Beispiel die Möglichkeit von Facebook-Gruppen, um die verschiedenen Unterrichtsklassen von Frauen zu verbinden. Sie werden Themen, die in Krisenzeiten von entscheidender Bedeutung sind, wie die Bedeutung des Sparens und Geldanlegens, verstärkt behandeln.

Indem wir diese Verbindungen aufrechterhalten, können wir die Isolation der Frauen zu Hause durchbrechen.

Ich bin sehr dankbar für das, was ich über die Verwaltung meiner Ausgaben und Geldsparen gelernt habe. Es hat sich in diesen schwierigen Tagen als sehr nützlich erwiesen. Wir geben das Geld, das wir gespart haben, für wesentliche Dinge aus.

- BAHAR, Women for Women International, Irak

BOSNIEN & HERZEGOWINA

Einige der Absolventen unseres Programms nutzen die erlernten Fähigkeiten aus ihrer Ausbildung, um einen Beitrag zum Schutz ihrer Gemeinden zu leisten. Über 100 Absolventinnen und Teilnehmerinnen haben mit dem Nähen von Gesichtsmasken und Schutzkitteln begonnen, die von Krankenhäusern, Polizeibeamten, älteren Menschen und Mitarbeitern der Kommunalverwaltung verwendet werden.

Da alle persönlichen Aktivitäten eingestellt wurden, bleiben die Teilnehmerinnen und Mitarbeiter*innen über soziale Medien, wie Facebook und Viber, in Kontakt. Unsere Teams stehen außerdem mit den Vorsitzenden von Frauenverbänden, die von den Absolventinnen unseres Programms über viele Jahre aufgebaut wurden, in Verbindung.

 

AFGHANISTAN

Bevor der Unterricht unterbrochen wurde und die Mitarbeiter*innen von zu Hause arbeiten konnten, half unser Afghanistan-Team den Frauen, sich auf die kommenden Wochen und Monate vorzubereiten. Der Fokus lag darauf, die Frauen in die Lage zu versetzen, ihre berufliche Tätigkeit fortzusetzen. Diejenigen, die gerade in der Landwirtschaft geschult werden, erhielten saisonale Obstbäume, die sie selbst anpflanzen und nutzen können.

Unser Team arbeitet daran, den Frauen Hygienesets mit Masken, Seife, Handdesinfektionsmittel, Handschuhen und Broschüren mit wichtigen Informationen über das Coronavirus zur Verfügung zu stellen. Wenn möglich, stehen die Ausbilderinnen und Ausbilder in Kontakt mit aktuellen Teilnehmerinnen, Change Agents, und anderen relevanten Akteuren. Unser Team gibt vertrauenswürdige Informationen über COVID-19 weiter, stellt bei Bedarf Überweisungen an Gesundheitsdienste zur Verfügung und befragt Frauen telefonisch zu ihrem Zustand und ihrem Wohlbefinden. Wenn ihnen bei diesen Anrufen Probleme der Frauen zu Ohren kommen, geben sie diese an die COVID-19-Reaktionsgruppe des lokalen Afghanistan-Teams weiter.

Viele Frauen in Afghanistan haben aufgrund der Armut und geschlechterspezifischer Einschränkungen kein eigenes Telefon zur Verfügung. Deshalb sucht unser Team nach anderen Möglichkeiten, wichtige Informationen mit den Frauen zu teilen, z.B. durch das Versenden von Sprachaufzeichnungen, so dass die Frauen ihre Informationen gefahrlos an andere Frauen, die in ihrer Nähe leben, weitergeben können.

 

NIGERIA

Bevor die Ausbildung ausgesetzt wurde, konnte unser Nigeria-Team allen Teilnehmerinnen ihre monatlichen Stipendien über Partner in Finanzinstituten zur Verfügung stellen und sucht nach Lösungen, um diese wichtigen Ressourcen weiterhin bereitzustellen.

Unser Team in Nigeria ist in der Lage, mit einigen der Klassensprecherinnen per Mobiltelefon Kontakt zu halten. In den Gemeinden, in denen wir arbeiten, stoßen wissenschaftlich fundierte Informationen über Krankheiten oft auf Aberglauben. Als vertrauenswürdige Wissensquelle spielen unsere Mitarbeiter*innen dementsprechend eine entscheidende Rolle beim Austausch genauer Informationen, um das Virus einzudämmen.

Für Frauen, die an Orten ohne zuverlässige Mobilfunkversorgung leben, oder die kein Telefon besitzen, hat unser Team mit Teilnehmerinnen und Absolventinnen zusammengearbeitet, um eine Balance zwischen Kontakt und sozialer Isolation zu finden. Diejenigen, die über Telefone verfügen, sprechen mit Trainern, um Informationen zu COVID-19 zu erhalten und Trainingseinheiten zu rekapitulieren. Sie können sich dann mit Frauen in entlegeneren Gebieten treffen, um sie an diese wichtigen Gesundheitslektionen zu erinnern.

In vielen unserer Programme wird uns bestätigt: Das Einkommen der Frauen ist ein wesentlicher Faktor für die Widerstandsfähigkeit der Familie. Bevor die Märkte im Rahmen eines nationalen Lockdowns schließen, bereitet unser Team die Frauen auf die Notwendigkeit des Sparens und anderer Adaptionen im Alltag vor.

 

KOSOVO

Während der Unterrichtspause stehen unsere Teams weiterhin in Kontakt mit den Teilnehmerinnen und bieten Unterstützung durch virtuelle Gruppen, bspw. über Facebook und Viber. Wie in vielen anderen Ländern gibt es überall ungenaue Informationen über das Coronavirus, und diese Gruppen ermöglichen es den Teams vor Ort, genaue Informationen zur Übertragung und Prävention des Coronavirus mit den Teilnehmerinnen zu besprechen.

Unsere Mitarbeiter*innen ermutigen die Frauen, ihre einkommensschaffenden Aktivitäten fortzusetzen. Wenn möglich, wird Women for Women International Materialien und Beiträge zur Verfügung stellen, die ihre beruflichen Aktivitäten unterstützen. Vor allem in der Landwirtschaft soll hiermit erreicht werden, dass die Frauen während der Krise weiterarbeiten können, die Marktnachfrage befriedigen und Geld verdienen können.

Auch während der Krise blicken die meisten Frauen hoffnungsvoll in die Zukunft. Frauen, die sich künstlerisch betätigen, haben die Produktion fortgesetzt, um ihre Waren bei der Wiedereröffnung der Märkte zu verkaufen. Für Unternehmerinnen auf höherer Ebene sucht das Team nach Möglichkeiten, Online-Schulungen über Zoom zu organisieren.

 

 

Wir sind stolz auf das hohe Maß an Innovation und Kreativität, das unsere Teams an den Tag gelegt haben, und auf die Solidarität, die die Teilnehmerinnen untereinander zeigen. Die globale Gemeinschaft von Women for Women International ist über Grenzen hinweg verbunden, um Frauen und ihren Familien zu helfen, diese unsichere Zeit zu überstehen. So wie unsere Teams und Teilnehmerinnen miteinander in Kontakt bleiben und sich gegenseitig unterstützen, hoffen wir, dass auch Sie ihnen weiterhin zur Seite stehen werden.

30.03.2020: Maßnahmen zur gesundheitlichen Aufklärung

Obwohl sich COVID-19 weltweit rasch verbreitet, arbeiten unsere Teams mit Hochdruck daran, unsere Programmteilnehmerinnen bestmöglich zu unterstützen.

Erst am letzten Donnerstag schloss unser Büro im Süd-Sudan letzte persönliche Schulungen ab, während sich das Land auf die Schließung von Schulen und Grenzen vorbereitete. Bevor Women for Women International sein Programm vorerst pausierte, wurden den Frauen noch einige Informationen und Gesundheitshinweise mit auf den Weg gegeben. So erfuhren die Teilnehmerinnen in der Abschluss-Schulung, wie sie sich am besten vor Krankheiten schützen können und wie sie ihre Freunde und ihre Familie über wichtige Hygienegewohnheiten aufklären können.

Unser Team in Nigeria traf ähnliche Maßnahmen und klärte die Frauen zusätzlich über kursierende Mythen zu COVID-19 auf. Am Freitag wurden die gesundheitlichen Schulungen in Nigeria abgeschlossen und das Programm bis auf weiteres ausgesetzt. In allen Projektländern nehmen unsere Teams ihre Rolle als vertrauenswürdige Quelle für genaue Gesundheitsinformationen sehr ernst. So werden täglich neue Wege gefunden, weiterhin Informationen an die Frauen weiterzugeben. Da die Bewegungsfreiheit unserer Teilnehmerinnen in vielen Projektländern (wie dem Irak und Ruanda) stark eingeschränkt ist, bewahren diese Maßnahmen den wichtigen Kontakt zwischen unseren Teams und den Frauen.

Programmteilnehmerinnen im Süd-Sudan üben, wie sie in Zeiten von COVID-19 am hygienischsten husten und niesen können.
Programmteilnehmerinnen im Süd-Sudan üben, wie sie in Zeiten von COVID-19 am hygienischsten husten und niesen können.

26.03.2020: Vorläufige Aussetzung unserer Programme

Unsere beiden Länderbüros in Nigeria und dem Süd-Sudan liegen in sicherer Entfernung zu größeren Städten und Touristenzentren. Diese Woche haben unsere Teams vor Ort Trainings für Frauen angeboten, damit diese sich selbst, ihre Familien und Gemeinden effektiv vor COVID-19 schützen können. Bevor sich unsere Mitarbeiter*innen ins Home-Office begeben, überreichen sie den Frauen ihr monatliches Budget und bereiten sie auf die soziale Abschottung vor.

Im Süd-Sudan gibt es noch keine bestätigten Fälle von COVID-19. Dennoch hat die Regierung Präventiv- und Schutzmaßnahmen ergriffen, indem sie Schulen und Grenzen bereits geschlossen hat. Unser Team hat sich rasch auf die Schließung des Büros in Übereinstimmung mit der Regierung vorbereitet und arbeitet mit einer Task Force der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an einer bestmöglichen Reaktion. Bis Ende der Woche werden sowohl unsere Büros in Nigeria als auch im Süd-Sudan die Aktivitäten vor Ort aussetzen. Dies geschieht im Einklang mit den Bemühungen der jeweiligen Gemeinden, die Verbreitung von COVID-19 einzudämmen.

Kreative Wege, um den Kontakt mit den Frauen aufrechtzuerhalten

Unsere Teams gelten in den jeweiligen Gemeinden als vertrauenswürdige Quelle für Gesundheitsinformationen. Daher suchen unsere Mitarbeiter*innen nach Möglichkeiten, mit den Teilnehmerinnen in Kontakt zu bleiben, um ihnen notwendige Informationen zu übermitteln. Die wöchentliche Radiosendung, die unser Team im Süd-Sudan normalerweise moderiert, ist sehr beliebt. Da vorerst keine persönlichen Trainingseinheiten stattfinden können, wird es in nächster Zeit wichtiger denn je sein, mit Frauen und Gemeinden über Radio in Verbindung zu bleiben. Unser Team in der Demokratischen Republik Kongo hat diese Idee an ihren eigenen lokalen Kontext angepasst. Da es in vielen unserer Gemeinden keine grundlegende Mobilfunkversorgung gibt, erweist sich das Radio als wirksames Mittel, um weiterhin Informationen mit Frauen zu teilen.

In Ruanda hat die Regierung eine Ausgangssperre verhängt, um die Verbreitung von COVID-19 zu verlangsamen. Unser Team ermutigt daher die Teilnehmerinnen, sich SIM-Karten zu besorgen. Auch wenn manche der Frauen kein eigenes Telefon besitzen, können sie auf diese Weise mit unserem Team in Kontakt bleiben. Gleichzeitig werden Möglichkeiten erörtert, wie die Frauen ihr monatliches Budget über eine SIM-Karte erhalten können. Mobilfunk und soziale Medien sind für viele unserer Länderteams essentiell, um den Kontakt zu den Teilnehmerinnen aufrechtzuerhalten. Im Irak, wo viele der Frauen über Mobiltelefone und Snapchat verfügen, werden so aktuelle Gesundheitsinformationen über COVID-19 weitergegeben. Im Kosovo nutzen die Mitarbeiter*innen Facebook und Viber, um das Netzwerk aus Absolventinnen und Teilnehmerinnen über News zu COVID-19 sowie Mythen über die Symptomatik und deren Heilung aufzuklären.

Change Agents und ihre Netzwerke als Informationsmedium 

In Afghanistan wiederum, wo Frauen seltener Zugang zu eigenen Telefonen besitzen, nutzen unsere Teams die Netzwerke, die Frauen im Rahmen des Programms geknüpft haben. Durch Change Agents (Absolventinnen unseres Programms, die zu lokalen Führungspersonen wurden), Selbsthilfegruppen sowie Dorf- und Sparkassenverbände werden lebensrettende Informationen weitergegeben. Die Absolventinnen unseres Programms werden zudem verstärkt in Präventionsmethoden einbezogen: In Bosnien und Herzegowina näht ein aus unserem Programm entstandener Verband aus Näherinnen und Schneiderinnen gerade Gesichtsmasken. Diese werden genutzt, um Krankenhausmitarbeiter und die Polizei vor Ort zu unterstützen; also Alle, die an vorderster Front gegen die Pandemie kämpfen. In vielen unserer Länder, wie z.B. in der Demokratischen Republik Kongo, stellen Absolventinnen auch nach Abschluss des Programms Seife her, was in diesen Zeiten einen wichtigen Garant für Hygiene und Gesundheit darstellt.

20.03.2020: Reaktion und Adaption

Die Zahl der bestätigten COVID-19 Fälle in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) ist zwar noch immer gering, hat aber zu einer Einschränkung der öffentlichen Versammlungen und Veranstaltungen durch die Regierung geführt. Wir reagieren auf die neue Gesetzeslage, indem wir die Schulungen und Feldaktivitäten in unserem Büro in der DRK vorübergehend aussetzen, obwohl der Bürobetrieb vorerst weiterläuft.

Unsere Länderbüros in Nigeria und im Südsudan arbeiten nach wie vor ohne Einschränkungen; wir beobachten die Situation in der Region jedoch genauestens. Da die Zahl der Fälle in Nigeria zunimmt, ist unser Team auf die Möglichkeit einer vorübergehenden Projektpause vorbereitet.

Innovative Methoden der Gesundheitserziehung während der Krise

Während der Aussetzung des Programms findet jedes unserer Länderteams neue und innovative Wege, um mit den teilnehmenden Frauen in Kontakt zu bleiben. Dies soll die Übermittlung wichtiger Informationen über die aktuelle Lage gewährleisten. Die Kontaktmethoden sind je nach Gemeinde unterschiedlich: Im Südsudan veranstalten unsere Programmteilnehmerinnen und Mitarbeiter*innen ein öffentliches Radioprogramm, um Gesundheitsinformationen an ihre Gemeinden weiterzugeben. Unsere Mitarbeiter*innen in der DRK nutzen ebenso das Radio, um Informationen über die Prävention und Reaktion auf COVID-19 zu teilen. Dies schließt bestehende Lehrmodule aus unserem Gesundheits- und Hygieneunterricht ein, und soll so vielen Familien wie möglich Zugang zu lebenswichtigen Informationen geben.

Eine weitere innovative Maßnahme umfasst die Kombination technologischer Mittel mit den persönlichen Verbindungen der Frauen: Gemeindegruppen zur Förderung der Frauenrechte oder dörfliche Spar- und Kreditvereinigungen (VSLAs) haben ihre verfügbaren Mobiltelefone zur Bekämpfung der Pandemie und zum Austausch aktueller Informationen umfunktioniert. Diese sozialen Verbindungen sind somit zu einer Lebensader für die Gesundheit und Sicherheit von Frauen geworden.

Women for Women International ist stolz auf die langjährigen Verbindungen zu lokalen Gemeinden überall auf der Welt. Unsere Mitarbeiter*innen in allen Programmländern sind Experten in ihren Gemeinden, den lokalen Gegebenheiten und der Sprache. Sie spielen eine entscheidende Rolle in der Aufrechterhaltung des Kontakts mit den Teilnehmerinnen und deren Schutz. In Ländern, in denen die Situation es erfordert, haben wir unsere Büros geschlossen. Dort sind die Mitarbeiter*innen dazu übergegangen, im Home Office zu arbeiten. Während dieser Zeit werden alle Mitarbeiter*innen weiterhin von Women for Women International entschädigt.

Die globale Gemeinschaft ist derzeit mit einer noch nie dagewesenen Krise konfrontiert, die Solidarität und gegenseitige Unterstützung erfordert. COVID-19 betrifft uns alle und wir geben weiterhin unser Bestes, besonders gefährdeten Frauen in dieser Krise eine Stütze zu sein.

18.03.2020: Sicherheit und Gesundheit der Teilnehmerinnen und Mitarbeiter*innen hat oberste Priorität

Aufgrund der Erklärung von COVID-19 zur weltweiten Pandemie und der steigenden Zahl von Fällen ergreift Women for Women International nun drastische Maßnahmen für die medizinische Sicherheit der Projektbeteiligten und Mitarbeiter*innen vor Ort. "Als Mitglied unserer globalen Gemeinschaft suchen wir nach Möglichkeiten, unseren Teil zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus beizutragen", sagte Laurie Adams, CEO von Women for Women International. "Wir glauben, dass wir derzeit gut aufgestellt sind, um Frauen bei der Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 zu unterstützen.

Dafür arbeiten wir mit Teams vor Ort zusammen und setzen auf die Empfehlungen internationaler Experten, um die sicherste Vorgehensweise zu gewährleisten.“ Eines unserer wichtigsten Ziele ist demnach die Unterstützung von Frauen bei der Wahrung und Verbesserung ihres gesundheitlichen Wohlbefindens. Als Teil unseres Lehrplans in all unseren Landesprogrammen unterrichten wir Frauen über die Verbreitung von Krankheiten und deren Eindämmung. Wir haben die Möglichkeit - und somit die Verantwortung -, den beteiligten Frauen die Informationen und Instrumente an die Hand zu geben, die zur Wahrung ihrer Sicherheit nötig sind.

Unser Team hat jahrelange Erfahrung in der Vorbereitung von Frauen und Gemeinden auf Infektionskrankheiten, wie z.B. die Ebola-Ausbrüche in der Demokratischen Republik Kongo. Obwohl sich COVID-19 und Ebola in vielerlei Hinsicht unterscheiden, ändert dies nichts an der Gefahr, die diese Krankheiten für Frauen an der Schnittstelle von Armut und Konflikten darstellen. Unser kongolesisches Team ist versiert in der Führung von Gemeinden durch die Ebola-Krise und teilt diese wertvollen Erfahrungen mit unseren Mitarbeiter*innen in anderen Ländern. Dies soll allen Projektländern dabei helfen, sich vor viralen Bedrohungen zu schützen.

In vielen unserer Projektgemeinden bestehen feste Geschlechterrollen im Hinblick auf Gesundheit und Pflege. Somit sind häufig Frauen für die Gesundheit der Familie und Pflege der Gemeinschaft verantwortlich. Demnach sind Frauen häufiger in Kontakt mit Kranken und Infizierten und laufen ständig Gefahr, sich selbst anzustecken. Viele unserer Programmteilnehmerinnen leben in ländlichen oder abgelegenen Gebieten, wo der Zugang zu medizinischen Ressourcen knapp oder gar nicht vorhanden sind. Lebensrettende Gesundheitsdienste sind oft Stunden entfernt oder überhaupt nicht zugänglich.

Das bedeutet, dass Frauen, die an der Schnittstelle von Armut, Konflikten und geschlechtsspezifischer Diskriminierung leben, stärker gefährdet und weniger gegen eine Infektion gewappnet sind. An der vordersten Front bei der Bekämpfung von Krankheiten zu stehen, bedeutet auch, dass Frauen bei der Abwehr von COVID-19 eine führende Rolle übernehmen können. Daher besteht ein wichtiger Teil unseres Programms darin, Frauen über Infektionskrankheiten aufzuklären, wie man sie in ihrem Haushalt verhüten kann und was zu tun ist, wenn Menschen krank werden. Die Frauen lernen, wie sie für sich und ihre Familie Hygienestandards einführen und aufrechterhalten können, wie sie sanitäre Einrichtungen und die Abfallentsorgung gestalten können und wie andere Faktoren, wie z.B. eine gesunde Ernährung, Menschen vor einer Infektion schützen können. Die Situation im Zusammenhang mit COVID-19 erfordert in vielen Ländern den Ausnahmezustand.

Da sich immer mehr Menschen zu sozialer Distanz gezwungen sehen, müssen wir die Weiterführung unserer Programme und gesundheitlichen Bedürfnisse der Beteiligten auf der ganzen Welt abwägen. Uns ist klar, dass wir der Sicherheit unserer Mitarbeitenden und der Frauen in unserem Programm oberste Priorität zusprechen und daraus Konsequenzen ziehen müssen.

Women for Women International verfügt über ein Reaktionsteam, das die Krise permanent beobachtet und bewertet, um die beste Vorgehensweise zu eruieren. Die Schwere des Ausbruchs im Iran und in Pakistan bedroht den Gesundheitssektor in unseren Projektländern Irak und Afghanistan. Die Aktivitäten in unseren Ausbildungszentren im Irak, in Afghanistan und in Ruanda wurden bis auf Weiteres ausgesetzt, um die Sicherheit der Teilnehmer und unserer Mitarbeiter*innen zu gewährleisten. Dies steht im Einklang mit den Reaktionen zahlreicher Bildungszentren, Unternehmen und humanitärer Organisationen in der Region. In den USA, Großbritannien und Deutschland arbeiten unsere Teams aus dem Home Office, um die Ausbreitung von COVID-19 einzudämmen. Alle internationalen Reisen wurden gestrichen.

In dieser Zeit der Ungewissheit sind wir dankbar für unsere globale Gemeinschaft von Unterstützer*innen. Wir alle teilen eine Vision von Menschlichkeit, in der Frauen überall auf der Welt Rechte haben - darunter auch das Recht auf Gesundheit. Diese Gemeinschaft ist heute wichtiger denn je.