Ich wünsche mir, dass die ersten Geräusche, die mein Kind in dieser Welt hört, Stimmen der Liebe sind – nicht die des Krieges.
Mein Name ist Linda, und ich bin Programmmanagerin bei Women for Women International im Irak. Ich bin derzeit im achten Monat schwanger und habe große Angst. Nachts kann ich nicht schlafen. Ich bin nicht in meinem eigenen Zuhause, wo ich normalerweise in Erbil in der Kurdistan-Region im Irak lebe, und ich weiß nicht, ob der Ort, an dem ich mich gerade aufhalte, sicher ist, falls plötzlich die Wehen einsetzen.
Seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran im Februar 2026 bin ich vorübergehend nach Hamdaniya in der Provinz Ninive gezogen. Der Krieg hat sich in der Region weiter verschärft, und leider glaube ich nicht, dass ich so bald nach Hause zurückkehren kann. Außerdem habe ich nicht die Kleidung und die Dinge bei mir, die ich für mich und mein Baby vorbereitet hatte.
Früher lebte ich im siebzehnten Stock eines Gebäudes in der Nähe des US-Konsulats in Erbil. Von meinen Fenstern aus konnte ich die Bombardierungen am Himmel sehen. Doch selbst hier in Hamdaniya sind wir von bewaffneten Gruppen umgeben, und die Geräusche von Beschuss verstärken meine Angst und Anspannung zusätzlich.
Wenn ich versuche, meine Gefühle zu beschreiben, ist meine Situation ganz anders als die einer Frau, die bereits Kinder hat. Eine Mutter, die ihr zweites Kind erwartet, weiß, wie man ein Neugeborenes versorgt und was auf sie zukommt. Für mich ist es jedoch die erste Schwangerschaft. Früher habe ich darüber nachgedacht, wie ich mich um mein Baby kümmern werde, wie es aufwachsen wird und wie ich Arbeit und Mutterschaft miteinander vereinbaren kann.
Doch jetzt haben sich meine Sorgen verdoppelt. Ich frage mich ständig: Wie kann ich ihm eine sichere Umgebung bieten? Wie kann ich einen ruhigen Ort für ihn schaffen, fern von Lärm und Angst? Eigentlich sollte dies die Zeit sein, in der ich mich mental, körperlich und emotional auf die Geburt vorbereite. Doch ich habe keinen Raum gefunden, um mich darauf vorzubereiten.
Körperlich bin ich erschöpft. Die Notlage hat enormen Druck bei der Arbeit mit sich gebracht, zusätzlich zu meinen Aufgaben zu Hause. Die vergangene Nacht war besonders schlimm. Ich war in Erbil, weil ich gehofft hatte, dass sich die Lage etwas beruhigt. Normalerweise bereiten wir uns mental vor, wenn wir entfernte Geräusche hören, weil wir damit rechnen, dass etwas passieren könnte. Doch letzte Nacht kam der Beschuss plötzlich, heftig und ganz nah.
Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich durch Angst echte körperliche Schmerzen gespürt. Ich konnte die Drohnen mit eigenen Augen sehen und die Luftabwehr, die sie abfing – Explosionen direkt vor mir.
Linda überreicht Zertifikate bei der Abschlussfeier vom Adolescent Girls Programme, Irak, 2025.
Trotzdem weiß ich, dass ich ruhig bleiben muss – vor den Teilnehmerinnen, mit denen wir im Irak arbeiten. Ich empfinde eine große Verantwortung gegenüber den Frauen, die an unserem zwölfmonatigen Programm „Stronger Women, Stronger Nations“ teilnehmen. Als Team können wir es uns nicht leisten, sie unter solchen gefährlichen Bedingungen in den Zentren zu versammeln. Gleichzeitig möchten wir uns nicht von ihnen distanzieren, denn sie brauchen jetzt mehr denn je Unterstützung. Jeden Tag treffen wir schnelle Entscheidungen und versuchen, Sicherheit und Präsenz in Einklang zu bringen.
Besonders in Hamdaniya sind viele Frauen noch immer stark von der Zeit geprägt, als der IS dort präsent war. Viele von ihnen wurden damals vertrieben – ich selbst auch. Diese Erfahrungen haben bei vielen Frauen ein hohes Maß an Angst und Anspannung hinterlassen. Was mir Erleichterung verschafft hat, war zu hören, dass die Teilnehmerinnen entschlossen sind, weiterhin ins Zentrum zu kommen und an den Treffen teilzunehmen. Sie sagen, es helfe ihnen, ihre Gedanken zu ordnen und Stress abzubauen. Das Zusammensein gibt ihnen Kraft.
In solchen Momenten erkenne ich wirklich, was wir mit unserem Programm erreichen wollen: einen sicheren und unterstützenden Raum für Frauen zu schaffen. Selbst im Krieg wird das Zentrum zu einem Ort, an dem Frauen zusammenkommen, ihre Ängste teilen und sich gegenseitig stärken können.
Wenn wir diese Worte von den Teilnehmerinnen hören, fühlen auch wir als Team uns getragen.
Nach allem, was wir während der Zeit des IS und in den schwierigen Jahren im Irak durchgemacht haben, war die Kurdistan-Region für uns zu einem sicheren Ort geworden. Dort haben wir unser Leben neu aufgebaut. Doch jetzt fühlt sich selbst dieser Ort wieder wie ein Ort des Krieges an.
Ich hoffe, dass der Himmel über uns wieder ruhig sein wird, wenn ich mein Kind endlich zum ersten Mal in den Armen halte. Ich wünsche mir, dass die ersten Geräusche, die es in dieser Welt hört, Stimmen der Liebe sind – nicht die des Krieges.
Ich bin 43 Jahre alt und Mutter von vier Kindern. Ich lebe in Rim, einem kleinen Dorf im Bundesstaat Plateau in Nigeria, wo ich auch ein kleines Geschäft führe. Lange Zeit dachte ich, dass mein Platz als Frau nur zu Hause sei: Kinder großziehen, meinem Mann dienen und alle Entscheidungen akzeptieren, die er traf.
In meiner Gemeinschaft waren Männer für Führung, Politik und Entscheidungen zuständig. Von Frauen wurde nur erwartet, bei Treffen zu kochen, aber nicht daran teilzunehmen. Ich wusste nicht einmal, dass Frauen politische Rechte haben. Uns wird immer gesagt, wir sollen wählen, aber niemals, selbst für ein Amt kandidieren.
Alles änderte sich vor fünf Jahren, als ich mich für das Change Agents-Programm von Women for Women International anmeldete. Dort erhielt ich Schulungen zu Frauenrechten, Führung, aktiver Bürgerschaft, Gesundheit, finanzieller Unabhängigkeit und Solidarität. Die Einheit über Frauenrechte und das Kennenlernen der Gesetze war ein Wendepunkt für mich. In diesem Moment begann ich, das infrage zu stellen, was ich immer geglaubt hatte. Mir wurde bewusst, wie eingeschränkt meine Welt zuvor gewesen war, und ich beschloss, diese lang gehegten Überzeugungen herauszufordern.
Als der Sitz für das Amt der Gemeinderätin in meinem Wahlbezirk im Jahr 2023 frei wurde, beschloss ich, mein Glück in der Politik zu versuchen. Ich schockierte alle in meinem Dorf, als ich das Nominierungsformular abholte. Meine Geschwister machten sich über mich lustig. Mein Mann war wütend. Die Ältesten riefen mich zu sich und sagten, ich sei respektlos. Sogar meine Mutter sagte mir, dass eine Frau nicht so ehrgeizig sein sollte.
Ich war kurz davor aufzugeben, doch das Team von Women for Women International in Nigeria unterstützte mich. Sie ermutigten mich, reisten mit mir, um Unterstützung zu sammeln, und erinnerten mich daran, dass ich das Recht habe zu führen.
Das war der Moment, in dem ich begann, alles infrage zu stellen, was ich immer geglaubt hatte. Mir wurde klar, wie begrenzt meine Welt früher gewesen war, und ich beschloss, diese alten Überzeugungen herauszufordern.
Leider wurden meine Ambitionen beendet, als meine Brüder mit verschiedenen einflussreichen Personen zusammenarbeiteten und die Frauen gegen mich aufbrachten. Die Ältesten setzten mich unter Druck, meine Kandidatur zurückzuziehen. Ich stimmte zu – aber nur unter einer Bedingung: Frauen sollten in traditionelle Räte und politische Rollen einbezogen werden. Der Distriktchef akzeptierte meine Bedingungen. Ich sprach über die Ungerechtigkeiten, die wir Frauen ertragen müssen, wie geschlechtsspezifische Gewalt – darunter Misshandlung und Schläge durch Ehemänner, Vergewaltigung, wirtschaftliche Gewalt, mangelnder Zugang zu Bildung und das Unterdrücken unserer Stimmen. Ich sagte ihnen:
Die Stimmen der Frauen zählen. Es ist unmenschlich, uns zum Schweigen zu bringen.
Obwohl ich meine Kandidatur zurückzog, erreichte ich etwas viel Bedeutenderes: einen Platz für Frauen am Tisch der Entscheidungsträger.
Lyop spricht während einer Veranstaltung in Abuja, Nigeria. Foto: WfWI
Seitdem hat sich mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Ich werde jetzt zu traditionellen und kirchlichen Räten eingeladen, um bei Entscheidungen mitzuwirken, und wurde 2023 als Delegierte bei der Gouverneurswahl gewählt, bei der ich führende politische Kandidaten aus dem Bundesstaat Plateau traf. Ich ermutigte meine Gemeinschaft, Führungspositionen für Frauen zu schaffen. Eine Mitteilnehmerin des Programms, Helen Kaze, ist heute die Frauenleiterin des Distrikts Rim.
Seit 2022 haben meine Gemeinschaft und die umliegenden Dörfer mehrere Angriffe erlebt, die aus Konflikten zwischen Viehhirten und Bauern entstanden sind. Im August 2024 gründete ich eine Friedensgruppe, um frühzeitig Anzeichen von Konflikten zu erkennen. Unsere Gruppe hat zehn Mitglieder: fünf muslimische Fulani und fünf christliche Berom.
Dank unserer Friedensarbeit und Vermittlungen sind Angriffe seltener geworden und das Vertrauen zwischen den Gruppen beginnt zu wachsen.
Bei Gemeinschaftsaktivitäten kläre ich über Gewalt gegen Frauen auf – darunter häusliche Gewalt, wirtschaftliche Gewalt, Vergewaltigung – und über die Bedeutung von Frieden. Dadurch konnte ich acht Frauen, die Gewalt überlebt haben, dabei helfen, die richtige Unterstützung zu finden, und ihre Probleme konnten angegangen werden.
Auch wenn ich den Sitz im Gemeinderat nicht gewonnen habe, wurde ich in das Beratergremium des Dorfchefs berufen. Dort sorge ich dafür, dass die Stimmen der Frauen gehört werden. Junge Mädchen kommen heute zu mir und erzählen mir von ihren Träumen, Führungspersönlichkeiten zu werden – als Gemeinderätinnen, Gouverneurinnen oder Senatorinnen.
Mein Weg war nicht leicht, aber er hat etwas verändert. Ich habe nicht nur für ein Amt kandidiert – ich habe geholfen, alte Strukturen zu verändern.
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In unserem Change Agents Programme lernen Frauen, wie sie in ihren Gemeinschaften Führung übernehmen, Frieden vorantreiben und mit alten Normen brechen.
Ich wurde am 25. März 1977 in Bagdad geboren. Ich bin Mutter von sieben Kindern – fünf Töchtern und zwei Söhnen. Ich habe jung geheiratet und meine Schulbildung nicht abgeschlossen, aber ich habe auf andere Weise weitergelernt.
Am 20. Juli 2006 verließen wir Bagdad wegen der konfessionellen Gewalt und zogen nach Qaraqosh. Noch einmal neu anzufangen war schwer. Aber ich konnte es mir nicht leisten, darauf zu warten, dass sich die Dinge von selbst verbessern. Ich eröffnete ein kleines Geschäft für Damenbekleidung. Nach etwa einem Jahr hatte ich eine zweite Idee: Ich begann, Kleider für Hochzeiten und besondere Anlässe zu verleihen.
Nach und nach begann die Arbeit, uns zu tragen. Von dem Geld, das ich verdiente, und mit einem Wohnungsdarlehen bauten wir ein Haus. Für eine Weile fühlte es sich so an, als hätten wir etwas erreicht, das Stabilität nahekam.
Doch das hielt nicht lange an.Als 2014 der IS in die Region Al-Hamdaniya einmarschierte, brannte unser Haus nieder. Auch das Geschäft brannte.
Jahre harter Arbeit verschwanden innerhalb weniger Stunden.
Wir wurden erneut vertrieben – dieses Mal nach Erbil, wo wir drei Jahre lang lebten. Wir verloren nicht nur unser Einkommen. Wir lebten auch mit ständiger Unsicherheit und der Angst vor dem, was als Nächstes passieren würde. Als die Region befreit wurde, kehrten wir nach Al-Hamdaniya zurück.
Iqbal im Women for Women International-Schlungszentrum im Irak. Foto: WfWI-Team
Wir kamen zurück ohne Projekt, ohne Ersparnisse und ohne klaren Plan, wie wir unser Leben wieder aufbauen sollten. Die kleine Rente meines Mannes reichte kaum aus, um die Bedürfnisse unserer sieben Kinder zu decken. Einige Organisationen unterstützten uns bei der Reparatur des Hauses. Ich begann außerdem, an Trainings und Gemeinschafts-programmen teilzunehmen und Handarbeiten zu lernen. Am Anfang ging es einfach darum, irgendeinen Weg zu finden, etwas Geld zu verdienen. Aber es ging auch darum, weiterzumachen – nicht zuzulassen, dass das, was 2014 passiert war, den Rest meines Lebens bestimmt.
Als wir zurückkehrten, waren die Schäden nicht nur materiell. Ich sah die Angst in den Gesichtern der Menschen, und ich sah, wie schnell Misstrauen zwischen verschiedenen Gruppen wuchs – zwischen Ethnien, Religionen und Konfessionen.
Die Menschen beschuldigten einander, und Frauen trugen oft als Erste die Folgen – zu Hause und in der Gemeinschaft. Das hat mich tief verletzt. Ich wollte die Spannungen nicht verstärken, und ich wollte auch nicht in ihnen leben. Ich wollte jemand sein, der helfen kann, die Situation zu beruhigen – auch wenn es nur in kleinen Schritten ist.
Ich schloss mich einer lokalen Frauenorganisation an, die sich für die Stärkung von Frauen einsetzt. In Treffen und Dialogrunden versuchten wir, Missverständnisse zu verringern und Menschen wieder näher zusammenzubringen. Wir hörten zu, diskutierten Konflikte in der Gemeinschaft und unterstützten Frauen, wenn sie zu Hause oder im öffentlichen Leben Probleme hatten.
Mit der Zeit hörte ich auf, diese Arbeit als etwas Zusätzliches zu sehen. Sie fühlte sich notwendig an. Als unsere Arbeit wuchs, wuchs auch meine Rolle. Gemeinsam mit anderen Frauen begann ich, mich in der Interessenvertretung zu engagieren.
Wir traten mit lokalen Entscheidungsträgern und Behörden in Kontakt – etwa mit den Wasserversorgungsdiensten, der Stadtverwaltung, dem Grundbuchamt und der Gemeindepolizei. Wir brachten Beschwerden aus der Bevölkerung vor, verfolgten ungelöste Probleme weiter und setzten uns für praktische Lösungen ein.
Iqbal hält im Schulungszentrum im Irak einen Vortrag. Foto: WfWI Team
Manchmal bedeutete Unterstützung, Menschen Orientierung zu geben. Manchmal halfen wir ihnen, Zugang zu Dienstleistungen zu bekommen. Und manchmal bedeutete es kleine finanzielle Hilfe, wenn es keine andere Möglichkeit gab. Ich widmete dieser Arbeit den größten Teil meiner Zeit, weil ich überzeugt war, dass unsere Gemeinschaft sie braucht – und weil niemand mit solchen Problemen allein gelassen werden sollte.
Später nahm ich am Programm Stronger Women, Stronger Nations von Women for Women International teil. Die Sitzungen halfen mir, verschiedene Formen von Gewalt und Konflikten zu verstehen und zu erkennen, wie Friedensarbeit im Alltag aussehen kann – nicht nur als Wunsch, sondern als konkrete Entscheidungen und Verantwortung. Ich lernte mehr über Frauenrechte und über die rechtlichen Schutzmechanismen, die Frauen unterstützen sollen. Außerdem erwarb ich praktische Fähigkeiten in Gemeinschaftsarbeit, Interessenvertretung und Sensibilisierung. Ebenso lernte ich Grundlagen zur Entwicklung von Einkommensmöglichkeiten, zur Planung und zum Management kleiner Projekte.
Genauso wichtig war jedoch, dass das Programm mir half, mein Selbstvertrauen wieder aufzubauen. Nachdem wir 2014 alles verloren hatten, trug ich lange Angst in mir – die Angst zu scheitern und die Angst, noch einmal etwas aufzubauen und es wieder zu verlieren.
Mit stetiger Unterstützung und Ermutigung begann ich wieder, mir selbst zu vertrauen. Ich startete ein kleines Handarbeitsgeschäft von zu Hause aus, das unserer Familie wieder ein wenig Einkommen brachte. Es ging nicht nur um Geld. Es ging darum, sich wieder fähig zu fühlen.
Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich nicht nur Vertreibung und Verlust. Ich sehe auch die Schritte, die ich unternommen habe, um meine Familie aufrecht zu halten – und wie sich mein Leben verändert hat: vom bloßen Überleben hin dazu, etwas für andere beizutragen.
Ich glaube, Frieden beginnt damit, wie wir zu Hause miteinander umgehen und wie wir in der Gemeinschaft miteinander sprechen. Er wächst, wenn Menschen zuhören, statt einander zu beschuldigen.
Ich brauche keinen Titel, um zu wissen, was ich geschafft habe. Ich versuche einfach, das zu tun, was ich kann – dort, wo ich lebe, und mit den Menschen um mich herum.
Unterstütze Frauen wie Iqbal im Irak, in Afghanistan, in Palästina und anderen Konfliktregionen.
Mein Name ist Lilian Kiden. Ich bin 48 Jahre alt, Mutter von acht Kindern und Bäuerin. Obwohl ich nie die Möglichkeit hatte, zur Schule zu gehen, gab mir WfWI die Chance, an einem Führungs- und Advocacy-Trainingsprogramm teilzunehmen, das mein Leben verändert hat.
Heute kennen mich viele Menschen, und mein Einfluss reicht über mein Dorf hinaus. Ich bin zur Change Agent geworden und diene nun als Sultanin (Chief) der Mahad-11-Gemeinschaft in Gimunu Boma, Yei County, Südsudan.
Nachdem ich 2022 das WfWI-Change-Agent-Programm abgeschlossen hatte, begann ich, meine Fähigkeiten und Erfahrungen zu nutzen, um Probleme in meiner Gemeinschaft anzugehen. Konflikte waren ein großes Thema, also entschied ich mich, meine Stimme zu erheben und zu handeln – auch wenn es schwierig war. Die Menschen bemerkten mein Engagement und wählten mich zur Sultanin, eine Rolle, die üblicherweise Männern vorbehalten ist und lange Zeit als unerreichbar für Frauen galt.
Lilian Kiden spricht mit Teilnehmerinnen eines Programms über Friedensförderung. Foto: WfWI
Obwohl es nach Jahren der Kämpfe in Südsudan Friedensabkommen gab, hat die Gewalt nicht aufgehört. Stattdessen hat sie sich von den Frontlinien in die Dörfer verlagert. Diese Veränderung hat Soldaten in engeren Kontakt mit der lokalen Bevölkerung gebracht, was zu mehr Spannungen zwischen Zivilisten und Militär führte. Das ist auch in meinem Dorf und in anderen Dörfern im Yei County der Fall. Da sich in Yei eine Militärkaserne befindet, habe ich häufig geholfen, Konflikte zwischen Soldaten und Zivilisten zu vermitteln. Wenn ein Konflikt ausbricht, führe ich Gespräche sowohl mit Soldaten als auch mit ranghohen Offizieren. So entsteht eine Verbindung zwischen der lokalen Gemeinschaft und den Verantwortlichen, die sich um Soldaten kümmern, die schwere Vergehen begangen haben. Anschließend übernimmt Marab, ein Generalmajor der Armee, den Fall, und die Soldaten werden zu disziplinarischen Maßnahmen vorgeladen.
Am 14. Januar 2025 brach in Yei ein schwerer Konflikt zwischen zwei Gemeinschaften aus Rumbek und Bor im Bundesstaat Lakes aus. Ich meldete den Vorfall sofort, und die Beteiligten wurden schnell festgenommen, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Das Gericht handelte zügig und konnte den Konflikt lösen.
Lilian Kiden sitzt vor ihrem Haus mit ihren Kindern. Foto: WfWI
Ich unterstütze auch Familien dabei, Konflikte zu lösen, die sich verschlimmern können, wenn sie nicht frühzeitig angesprochen werden. Ich bringe alle Beteiligten an einen Tisch, damit sie miteinander sprechen, und betone, wie wichtig es ist, dass Männer in die Lösungsfindung einbezogen werden. Es kann herausfordernd sein, doch nach einigen Treffen akzeptieren Familien in der Regel meine Vermittlung und finden wieder Frieden. Meine Erfahrung in der Konfliktlösung hilft mir, familiäre Streitigkeiten zu schlichten und Harmonie wiederherzustellen. Selbst Verwandte, die sich zuvor gemieden haben, beginnen wieder miteinander zu sprechen und gemeinsam zu essen.
Darüber hinaus leite ich die Change-Agents-Gruppe in meinem Dorf und unterstütze die Mitglieder aktiv dabei, verschiedene Herausforderungen in der Gemeinschaft anzugehen. Indem ich Verständnis fördere und proaktiv handle, helfe ich sicherzustellen, dass alle fokussiert und motiviert auf unsere gemeinsamen Ziele hinarbeiten.
Ich habe an vielen unterschiedlichen Konflikten gearbeitet, darunter Streitigkeiten zwischen Gemeinschaften, familiäre Probleme und Auseinandersetzungen um gemeinschaftliche Wasserstellen. Jede Situation bringt eigene Herausforderungen mit sich – etwa lange Anfahrtswege oder anfängliche Zurückhaltung der Beteiligten. Dennoch bin ich überzeugt, dass es wichtig ist, zu einer friedlichen Gemeinschaft beizutragen, und ich gebe mein Bestes, um Menschen wieder näher zusammenzubringen.
Mehr zu unserer Arbeit im Südsudan
Im Südsudan arbeiten wir mit konfliktbetroffenen Frauen zusammen, um ihnen eine neue Perspektive zu ermöglichen und gemeinsam nachhaltigen Frieden in ihren Gemeinschaften zu etablieren.
Nachdem sie ihren Ehemann, ihren Sohn und ihr Zuhause verloren hat, steht Tahreer weiterhin stark für ihre Kinder und findet Momente der Heilung durch die Unterstützung unserer Partner in Gaza.
Mein Name ist Tahreer. Ich bin Mutter von vier Kindern, aber heute sind nur noch drei von ihnen bei mir. Mein Ehemann und mein Sohn wurden im Krieg hier in Gaza getötet, und von diesem Moment an wurde ich die einzige Person, auf die meine Kinder sich verlassen können. Das Leben war nie einfach für uns, aber als der Krieg begann, brach alles auf einmal zusammen.
Mein Sohn war gerade einmal acht Jahre alt, als er getötet wurde. Er war ein brillanter Junge, voller Versprechen. Zu Beginn des Krieges, als der Strom ausfiel und er nicht mehr lernen konnte, bat er darum, bei seiner Tante zu bleiben, weil sie Solarstrom hatte. Er wollte einfach nur mit seinen Lektionen weitermachen. Noch am selben Tag wurde das Haus bombardiert. Mein Sohn, seine Tante und ihr Kind wurden sofort getötet.
Auch mein Ehemann Mohammad wurde früh im Krieg getötet. Sein Auto war Ziel eines Angriffs und er kam nie nach Hause.
Wir hatten nicht einmal die Gelegenheit, einen Verlust zu verstehen, da der nächste schon kam. Selbst jetzt sitze ich manchmal in Stille da und versuche, alles zu begreifen. Mein Sohn war nur ein Kind. Er hatte nichts mit all dem zu tun.
Tahreer in ihrem Zuhause. Credit: WfWI
Bevor der Krieg begann, lebten wir einfach, aber mit Würde. Ich arbeitete als Friseurin und mein Ehemann war Elektriker. Meine Kinder gingen zur Schule, trugen saubere Kleidung, aßen gut und führten ein normales Leben. Wir waren nicht reich, aber wir waren stabil. Jetzt fühlt sich dieses Leben an wie eine Geschichte, die jemand anderem gehört.
Seit Kriegsbeginn wurden wir bereits fünfmal vertrieben. Jeder Umzug nahm uns etwas: unser Zuhause, unsere Sachen, unser Gefühl der Sicherheit. Wir haben auf dem Weg unsere Würde verloren. Heute haben wir kein stabiles Einkommen und keine Gewissheit, was morgen bringt. Das Leben in der Vertreibung ist ein täglicher Kampf. Statt aufzuwachen, um meine Kinder für die Schule vorzubereiten, wache ich auf, um ein Feuer zu machen, damit ich Wasser erhitzen kann. Stundenlang wasche ich Kleidung von Hand, stehe in der Schlange für Brot oder sauberes Wasser. Meine Kinder, die eigentlich spielen oder lernen sollten, müssen stattdessen stundenlang in langen Schlangen stehen.
Manchmal kommen sie mit leeren Händen zurück oder werden sogar geschlagen. Das ist kein Leben, das irgendjemand verdient.
Wir haben keinen Strom. Um mein Telefon aufzuladen, das die einzige Möglichkeit ist, wie meine Kinder am Online-Unterricht teilnehmen können, muss ich es stundenlang bei jemandem lassen, der einen Generator benutzt. Einmal wurde mein Telefon gestohlen. Die Preise sind mittlerweile unerträglich, aber ohne ein Telefon verlieren meine Kinder ihre einzige Verbindung zur Bildung.
Tahreer mit ihrem Sohn. Credit: WfWI
Trotzdem versuchte ich, ein kleines Stück meines alten Lebens wieder aufzubauen. Ich hängte ein kleines Schild vor unser Zelt, auf dem steht, dass ich Friseurin für Frauen bin. Mit den wenigen Werkzeugen, die ich noch habe, versuche ich zu arbeiten, etwas zu verdienen, um meine Kinder zu ernähren. Aber mit der Krise so tief und der Unterstützung so stark eingeschränkt, fühlt sich sogar das Überleben wie ein Kampf an. Mitten im Konflikt und der Vertreibung nahm ich meine Friseurarbeit in meinem Zelt wieder auf und tue alles, um meine Kinder zu beschützen und zu ernähren.
Eine der wenigen Quellen des Trostes kam durch die psychosoziale Unterstützung, die durch die Wefaq Association mit Unterstützung von Women for Women International angeboten wurden.
Eine Spezialistin saß bei mir und meinen Kindern. Sie hörte uns zu, verstand die Last, das ich trage, und zeigte mir kleine Möglichkeiten, wie ich meinen Kindern helfen kann, mit dem Schmerz umzugehen, wie ich ihnen helfen kann, für einen Moment die Angst und den Verlust zu vergessen. Meine Kinder freuten sich immer auf ihre Sitzungen.
Sie zu sehen, wie sie lächeln, fühlt sich an wie ein kleines Licht in einer sehr dunklen Zeit.
Aber die Herausforderungen bleiben. Dieses Zelt ist kein Zuhause. Nachts dringt die Kälte durch alles hindurch. Manchmal sitze ich allein da und denke darüber nach, wer ich früher war und wer ich jetzt bin. Wir sind aus allen Richtungen ungerecht behandelt worden. Wir leiden auf jede erdenkliche Weise.
Heute ist mein Wunsch einfach: Strom, normales Essen, eine Waschmaschine, ein wenig Sicherheit und ein Ort, der sich wieder wie ein Zuhause anfühlt. Ich möchte, dass meine Kinder ihre Ausbildung ohne Angst fortsetzen können. Ich möchte, dass sie ein Leben in Würde haben. Das ist nicht viel, aber im Moment fühlt es sich wie ein ferner Traum an.
Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt, aber ich halte durch für meine Kinder und die Hoffnung, dass das Leben eines Tages wieder Zu etwas wird, das sich menschlich anfühlt.
Unterstütze eine Frau wie Tahreer in Palästina
Durch deine Unterstützung können Frauen, die Krieg und Konflikt überlebt haben, ein selbstbestimmtes Leben für sich und ihre Familien aufbauen.
Durch ein kleines Fenster in das eigene Zuhause zu gelangen und sich dabei zu fühlen, als würde man sich wie ein Dieb hineinschleichen, ist ein schmerzhaftes und demütigendes Gefühl.
Mein Name ist Tahani Al-Muhtaseb. Ich bin 53 Jahre alt, Mutter von fünf Kindern und Großmutter von sechs wundervollen Enkelkindern. Seit mehr als 30 Jahren lebe ich in meinem Haus. Es ist der Ort, an dem meine Kinder aufgewachsen sind, an dem Erinnerungen entstanden sind und an dem sich mein Leben entfaltet hat.
Doch seit vielen Jahren kann ich meine eigene Haustür nicht mehr benutzen.
Tahani an ihrem Fenster. Credit: WfWI
Mein Haus liegt in der Altstadt von Hebron, ganz in der Nähe eines militärischen Kontrollpunkts. Ihn zu passieren ist unberechenbar und oft unsicher. Vor vielen Jahren, während der Ereignisse von 1994, trafen wir eine Entscheidung, die keine Familie jemals treffen sollte: Wir öffneten ein kleines Fenster in unserem Haus und begannen, es anstelle der Haustür zum Hinein- und Hinausgehen zu benutzen.Wenn jemand in der Familie krank ist, wenn wir Lebensmittel brauchen, wenn wir spät in der Nacht nach Hause kommen – ganz gleich aus welchem Grund –, wir benutzen dieses Fenster. Es ist einfacher und fühlt sich sicherer an, als täglich an den israelischen Soldaten vorbeigehen und den Stress des Kontrollpunkts auf sich nehmen zu müssen. Das Fenster ist zu unserem Eingang geworden, zu unserem Ausgang, zu unserer Art, den Alltag unter der Besatzung zu bewältigen. Manchmal dürfen Menschen überhaupt nicht passieren. Sie werden angehalten, durchsucht oder zurückgeschickt – besonders an Feiertagen.
Über Jahre hinweg haben wir aufgehört, die Haustür unseres Hauses zu benutzen. Die Vorstellung, dass es unsicher sein könnte, durch die eigene Tür zu gehen, ist etwas, womit niemand leben sollte.
Diese Realität macht mich zutiefst traurig. Ich wünsche mir so sehr, meine Haustür frei öffnen zu können. Durch ein kleines Fenster in das eigene Zuhause zu gehen und sich dabei zu fühlen, als würde man sich wie ein Dieb hineinschleichen, ist ein schmerzhaftes und demütigendes Gefühl. Erst kürzlich habe ich die Haustür einmal benutzt – und auch nur mit großer Mühe, weil ich große Gegenstände hatte, die schlicht nicht durch das Fenster passten.
Trotz all dem weigere ich mich zu glauben, dass das alles ist, was das Leben zu bieten hat.
Jeden Tag halte ich an der Hoffnung fest, dass ein sichereres und würdevolleres Leben noch möglich ist.
Was in letzter Zeit etwas in mir verändert hat, war meine Teilnahme am Programm Stronger Women Stronger Nations von Women for Women International. Durch dieses Programm habe ich nicht nur Fähigkeiten erworben, sondern auch innere Stärke gewonnen.
Früher fühlten sich viele von uns zögerlich und unsicher. Doch durch die Unterstützung, Solidarität und das Verständnis, das wir erfahren haben, wuchs unser Selbstvertrauen. Wir begannen, unsere innere Kraft wieder zu spüren. Als Frau, die ihre Familie mitversorgt, bin ich stolz darauf zu lernen, zu wachsen und eine bessere Zukunft aufzubauen. Das Programm hat mich daran erinnert, dass wir selbst unter den schwierigsten Umständen Handlungsspielraum, Würde und die Fähigkeit haben, gemeinsam stark zu sein.
Meine größte Hoffnung ist einfach: Ich möchte, dass meine Kinder und Enkelkinder in größerer Sicherheit leben als wir es getan haben. Ich wünsche mir, dass die Angst, die uns jeden Tag begleitet, verschwindet. Ich hoffe, dass die internationale Gemeinschaft wirklich hinschaut, wie wir leben – nicht nur davon hört, sondern es sieht. Jeden Tag träume ich von Frieden.
Jeden Tag träume ich davon, meine Haustür zu öffnen und frei hindurchzugehen. Und jeden Tag halte ich an der Hoffnung fest, dass ein sichereres, würdevolleres Leben noch möglich ist.
Unterstütze eine Frau wie Tahani uns steh an ihrer Seite
Durch deine Unterstützung können Frauen, die Krieg und Konflikt überlebt haben, ein selbstbestimmtes Leben für sich und ihre Familien aufbauen.
Von: Poni Abraham, Advocacy and Communication Coordinator, Südsudan
Mein Name ist Poni und ich bin die Advocacy- und Kommunikationskoordinatorin für Women for Women International im Südsudan.
Es ist später Nachmittag, und ich renne seit Stunden durch den Wald, Schlamm klebt an meinen Stiefeln, Schweiß mischt sich mit Regen. Ich weiß nicht, wo ich bin. Ich weiß nicht, ob ich überleben werde. Die Männer, die uns entführt haben, haben ihre Drohungen deutlich gemacht.
Ich bin erschöpft. Ich denke an meine Mutter, an meine beiden kleinen Kinder. Ich versuche, ihre Gesichter nicht vor mir zu sehen – aber ich tue es trotzdem. Ich kann nicht anders.
Ich hätte nie gedacht, dass mein Leben so enden könnte.
An diesem Morgen hatte ich ein Gefühl, nicht ins Auto einzusteigen. Aber ich schob es beiseite. Ich arbeite für Women for Women International, eine Organisation, die Frauen unterstützt, die Krieg und Gewalt überlebt haben.
Ich habe Dutzende Geschichten über die Frauen erzählt, mit denen wir arbeiten – Geschichten von Stärke, von Gewalt, von unvorstellbarer Resilienz. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich selbst eine dieser Geschichten erleben würde.
Poni
Wir fuhren aus Yei im Südsudan heraus, auf dem Weg zu unserem Trainingszentrum, als wir bewaffnete Männer in militärischen Regenmänteln sahen. Wir dachten, es sei ein Kontrollpunkt. Doch dann tauchten mehr Männer auf, umringten unser Fahrzeug und gaben uns Zeichen, von der Straße abzufahren. Da wusste ich, dass etwas furchtbar schief lief.
Sie befahlen uns, auszusteigen. „Versucht nicht, etwas zu verstecken“, warnten sie. Wir gehorchten. Sie nahmen uns das Wenige, das wir dabeihatten, und zwangen uns, mit ihnen in den Wald zu gehen.
Stunden vergingen. Wir waren erschöpft, verängstigt, wussten nicht, was als Nächstes passieren würde. An einem Punkt trennten sie einen Teil unserer Gruppe ab. Ich erinnere mich an den tiefen Schmerz in meiner Brust, als ich meine Kolleginnen und Kollegen zwischen den Bäumen verschwinden sah.
Den Rest von uns führten sie tiefer in den Wald. Jedes Mal, wenn wir stolperten, schlugen sie uns. Schließlich erreichten wir ein neues Versteck. Die Luft war schwer und still, nur unterbrochen vom Prasseln des Regens auf den Blättern. Ich spürte, wie die Last des Tages mich überwältigte.
Irgendwann hörte ich auf, gegen die Angst anzukämpfen. Ich legte mich auf den kalten, schlammigen Waldboden, wickelte mich in meine Jacke und schlief ein.
Als ich aufwachte, war etwas anders. Die Männer sprachen leise, ihr Ton weniger hart. Dann, plötzlich, sagten sie uns, wir sollen gehen. Ich glaubte ihnen zuerst nicht. Doch wir liefen – Schritt für Schritt – aus diesem Wald heraus. Keine Geräusche. Keine Schüsse. Nur Stille. Wir waren frei.
Stunden später, nachdem wir ein vorbeifahrendes Fahrzeug angehalten hatten, kamen wir zurück nach Yei. Lebendig.
Doch Freiheit brachte keinen Frieden. In den folgenden Tagen war ich voller Wut – Wut darüber, wie knapp ich dem Tod entkommen war, und darüber, wie oft so etwas im Südsudan passiert.
Poni
Ich fragte mich: Ist dieser Job mein Leben wert? Meine Familie flehte mich an zu kündigen. Aber etwas in mir hatte sich verändert. Jahrelang habe ich Frauen zugehört, wie sie ihre Geschichten des Überlebens erzählten – Geschichten von Gewalt, von Verlust, davon, wieder Hoffnung zu finden. Ich dachte, ich verstehe sie. Ich dachte, Mitgefühl wäre genug. Doch nach dem, was passiert war, wurde mir klar, dass es einen Unterschied gibt zwischen Verstehen und Wissen.
Poni bildet Frauen im Rahmen unseres Change-Agent-Programms in Führungs- und Advocacy-Kompetenzen aus, damit sie Veränderungen in ihren Gemeinden vorantreiben können. Foto: WfWI
Jetzt weiß ich, wie es sich anfühlt, die Kontrolle zu verlieren, echte Angst zu erleben und sich an den Glauben zu klammern, wenn man sonst nichts mehr hat. Und in diesem Wissen habe ich eine tiefere Verbindung zu den Frauen gefunden, mit denen ich arbeite.
Ihr Mut hat mich immer inspiriert. Jetzt stärkt er mich auch.
Diese Erfahrung hat meinen Geist nicht gebrochen – sie hat ihn erneuert. Sie hat mich daran erinnert, warum diese Arbeit wichtig ist, warum wir nicht aufgeben dürfen, selbst wenn die Welt grausam und unsicher erscheint. Ich habe meine Entscheidung getroffen: Ich werde nicht weggehen.
Triggerwarnung: Dieser Text handelt von Gewalt und Folter
Ich erkannte, dass das Leben mich verschlingen würde, wenn ich nicht den Mut fände, aufzustehen. also baute ich mich neu auf und führe mein leben nun mit stärke.
Mein Name ist Yasmin al-Jaabari, und mein Weg war geprägt von Schmerz, Widerstandskraft und dem festen Willen, für mich und meine Kinder stärker zurückzukehren.
Im Jahr 2005 veränderte sich mein Leben für immer: Ich wurde in der Nähe meines Hauses in Hebron im Westjordanland von den israelischen Besatzungstruppen verhaftet. Man beschuldigte mich fälschlich – ich hatte mit den Vorwürfen nichts zu tun. Die Anschuldigungen waren erfunden, und ich wurde zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt.
Vierzehn Monate mögen für manche kurz erscheinen, aber hinter Gittern fühlt sich jeder Tag endlos an. Ich erlebte eine Dunkelheit, die ich kaum in Worte fassen kann. Ich sah Dinge, die man nicht beschreiben kann. Uns wurde Sonnenlicht verwehrt, frische Luft verweigert. Wir lebten in stickigen Räumen, in denen selbst das Atmen ein Privileg war.
Yasmin
Was mich am meisten gebrochen hat, waren die Momente, in denen ich sah, wie schwangere Frauen im Gefängnis gebaren – an Händen und Füßen gefesselt, ihre ersten Schreie als Mütter erstickt durch Schmerz und Demütigung. Damals war ich selbst noch keine Mutter, aber diese Bilder ließen mich nie los. Später, als ich meine eigenen Kinder im Arm hielt, verstand ich erst wirklich, welches Leid diese Frauen ertragen hatten.
Die Behandlung im Gefängnis war grausam. Fünf Tage lang war ich in einer Zelle eingesperrt, ohne Wasser. Als man mir endlich welches gab, war es mit Chemikalien verseucht. Ich wusch mir damit die Haare – und verlor sie alle. Meine Haarwurzeln wurden dauerhaft geschädigt, und bis heute konnten Ärzte kein Heilmittel finden. Diese Wunde begleitet mich bis heute – sie hat nicht nur mein äußeres Erscheinungsbild, sondern auch mein Selbstwertgefühl beeinträchtigt. Doch selbst damit traf ich eine Entscheidung: Ich würde mich davon nicht definieren lassen. Ich würde kein Opfer bleiben.
Die Entlassung aus dem Gefängnis bedeutete noch lange keine Freiheit.
Die Gesellschaft wusste nicht, wie sie mit Frauen umgehen sollte, die im Gefängnis waren. Für viele waren wir eine Last. Es wurde getuschelt, geurteilt – als hätten wir Schande über alle gebracht. Als junge Frau war das eine der schwersten Prüfungen: nicht nur mit dem Erlebten im Gefängnis zurechtzukommen, sondern auch mit der Stigmatisierung danach. Aber ich weigerte mich, dieses Bild zu akzeptieren. Ich wusste: Wenn ich mich schwach halte, wird das Leben mich auffressen. Ich entschied mich, aufzustehen, mich neu aufzubauen und mein Leben mit Stärke zu führen.
Yasmin al Jaabari mit der Landesdirektorin von Women for Women in Palästina, Amani Mustafa
Als ich Mutter wurde, wurde mein Wille nur noch stärker. Meine Kinder gaben mir neue Gründe zu kämpfen. Ich wollte ihr sicherer Ort sein, ihr Rückhalt, ihr Vorbild. Ich wollte, dass sie ihre Bildung fortsetzen, dass sie über die Mauern hinaus träumen, die mich einst gefangen hielten. Und ich wollte mit ihnen gemeinsam weiterlernen – ihnen zeigen, dass Wachstum kein Alter und keine Grenzen kennt.
Deshalb trat ich im August 2025 dem Programm Stronger Women, Stronger Nations von Women for Women International in Palästina bei. Für mich war es ein Schritt in Richtung Unabhängigkeit – ein Schritt hin dazu, die volle Verantwortung für meine Familie zu übernehmen, ohne auf andere angewiesen zu sein.
Das Programm wurde für mich mehr als nur eine Schulung – es wurde zu einer Rettungsanker.
Ich bin nun umgeben von Frauen, die – wie ich – herzzerreißende Geschichten mit sich tragen. Jede von uns hat Leid erlebt, aber gemeinsam schaffen wir eine neue Form der Solidarität.
Yasmin
Frauen, die jahrelang meine Nachbarinnen waren, wurden zu Freundinnen, sobald wir unsere Geschichten miteinander teilten. Gemeinsam lernen wir, wachsen wir, und bestärken einander.
Jede Sitzung gibt mir neue Werkzeuge an die Hand: wie man Geld spart, wie man für Notfälle plant, wie man finanzielle Sicherheit aufbaut. Das mögen einfache Konzepte sein – aber wenn man durch Instabilität gegangen ist, sind sie lebensverändernd. Ich habe begonnen zu glauben, dass meine Träume Gestalt annehmen können.
Teilnehmerinnen unseres Programms im Westjordanland, Palästina
Einer dieser Träume ist es, einen kleinen Lebensmittelladen in meiner Nachbarschaft zu eröffnen – einen Ort mit Grundbedarf, den Familien hier regelmäßig brauchen. Schritt für Schritt beginne ich, diesen Traum zu verwirklichen. Im Rahmen des Programms teile ich die Herausforderungen, denen ich begegne – und gemeinsam mit anderen Frauen suche ich nach Lösungen. Es geht dabei nicht nur um das Geschäft. Es geht darum, zu lernen, mir selbst zu vertrauen – als Entscheidungsträgerin, als Führerin meines eigenen Lebens.
Gleichzeitig trage ich weiterhin Hoffnungen in mir: Ich wünsche mir, eines Tages eine Behandlung für meinen Haarausfall bezahlen zu können, der mich seit dem Gefängnis begleitet. Ich wünsche mir ein sicheres Zuhause für meine Kinder und mich. Und ich wünsche mir, die Träume meiner Kinder wahr werden zu sehen – dass sie studieren, reisen, ein eigenes Auto besitzen – dass sie sich eine Zukunft aufbauen, die heller ist als meine Vergangenheit.Jeden Tag fordere ich mich selbst heraus, nicht aufzugeben.
Meine Vergangenheit war voller Schmerz – doch meine Zukunft baue ich auf Entschlossenheit. Ich habe den Mut, für mich selbst aufzustehen …
Die Fähigkeiten, die ich gelernt habe, geben mir Sicherheit, denn ich weiß, dass ich, egal was passiert, die Möglichkeit habe, zu arbeiten und mein eigenes Geld zu verdienen.
Mein Name ist Miracle Gyang Daniel und ich bin 17 Jahre alt. Ich komme aus Katong Village in Vwang, Nigeria.
Wie die meisten Familien in meiner Gemeinde leben wir hauptsächlich von der Landwirtschaft – sie ist unsere Lebensgrundlage.
Meine Eltern bauen Mais, Sojabohnen, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Hirse und Sorghum an, von denen der Großteil für den Eigenbedarf bestimmt ist. Um unser Einkommen aufzubessern, verkauft meine Mutter außerdem Grundnahrungsmittel auf dem Montagsmarkt in unserer Gemeinde – das hilft uns, in schwierigen Zeiten über die Runden zu kommen. Ich bin das jüngste von sechs Kindern – drei Jungen und drei Mädchen. Einige meiner Geschwister sind verheiratet, andere leben bei Verwandten. In meiner Freizeit koche ich gerne, lese, höre Musik und verbringe Zeit mit meinen Freunden. Doch unter all diesen Interessen trug ich lange Zeit eine schwere Last in meinem Herzen.
Nach dem Abschluss der Sekundarschule wurden meine Träume, weiter zur Schule zu gehen, jäh gestoppt. Meine Eltern konnten die Prüfungsgebühren für mein Abschlussjahr nicht bezahlen, und ich hatte keine andere Wahl, als die Schule abzubrechen. Es war einer der traurigsten Momente meines Lebens. Ich erinnere mich, wie ich weinend immer wieder fragte: „Was soll nur aus mir werden?“ Ich versuchte, mich selbst zu trösten, aber es fühlte sich an, als würde mir meine Zukunft vor den Augen entgleiten.
Ich verbrachte meine Tage zu Hause, half im Haushalt und arbeitete mit meinen Eltern auf dem Feld – überzeugt davon, dass mein Leben genauso verlaufen würde wie das vieler anderer Mädchen in meinem Alter: früh verheiratet, schwanger, gefangen in einem endlosen Kreislauf.
Eines Tages, auf dem Weg zum Feld, veränderte sich alles.
Meine Eltern und ich trafen meine Tante, die uns von einer Möglichkeit für Mädchen im Alter von 16 bis 17 Jahren erzählte – einem Programm von Women for Women International. Sie hatte die Ankündigung in der Kirche gehört und sofort an mich gedacht. Sie sagte: „Miracle, das könnte die Chance sein, auf die du gewartet hast – geh jetzt hin!“ Ich rannte schnell nach Hause, wusch meine Füße, zog andere Kleidung an und eilte zum Veranstaltungsort. Mein Herz klopfte, weil ich nicht wusste, was mich erwartete. Als ich ankam, sah ich, wie einige Mädchen abgewiesen wurden, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllten, und ich hatte Angst, dass mir das Gleiche passieren würde. Doch als ich an der Reihe war, wurde ich überprüft und durfte mich zu den anderen setzen. In diesem Moment atmete ich tief durch, flüsterte ein Dankesgebet und wusste: Ein neues Kapitel meines Lebens hatte gerade begonnen.
Als das Programm im November 2024 begann, dachte ich, es ginge nur um Grundbildung – vielleicht das Lernen von Buchstaben und Zahlen. Aber zu meiner Überraschung war es so viel mehr.
Schon in der ersten Sitzung öffnete sich mir eine Welt, die ich nie zuvor gekannt hatte. Eines der kraftvollsten Themen für mich war: „Was macht mich zu einem Mädchen?“ Zum ersten Mal in meinem Leben verstand ich, dass ich als Mädchen nicht weniger wert bin als ein Junge. Mir wurde klar, dass Geschlechterrollen durch Kultur und Gesellschaft geprägt sind – und dass sie uns aufhalten können, wenn wir das zulassen. Nach dieser Sitzung hatte ich den Mut, mit meiner Mutter darüber zu sprechen, die Hausarbeit gerechter aufzuteilen. Kurz darauf fing auch mein 14-jähriger Neffe an zu kehren, das Geschirr zu spülen und Wasser zu holen – Aufgaben, die sonst nur uns Mädchen vorbehalten waren. Diese kleine Veränderung erfüllte mich mit Stolz und zeigte mir, dass meine Stimme zählt.
Bevor ich Teil des Programms war, achtete ich kaum auf persönliche Hygiene – besonders während meiner Periode.
Doch die Sitzungen zu Gesundheit und Hygiene veränderten meine Sichtweise komplett. Ich lernte, wie wichtig gute Menstruationshygiene ist: Jetzt bade ich zweimal täglich, wechsle regelmäßig meine Binden und trage saubere Kleidung. Ich putze mir konsequent die Zähne und fühle mich selbstbewusster. Außerdem lernte ich, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung ist – besonders für ein heranwachsendes Mädchen, das während der Periode viel Eisen verliert. Ich begann, meine Familie dazu zu ermutigen, mehr Gemüse zu essen. Heute bereite ich Gerichte mit Spinat, Kohl und Frühlingszwiebeln zu – und meine Eltern lieben es.
Die gemeinsamen Sitzungen mit unseren Eltern haben auch die Beziehung zu meiner Mutter verändert.
Vor dem Programm hätte ich mir nie vorstellen können, mit ihr zu lachen, Witze zu teilen oder offen über meine persönlichen Sorgen zu sprechen. Heute reden wir wie Freundinnen – ich fühle mich mehr geliebt und unterstützt als je zuvor. Meine Eltern ermutigen mich auch, jedes Training pünktlich zu besuchen, weil sie die Veränderung in mir mit eigenen Augen gesehen haben.
Durch die Schulungen zu wirtschaftlichen Fähigkeiten habe ich gelernt zu sparen, ein Budget zu führen und mit Geld umzugehen.
Früher gab ich jeden Cent sofort aus – heute spare ich in einer Spargruppe in unserer Gemeinde (VSLA). Darüber hinaus habe ich meine Backfähigkeiten genutzt, um Kekse und weiche Brötchen zu machen, die meine jüngere Cousine in der Schule verkauft. Mit dem Einkommen lerne ich, mich selbst zu versorgen und meine Familie zu unterstützen. Außerdem habe ich einen Teil meines Stipendiums genutzt, um einen Nähkurs zu machen – den Rest haben meine Eltern übernommen.
Diese Fähigkeiten geben mir ein Gefühl von Sicherheit, denn ich weiß: Egal, was passiert – ich kann für mich selbst sorgen.
Jetzt, nachdem ich das Programm abgeschlossen habe, ist mein größter Traum, wieder zur Schule zu gehen, meine Ausbildung zu beenden und die staatlichen Abschlussprüfungen zu bestehen.
Ich hoffe, später Jura zu studieren – damit ich für die Rechte benachteiligter Frauen kämpfen und denjenigen eine Stimme geben kann, die allzu oft zum Schweigen gebracht werden.
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Kulturelle Normen zu ändern ist keine leichte Aufgabe, vor allem wenn man eine Frau in einem abgelegenen Dorf in Nigeria ist. Aber Hadiza ist ein Zeugnis für die Macht und Stärke von Frauen. Sie nutzt ihre kraft, für die Rechte der Frauen zu kämpfen, auch wenn dies ihre persönliche Sicherheit bedroht.
Mein Name ist Hadiza; ich bin Mutter von sieben Kindern und habe zwei Enkelkinder. Ich habe meinen Mann im Jahr 2020 verloren, als mein jüngster Sohn erst 5 Monate alt war. Wie jedes Mädchen in meinem Dorf wurde ich in dem Glauben erzogen, dass die Ehe das Endziel meines Lebens sein würde. Deshalb heiratete ich, als ich erst 12 Jahre alt war, und brach die Schule ab. Ich muss gestehen, dass ich diese Entscheidung jeden Tag meines Lebens bereue. Mein erstes Kind wurde geboren, als ich erst 14 Jahre alt war. Ich war ein Kind, das sich um ein anderes Kind kümmerte und versuchte, mit einem Leben voller Verantwortung umzugehen.
Hadiza in ihrem Haus in Bauchi, Nordnigeria. Credit: WfWI
Im Jahr 2001, als ich zwei Kinder hatte, erlebten wir in Shendam im Bundesstaat Plateau eine Krise. Mein Mann hatte das Haus verlassen, um in die Moschee zu gehen und zu beten, als die Angriffe begannen und unser Haus niedergebrannt wurde. Ich verließ mit meinen Kindern sofort mein Haus, nur mit unseren Kleidern am Leib. Ich rannte mit einigen Nachbarn über sechs Stunden lang in ein anderes Dorf. In dieser Stadt blieben wir zwei Tage lang, und ich konnte vor Angst kaum etwas essen. Nach zwei Tagen konnte ich endlich meinen Mann treffen. Er war zusammen mit einigen anderen Leuten aus Shendam ebenfalls in das Dorf gekommen. Nach dieser traumatischen Erfahrung kamen wir nach Bauchi, wo der damalige Gouverneur alle Vertriebenen mit Lebensmitteln versorgte. Ein barmherziger Samariter stellte uns sein Haus zur Verfügung, bis wir in der Lage waren, uns eine eigene Wohnung zu suchen. Wir warteten ein Jahr lang, bis mein Mann ein Stück Land bekam und ein Haus für uns baute, in dem wir leben konnten.
Ich erfuhr von einer Nachbarin von Women for Women International und dem Programm Stronger Women, Stronger Nations. Ich zögerte zunächst, weil uns einige andere Organisationen schon mehrmals betrogen hatten, aber ich beschloss, es zu versuchen und beizutreten. Da ich im jungen Alter die Schule abbrechen musste, um zu heiraten, wollte ich etwas Wissen erlangen, das ich in der Vergangenheit nicht hatte.
Die Teilnahme am Programm hat mir so viele Erfolge gebracht. Einer davon ist, dass ich meine Rechte kennengelernt habe. Seitdem lasse ich nicht mehr zu, dass jemand das, was ich für richtig halte, mit Füßen tritt.
Hadiza
Hadiza. Credit: WfWI
Nach dem Tod meines Mannes kam seine Familie zu mir und versuchte, mich zu zwingen, jemanden zu heiraten. Sie drohten mir und sagten, sie würden mir meine Kinder wegnehmen, wenn ich diese Person nicht heiraten würde. Sie glaubten, dass eine Frau nicht in der Lage ist, für sich und ihre Kinder zu sorgen, wenn sie nicht mit einem Mann zusammen ist.
Ich traute mich aber, ihnen zu sagen, dass ich nicht heiraten würde, weil ich nicht noch einmal das Leben einer verheirateten Frau beginnen wollte.
Heiraten oder nicht heiraten ist eine Entscheidung, und ich habe gelernt, dass niemand seine Entscheidung einer anderen Person aufzwingen sollte.
Irgendwie konnte ich sie verstehen. Früher habe ich das auch geglaubt. Damals hatte ich noch kleine Kinder, aber meine einjährige Teilnahme am Programm Stronger Women, Stronger Nations hat mir gezeigt, dass ich für mich selbst sorgen kann. Ich musste meinen Schwiegereltern beweisen, dass ich in der Lage war, es allein zu schaffen, ohne einen Mann.
Nach dem Tod meines Mannes sammelten meine Schwiegereltern, wie es damals kulturell üblich war, auch mein Land ein.
Zunächst hatte ich Angst, Schritte zu unternehmen, um das Land zu sichern, weil ich wusste, dass die meisten Leute Frauen nicht respektieren, wenn es um Landangelegenheiten geht. Die Menschen sind in der Regel der Meinung, dass solche Angelegenheiten nur von Männern geregelt werden können und sollten, und deshalb würde mir niemand zuhören. Aber meine Trainerin ermutigte mich und erinnerte mich an das, was wir darüber gelernt hatten – dass Rechte allen Menschen zustehen, unabhängig davon, ob sie männlich oder weiblich sind.Das gab mir den Mut, den ich brauchte, um den Schritt zu wagen.
Das Oberhaupt meiner Gemeinde forderte mich auf, ein anderes Stück Land zur Verfügung zu stellen, aber ich blieb standhaft und bestand darauf, dass ich nur das Land wollte, das meinem verstorbenen Mann gehörte. Ich erhielt auch juristische Unterstützung von einem der Anwälte im Rahmen des Men’s Engagement Programmes von Women for Women International. Ich ging zum Bauchi Local Government Council, wo ich aufgefordert wurde, Zeugen für den Kauf des Landes mitzubringen, woraufhin mir Papiere als rechtmäßige Eigentümerin ausgestellt wurden.
Ich bin für immer dankbar, dass ich mich von meinen Ängsten nicht davon abhalten ließ, eine weise Entscheidung zu treffen, die mir und meinen Kindern zugute kommt.
Hadiza
Ich nutze das Stück Land jetzt für den Anbau von Gemüse, Mais und Erdnüssen für den Verbrauch unserer Familie.
Hadiza in ihrer Change Agent Uniform. Credit: WfWI
Ein weiterer Erfolg war die Nominierung und Auswahl als Change Agent in meiner Gemeinde. Danach wurde ich sogar zur Vorsitzenden der Change Agents. Die bisherige Reise war eine wunderbare Erfahrung.
Women for Women International hat mich bei verschiedenen Gelegenheiten unterstützt; ich habe an einer siebentägigen Schulung für Change Agents zum Thema „Effektive Kommunikation und Advocacy-Fähigkeiten“ teilgenommen sowie an Beratungs- und Vernetzungstreffen mit Interessenvertretern und – vertreterinnen in meinem Bundesstaat.
Nach der Schulung haben meine Mitstreiterinnen und ich mehrere Besuche bei Entscheidungsträgern und – trägerinnen in der Gemeinde durchgeführt, nachdem wir festgestellt hatten, dass in unserer Gemeinde ein Polizeistand benötigt wird. Die Polizeistation der lokalen Regierung befand sich in einem anderen Bezirk, der nicht so nah an unserem liegt.
Unserem Antrag wurde stattgegeben, und heute haben wir einen Polizeistand. Es wurde eine weibliche Polizeibeamtin eingestellt, um die Behandlung von Frauenfragen zu erleichtern.
Hadiza
Außerdem vertrat ich Change Agents in meiner Gemeinde in einer Radiosendung, um über geschlechtsspezifische Gewalt zu sprechen, von der Frauen in meiner Gemeinde betroffen sind. Dies trug dazu bei, ein breiteres Publikum für die Belange von Frauen zu sensibilisieren.
Ich wurde auch als Verbandsleiterin ausgewählt, weil ich an einer Schulung zum Thema „Führung und Konfliktmanagement“ teilgenommen habe. Dadurch konnte ich mein Wissen erweitern und meine Fähigkeiten im Bereich der dörflichen Spar- und Darlehenskassen (VSLA) und der Führung verbessern. Für eine Person ohne formale Ausbildung bin ich sehr stolz auf mich, dass ich so viel erreicht habe!
Ich wurde zu einer Fürsprecherin der Frauen in meiner Gemeinde. Ich konnte sehen, wie die Veränderung in mir selbst die Veränderung anderer Frauen auslöste.
Hadiza
Hadiza im Gespräch mit zwei Polizeimitarbeitenden, darunter eine Beamtin, die dank Hadizas und der Lobbyarbeit ihrer Change Agent-Gruppe dem Gemeinschaftsposten zugewiesen wurde. Dies wird dazu beitragen, die Frauen in Hadizas Gemeinde vor geschlechtsspezifischer Gewalt zu schützen. Credit: WfWI
Bislang haben wir als Change Agents acht größere Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt bearbeitet, abgesehen von kleineren Fällen. In einem Fall ging es um Vergewaltigung, in vier Fällen um Gewalt gegen Ehefrauen und in drei Fällen hinderten Männer ihre Frauen am Zugang zur Schwangerenvorsorge. Einer der Täter war ein 63-jähriger Mann, der ein 13-jähriges Mädchen vergewaltigte. Ich erinnere mich, dass ich den Fall dem zuständigen Polizeibeamten in meiner Gemeinde übergab, woraufhin ich Drohungen von seinen Leuten erhielt, weil sie sich aus dem Fall herauskaufen wollten. Ich bestand jedoch darauf, dass der Fall ordnungsgemäß behandelt werden müsse. Einige Monate später begannen einige seiner Leute zu verstehen, warum er für seine Verbrechen bezahlen sollte, und jetzt haben die meisten von ihnen ein freundschaftliches Verhältnis zu mir. Sie haben erkannt, dass es gut ist, an ihm ein Exempel zu statuieren, damit er als Abschreckung für künftige potenzielle Täter dient.
Die Arbeit als Leiterin der Change Agents in meiner Gemeinde ist nicht ohne Herausforderungen. Ich bin Women for Women International dankbar, dass sie mir helfen, widerstandsfähig zu sein. Selbst wenn ich um mein Leben fürchte, bleibe ich entschlossen in meinem Wunsch, dass die Probleme der geschlechtsspezifischen Gewalt angegangen werden. Die Ausbildung im Rahmen des Programms Stronger Women, Stronger Nations hat mir geholfen, ein Selbstvertrauen zu entwickeln, das ich einer Dorfbewohnerin wie mir nie zugetraut hätte.
Als ich einen Vergewaltigungsfall bearbeitete, musste ich einmal von zu Hause weglaufen, um zwei Monate bei meiner Mutter im Bundesstaat Plateau zu verbringen, und kehrte dann zurück. Einige Männer in der Gemeinde, die in mir eine Bedrohung für die traditionellen Normen und ihre männliche Autorität sahen, beschimpften mich, wann immer sie mich sahen.
Hadiza in ihrer Community. Credit: WfWI
Ich hatte natürlich Angst, aber das hat mich nicht davon abgehalten, mich im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt zu behaupten.
Bei vielen Gelegenheiten wurde ich zu jeder Tageszeit gerufen, um mich um Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt zu kümmern, und kam erst spät in der Nacht nach Hause, manchmal erst um 22 oder 23 Uhr. Ich muss immer zur Verfügung stehen, wenn ich gerufen werde, was bedeutet, dass ich meine Kinder, insbesondere meinen kleinen Sohn, verlassen muss.
Aber wenn ich sehe, dass sich meine Bemühungen auszahlen, stärkt das nur meine Entschlossenheit, die Gewalt gegen Frauen in meiner Gemeinde drastisch zu reduzieren und wenn möglich zu beenden.
Hadiza
Ich kann nur mit einem Lächeln in die Zukunft blicken, weil ich weiß, dass ein Leben in vollen Zügen für jede Frau möglich ist. Wir müssen uns gegenseitig bei der Bewältigung der täglichen Probleme von Frauen unterstützen und uns trauen, füreinander einzutreten.
Ich danke Women for Women International dafür, dass sie den Frauen die Möglichkeit geben, ihr Leben zurückzuerobern.
Hilf einer Frau, ihr Leben nach Krieg und Konflikt neu aufzubauen. Wenn du Teil von Stand With Her wirst, wirst du mit einer Frau aus unserem Programm verbunden. Deine großzügige Unterstützung bietet ihr:
Einen monatlichen Zuschuss für grundlegende Bedürfnisse
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