Mein Name ist Faida Bahati: Ebola hat alles verändert, aber nicht meinen Willen

Geschichten aus der DRK

Ich stehe weiterhin vor großen Herausforderungen, aber ich sehe mich als eine Frau, die sich nicht von Angst, einer Behinderung oder Ebola die Zukunft nehmen lässt.

Mein Name ist Faida Bahati. Ich bin 30 Jahre alt und Mutter von drei Kindern – einem Jungen und zwei Mädchen. Ich lebe in Panzi, einem Stadtteil von Bukavu im Osten der Demokratischen Republik Kongo.

Als ich acht Jahre alt war, veränderte sich mein Leben von Grund auf. Meine Eltern trennten sich, und mein Vater heiratete erneut und zog nach Uvira. Eines Tages holte er uns von meiner Mutter ab. Auf dem Weg nach Uvira hatten wir einen Verkehrsunfall und wurden ins Krankenhaus gebracht. Mein jüngerer Bruder und ich wurden schwer verletzt und blieben dauerhaft behindert.

Als mein Vater von dem Unfall erfuhr, brach er zusammen und starb noch an Ort und Stelle. Viele Menschen sahen zuerst meine Behinderung und nicht mich als Person. Ich wurde ausgegrenzt und diskriminiert. Die Menschen wollten mir nicht nahekommen und halfen mir nicht einmal auf, wenn ich hinfiel.

Im Jahr 2025 hörte ich, dass Frauen für das Programm von Women for Women International aufgenommen wurden. Ich hatte Angst, dass Frauen mit Behinderungen nicht akzeptiert würden. Ich fürchtete mich vor anderen Menschen und vermied den Kontakt zu ihnen. Ich fühlte mich wertlos.

Doch nachdem ich am Schulungsprogramm von Women for Women International teilgenommen hatte, begann ich, mich selbst anzunehmen. Auch andere Menschen akzeptierten mich. Sie grüßten mich, und das gab mir das Gefühl, dazuzugehören.

Zum ersten Mal fühlte ich mich nicht wegen dessen wahrgenommen, was ich nicht konnte, sondern wegen dessen, was ich konnte. Ich lernte, Seife herzustellen und zu verkaufen, ein kleines Geschäft zu führen, Geld zu sparen und für meine Kinder zu sorgen.

Faida Bahati zeigt ihrer Tochter, wie man ein selbst
hergestelltes Stück Seife zuschneidet.
Foto: Patrick Luhiriri

Leider ist mit dem Ausbruch von Ebola alles noch schwieriger geworden. Die Straßen zum Markt sind gesperrt, die Menschen meiden belebte Orte und viele bleiben zu Hause. Für mich war es aufgrund meiner Behinderung schon vorher schwer, den Markt zu erreichen – während des Ebola-Ausbruchs ist es nahezu unmöglich geworden.

Ich kann die Materialien und Rohstoffe für die Seifenherstellung nicht mehr einkaufen. Ohne diese Materialien ist mein kleines Geschäft zum Stillstand gekommen. Vor Ebola konnte ich Mangos und Guaven auf dem Markt kaufen und sie anschließend in meinem Dorf verkaufen. Das ist heute nicht mehr möglich.

Die Frauen aus meiner Ausbildungsgruppe und unsere Trainerinnen waren mein wichtigstes Unterstützungssystem. Wir teilten unsere Ideen und Sorgen, machten uns gegenseitig Mut und lernten gemeinsam. Wegen der Krankheit können wir uns jedoch nicht mehr wie früher treffen. Ich vermisse den Austausch und die Kraft, die wir einander gegeben haben.

Ich lebe ständig in Angst. Wir haben nicht genug Lebensmittel, weil wir das Haus kaum verlassen können. Wenn ich krank werde, kann ich nicht einmal ins Krankenhaus gehen.

Faida Bahati wäscht Kleidung vor ihrem Haus. Foto: Patrick Luhiriri.

Meine Behinderung verstärkt die Diskriminierung, der ich während dieses Ebola-Ausbruchs ausgesetzt bin. Wenn in unserem Dorf Informationsveranstaltungen über Ebola stattfinden, ist es für mich als Mensch mit Behinderung schwierig, daran teilzunehmen. Der Weg dorthin ist nicht leicht, und manchmal bleibe ich aus Angst zu Hause.

Manche Menschen betrachten mich als Belastung oder glauben, ich würde nicht verstehen, wie ich mich vor Ebola schützen kann. Der Ausbruch bedrohte nicht nur meine Gesundheit – er erinnerte mich auch an all die Barrieren, mit denen ich mein ganzes Leben lang konfrontiert war.

Obwohl viele Menschen mit Behinderungen in unserer Gemeinde leben, gibt es keine Aufklärungsarbeit von Haus zu Haus, die auf ihre Bedürfnisse eingeht. Die einzigen Informationen darüber, wie ich mich vor Ebola schützen kann, habe ich von Women for Women International erhalten.

Uns wurde geraten, regelmäßig die Hände zu waschen, Abstand zu anderen Menschen zu halten, Menschenansammlungen zu meiden und unnötige Wege zu vermeiden. Außerdem erhielten wir Seife zum Händewaschen und wurden ermutigt, bei Fieber sofort ein Krankenhaus aufzusuchen. Unser Krankenhaus und die neu eingerichteten Hygienemaßnahmen – etwa Handwaschstationen – sind jedoch nicht barrierefrei.

Wir brauchen Handwaschstationen, die auch für Menschen mit Behinderungen erreichbar sind, und Gesundheitsinformationen, die für alle zugänglich sind.

In unserer Gemeinde leben Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen. Manche können sich ohne Unterstützung nicht fortbewegen. Wenn sie ein Krankenhaus aufsuchen, benötigen sie Hilfe beim Tragen oder sogar beim Händewaschen. Da die Krankenhäuser nicht barrierefrei sind, erhalten Menschen mit Behinderungen oft keine medizinische Versorgung, wenn niemand da ist, der sie unterstützt.

Nun schließe ich das Programm von Women for Women International ab und denke an all die Fähigkeiten, die ich erlernt habe – insbesondere an die Seifenherstellung. Gerade in dieser Zeit ist Seife eines der wichtigsten Mittel, um Hygiene zu fördern und sich vor Ebola zu schützen.

Ich stehe weiterhin vor großen Herausforderungen, aber ich sehe mich als eine Frau, die sich nicht von Angst, meiner Behinderung oder Ebola die Zukunft nehmen lässt.

Faida Bahati erhält ihr Zertifikat während der Abschlussfeier von Women for Women International in Bukavu, Demokratische Republik Kongo. Foto: Patrick Luhiriri.

Ich hoffe, dass Menschen wie ich bei Notfällen oder Gemeinschaftsprogrammen künftig nicht mehr übersehen werden. Außerdem wünsche ich mir, dass sich die Situation wieder normalisiert, damit ich meine Seifenherstellung fortsetzen, ein Einkommen erzielen und für meine Kinder sorgen kann.

Unterstütze Frauen wie Faida und setze ein Zeichen für Inklusion und Gleichberechtigung.

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Mein Name ist Dilberin: Ich träume von einem Zuhause außerhalb des Geflüchtetenlagers

Geschichten aus dem Irak

Ich habe Angst, dass ich zum vierten Mal fliehen muss. Ebenso fürchte ich, zur Rückkehr nach Syrien gezwungen zu werden – ein Land, das sich für mich noch immer nicht sicher anfühlt.

Mein Name ist Dilberin Suleiman. Ich bin 30 Jahre alt und stamme ursprünglich aus der Stadt Qamishli in Syrien.

In meinem Leben wurde ich bereits zweimal vertrieben. Das erste Mal war vor 13 Jahren, als ich wegen des Beschusses, der Gewalt, der Entführungen und des verheerenden Krieges, der unser Leben bestimmte, aus Syrien fliehen musste. Von dort ging ich in die Türkei, wo ich ein Jahr lang lebte. Das Leben dort war sehr schwer, und ich erlebte viel Diskriminierung. Danach wurde ich erneut vertrieben und zog in die Autonome Region Kurdistan im Irak, wo ich nun seit elf Jahren lebe.

Heute lebe ich mit meinen beiden Töchtern, die zehn und elf Jahre alt sind, im Flüchtlingslager Gawilan. Seit drei Jahren bin ich alleinerziehende Mutter und trage die alleinige Verantwortung für ihre Erziehung und unseren Lebensunterhalt.

Wir leben in einem Wohncontainer im Lager, nicht in einem richtigen Haus. Wenn der Wind stark weht, schlägt die Tür immer wieder auf. An regnerischen Nächten kann ich wegen des Lärms auf dem Dach kaum schlafen. Die Container stehen sehr dicht beieinander, sodass es kaum Privatsphäre gibt. Ich vermisse es, unter einem echten Dach zu leben, statt in einer provisorischen Unterkunft. Außerdem liegt das Lager Gawilan weit von der Stadt und ihren Einrichtungen entfernt, wodurch wir uns oft vom normalen Alltag abgeschnitten fühlen.

Als Frau und alleinerziehende Mutter stehe ich vor Herausforderungen, die den Alltag zusätzlich erschweren.

Das Leben in einem konservativen Umfeld ist nicht immer einfach, und die Privatsphäre von Frauen wird nicht immer respektiert. Gleichzeitig bin ich den Menschen in Kurdistan sehr dankbar. Sie haben uns aufgenommen, uns Schutz gegeben und uns unterstützt, als wir ankamen. Auch heute fühle ich mich hier wohler und sicherer als an vielen anderen Orten.

Trotzdem vermisse ich mein Zuhause. Ich vermisse meine Familie und die schönen gemeinsamen Zusammenkünfte, die wir früher hatten. Hier habe ich kein echtes soziales Netzwerk. Wenn ich krank werde oder eine meiner Töchter Hilfe braucht, gibt es niemanden, auf den ich mich verlassen kann – außer einer Freundin, die für mich wie eine Schwester ist.

Dilberin in ihrer vorübergehenden Unterkunft in einem Flüchtlingslager im Irak. Foto: WfWI

Acht Jahre lang arbeitete ich in der Kinderbetreuung. Ich hatte eine gute Arbeit, doch aufgrund fehlender finanzieller Mittel und Ressourcen wurde das Projekt schließlich eingestellt. Nachdem ich meine Stelle verloren hatte, erzählten mir einige Freundinnen im Lager vom Programm „Stronger Women, Stronger Nations“ von Women for Women International. Im Oktober 2025 entschied ich mich, daran teilzunehmen.

Schon von Beginn an spürte ich eine große emotionale Erleichterung. Gemeinsam mit den anderen Frauen und dem Team fand ich einen Ort, an dem ich lernen, offen sprechen, Freundschaften schließen und neue Fähigkeiten entwickeln konnte. Unsere Trainerin ist unglaublich freundlich und verständnisvoll. Jedes Mal, wenn ich an den Treffen teilnehme, verbessert sich meine Stimmung und ich fühle mich stärker.

Von Anfang an interessierte ich mich besonders für die beruflichen Qualifizierungsangebote – vor allem für Frisuren, Make-up und Nageldesign. Durch das Programm fand ich die Motivation, diesen Interessen ernsthaft nachzugehen. Noch bevor die praktischen Kurse begannen, brachte ich mir die Nagelpflege selbst bei und fand eine Frau, die bereit war, mich auszubilden. Inzwischen biete ich bereits Nageldesign an und verdiene damit ein kleines Einkommen, um mich und meine Töchter zu unterstützen.

Dilberin übt ihre Fähigkeiten im Nageldesign. Foto: WfWI

Durch das Programm „Stronger Women, Stronger Nations“ möchte ich diese Fähigkeiten weiter ausbauen. Ich möchte lernen, wie ich Geld sparen, ein kleines Unternehmen aufbauen und mein Wissen im Bereich Haare, Schönheit und Make-up vertiefen kann. Das Leben ist für mich und viele Menschen in meiner Situation sehr schwer. Doch seit ich an dem Programm teilnehme, blicke ich wieder hoffnungsvoller in die Zukunft. Ich glaube, dass Menschen immer an der Hoffnung festhalten und an eine bessere Zukunft glauben sollten.

Vor Kurzem, während der militärischen Eskalation im Zusammenhang mit dem Iran und den Angriffen, die auch den Irak betrafen, hatten wir große Angst. Ich machte mir große Sorgen, und auch meine Töchter hatten Angst. Sie kannten Krieg bislang nur aus meinen Erzählungen, hatten ihn aber nie selbst erlebt. Zum ersten Mal spürten sie die Angst und Unsicherheit, die Explosionen und die Gefahr eines Konflikts auslösen können. Sie sahen meine Angst – und für mich brachten diese Momente all die schmerzhaften Erinnerungen an den Krieg in Syrien zurück. Ich bekam Angst, erneut fliehen zu müssen – vielleicht sogar zum dritten oder vierten Mal.

Ich fürchte, nach Syrien zurückkehren zu müssen, obwohl das Land für mich noch immer nicht sicher ist. Entführungen und Unsicherheit sind weiterhin Realität, und wir haben dort kein Zuhause mehr, in das wir zurückkehren könnten.

Im Moment konzentriere ich mich auf die Kurse bei Women for Women International. Neben den beruflichen Fähigkeiten lerne ich dort etwas ebenso Wichtiges: mir selbst zu vertrauen, an meine Fähigkeiten zu glauben und selbstbewusst aufzutreten.

Manchmal frage ich mich, was ich den Staats- und Regierungschefs der Welt sagen würde, wenn ich die Gelegenheit dazu hätte. Ich würde sie bitten, in Frieden und Stabilität zu investieren, statt Kriege zu finanzieren.

Ich wünsche mir, dass unsere Ressourcen dafür eingesetzt werden, Häuser und Gemeinschaften aufzubauen – und nicht immer neue provisorische Flüchtlingslager für Menschen zu errichten, die ihre Heimat verlassen mussten.

Niemand entscheidet sich freiwillig dafür, sein Zuhause, seine Familie und alles Vertraute zurückzulassen. Doch Millionen Menschen werden durch Konflikte und Unsicherheit dazu gezwungen. Meine Hoffnung ist einfach: Dass Familien wie meine eines Tages in Sicherheit und Stabilität leben können – unter einem echten Dach, an einem Ort, den sie wirklich ihr Zuhause nennen können.

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Mein Name ist Pola: Die Geschichte meines ersten Landwirtschaftsbetriebs

Geschichten aus Nigeria

Die Sitzung zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt hat mein Leben verändert. Ich hatte nie verstanden, dass das, was ich in der Familie meines Mannes erlebte, Missbrauch war.

Das Leben im Dorf La-ku im Bundesstaat Plateau in Nigeria war nicht immer einfach, besonders für ein junges Mädchen, das von einer besseren Zukunft träumte. Wie viele Mädchen in meiner Gemeinde stand ich schon früh vor Herausforderungen, die meine Kraft und meinen Geist auf die Probe stellten.

Doch durch Hoffnung, Entschlossenheit und die Unterstützung eines starken Programms von Women for Women International hat sich meine Geschichte in eine Richtung entwickelt, die ich mir nie hätte vorstellen können. Dies ist meine Reise – von den Feldern der Farm meiner Eltern hin zu einer Frau, die ihren Wert kennt, ihre Träume lebt und sich nicht von ihren Umständen definieren lässt.


Wer ich bin

Mein Name ist Pola, ich bin 25 Jahre alt und die Älteste von sechs Kindern in einer Bauernfamilie. Schon von klein auf habe ich meinen Eltern auf dem Feld geholfen, Tomaten, Gurken und Paprika angepflanzt. Wir arbeiteten hart, nur um zu überleben.

Alle von uns begannen die Grundschule, aber als es Zeit für die weiterführende Schule war, mussten zwei meiner Geschwister abbrechen, und meine Eltern konnten meine Schulgebühren nicht weiter bezahlen. Ich hörte nach der 6. Klasse auf, obwohl ich wirklich weitermachen wollte. Das war eine der schwersten Erfahrungen für mich.

Statt wieder zur Schule zu gehen, meldeten meine Eltern mich zu einer Schneiderei-Ausbildung an. Doch bevor ich sie abschließen konnte, wurde ich schwanger und zog mit meinem Freund und seiner Familie ins Dorf Zot Foron. Das Leben dort war hart. Ich wurde nie richtig willkommen geheißen, aber ich musste es ertragen – für meine Tochter.


Die Wende durch Women for Women International

Als ich von Frauen in meiner Gemeinde hörte, die das Programm von Women for Women International absolviert hatten, wusste ich, dass ich mitmachen wollte. Ich sah, wie sie sich verändert hatten – wie selbstbewusst und stark sie geworden waren. Einige hatten kleine Unternehmen gestartet, andere unterstützten ihre Familien besser.

Im Wirtschaftskurs habe ich gelernt, wie man spart und verantwortungsvoll mit Geld umgeht. Die Kurse zur sozialen Stärkung lehrten mich über meine Rechte und wie ich mein Leben selbstbewusst gestalten kann. Ich habe viel darüber gelernt, wie ich mich und meine Familie versorge, Geld verwalte, Beziehungen aufbaue und meine Stimme erhebe.

Seitdem ich am Programm „Stronger Women, Stronger Nations“ teilnehme, hat sich mein Leben verändert. Ich liebe alle Teile des Programms. Vor dem Programm war ich in keiner Gruppe aktiv, doch durch Women for Women habe ich die Kraft von Frauen entdeckt, die einander unterstützen. Die Solidaritätssitzungen haben mir den Wert von Gemeinschaft gezeigt.


Meine Träume und Pläne

Ich habe jetzt echte, greifbare Pläne für mein Leben und das meiner Tochter.

Die Kurse zum Haushaltsmanagement halfen mir sehr. Früher gaben wir Geld unbedacht aus, jetzt erstelle ich ein Budget und verfolge unsere Ausgaben. Ich habe gelernt zu planen und zu sparen, was mir Sicherheit gibt. Auch die Gesundheitssitzungen haben meine Gewohnheiten verändert: Ich koche nun unser Trinkwasser ab, halte unser Zuhause sauber und nehme keine Medikamente mehr ohne Rezept. Außerdem sprechen wir über Familienplanung, weil ich bereit und stabil sein möchte, bevor ich ein weiteres Kind bekomme.

Eine Sitzung hat mein Leben besonders verändert – die über geschlechtsspezifische Gewalt. Ich hatte nie verstanden, dass das, was ich in der Familie meines Mannes erlebte, Missbrauch war.

Nach der Geburt bekam ich kaum Nahrung oder Seife zum Waschen. Ich wurde behandelt, als wäre ich nichts wert. Diese Sitzung öffnete mir die Augen. Ich beschloss, zu meinen Eltern zurückzukehren und mein Leben neu aufzubauen. Als mein Mann kam, um mich zurückzuholen, sagte ich ihm, er solle mit seiner Familie kommen und mich richtig akzeptieren. Sie kamen nie. Da wusste ich, dass sie mich nie wirklich akzeptiert hatten – und ich beschloss, mich nicht länger mit weniger zufrieden zu geben.


Mein erster Schritt in die Selbstständigkeit

Ich habe nun Hoffnung. Mit meinen Stipendien kaufte ich drei Ziegen und zehn Hühner. Ich entschied mich für Geflügel, weil ich Eier verkaufen, den Mist als Dünger für die Landwirtschaft nutzen und ein nachhaltiges Geschäft aufbauen kann. Ich kaufte auch ein kleines Stück Land, um Mais und Erdnüsse anzubauen. Sogar Wasserbehälter und Töpfe für mein Zuhause konnte ich mir davon leisten.

In Zukunft möchte ich ein Lebensmittelgeschäft eröffnen und meinen Bauernhof erweitern.

Ich habe jetzt Träume. Echte, solide Pläne für mein Leben und das meiner Tochter.

Mein Name ist Linda: Muttersein in Zeiten des Krieges

Geschichten aus dem Irak

Ich wünsche mir, dass die ersten Geräusche, die mein Kind in dieser Welt hört, Stimmen der Liebe sind – nicht die des Krieges.

Mein Name ist Linda, und ich bin Programmmanagerin bei Women for Women International im Irak. Ich bin derzeit im achten Monat schwanger und habe große Angst. Nachts kann ich nicht schlafen. Ich bin nicht in meinem eigenen Zuhause, wo ich normalerweise in Erbil in der Kurdistan-Region im Irak lebe, und ich weiß nicht, ob der Ort, an dem ich mich gerade aufhalte, sicher ist, falls plötzlich die Wehen einsetzen.

Seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran im Februar 2026 bin ich vorübergehend nach Hamdaniya in der Provinz Ninive gezogen. Der Krieg hat sich in der Region weiter verschärft, und leider glaube ich nicht, dass ich so bald nach Hause zurückkehren kann. Außerdem habe ich nicht die Kleidung und die Dinge bei mir, die ich für mich und mein Baby vorbereitet hatte.

Früher lebte ich im siebzehnten Stock eines Gebäudes in der Nähe des US-Konsulats in Erbil. Von meinen Fenstern aus konnte ich die Bombardierungen am Himmel sehen. Doch selbst hier in Hamdaniya sind wir von bewaffneten Gruppen umgeben, und die Geräusche von Beschuss verstärken meine Angst und Anspannung zusätzlich.

Wenn ich versuche, meine Gefühle zu beschreiben, ist meine Situation ganz anders als die einer Frau, die bereits Kinder hat. Eine Mutter, die ihr zweites Kind erwartet, weiß, wie man ein Neugeborenes versorgt und was auf sie zukommt. Für mich ist es jedoch die erste Schwangerschaft. Früher habe ich darüber nachgedacht, wie ich mich um mein Baby kümmern werde, wie es aufwachsen wird und wie ich Arbeit und Mutterschaft miteinander vereinbaren kann.

Doch jetzt haben sich meine Sorgen verdoppelt. Ich frage mich ständig: Wie kann ich ihm eine sichere Umgebung bieten? Wie kann ich einen ruhigen Ort für ihn schaffen, fern von Lärm und Angst? Eigentlich sollte dies die Zeit sein, in der ich mich mental, körperlich und emotional auf die Geburt vorbereite. Doch ich habe keinen Raum gefunden, um mich darauf vorzubereiten.

Körperlich bin ich erschöpft. Die Notlage hat enormen Druck bei der Arbeit mit sich gebracht, zusätzlich zu meinen Aufgaben zu Hause. Die vergangene Nacht war besonders schlimm. Ich war in Erbil, weil ich gehofft hatte, dass sich die Lage etwas beruhigt. Normalerweise bereiten wir uns mental vor, wenn wir entfernte Geräusche hören, weil wir damit rechnen, dass etwas passieren könnte. Doch letzte Nacht kam der Beschuss plötzlich, heftig und ganz nah.

Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich durch Angst echte körperliche Schmerzen gespürt. Ich konnte die Drohnen mit eigenen Augen sehen und die Luftabwehr, die sie abfing – Explosionen direkt vor mir.

Linda überreicht Zertifikate bei der Abschlussfeier vom Adolescent Girls Programme, Irak, 2025.

Trotzdem weiß ich, dass ich ruhig bleiben muss – vor den Teilnehmerinnen, mit denen wir im Irak arbeiten. Ich empfinde eine große Verantwortung gegenüber den Frauen, die an unserem zwölfmonatigen Programm „Stronger Women, Stronger Nations“ teilnehmen. Als Team können wir es uns nicht leisten, sie unter solchen gefährlichen Bedingungen in den Zentren zu versammeln. Gleichzeitig möchten wir uns nicht von ihnen distanzieren, denn sie brauchen jetzt mehr denn je Unterstützung. Jeden Tag treffen wir schnelle Entscheidungen und versuchen, Sicherheit und Präsenz in Einklang zu bringen.

Besonders in Hamdaniya sind viele Frauen noch immer stark von der Zeit geprägt, als der IS dort präsent war. Viele von ihnen wurden damals vertrieben – ich selbst auch. Diese Erfahrungen haben bei vielen Frauen ein hohes Maß an Angst und Anspannung hinterlassen. Was mir Erleichterung verschafft hat, war zu hören, dass die Teilnehmerinnen entschlossen sind, weiterhin ins Zentrum zu kommen und an den Treffen teilzunehmen. Sie sagen, es helfe ihnen, ihre Gedanken zu ordnen und Stress abzubauen. Das Zusammensein gibt ihnen Kraft.

In solchen Momenten erkenne ich wirklich, was wir mit unserem Programm erreichen wollen: einen sicheren und unterstützenden Raum für Frauen zu schaffen. Selbst im Krieg wird das Zentrum zu einem Ort, an dem Frauen zusammenkommen, ihre Ängste teilen und sich gegenseitig stärken können.

Wenn wir diese Worte von den Teilnehmerinnen hören, fühlen auch wir als Team uns getragen.

Nach allem, was wir während der Zeit des IS und in den schwierigen Jahren im Irak durchgemacht haben, war die Kurdistan-Region für uns zu einem sicheren Ort geworden. Dort haben wir unser Leben neu aufgebaut. Doch jetzt fühlt sich selbst dieser Ort wieder wie ein Ort des Krieges an.

Ich hoffe, dass der Himmel über uns wieder ruhig sein wird, wenn ich mein Kind endlich zum ersten Mal in den Armen halte. Ich wünsche mir, dass die ersten Geräusche, die es in dieser Welt hört, Stimmen der Liebe sind – nicht die des Krieges.

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Mein Name ist Lyop: Ich stelle Normen infrage, um meine Gemeinschaft zu führen

Geschichten aus Nigeria

Ich bin 43 Jahre alt und Mutter von vier Kindern. Ich lebe in Rim, einem kleinen Dorf im Bundesstaat Plateau in Nigeria, wo ich auch ein kleines Geschäft führe. Lange Zeit dachte ich, dass mein Platz als Frau nur zu Hause sei: Kinder großziehen, meinem Mann dienen und alle Entscheidungen akzeptieren, die er traf.

In meiner Gemeinschaft waren Männer für Führung, Politik und Entscheidungen zuständig. Von Frauen wurde nur erwartet, bei Treffen zu kochen, aber nicht daran teilzunehmen. Ich wusste nicht einmal, dass Frauen politische Rechte haben. Uns wird immer gesagt, wir sollen wählen, aber niemals, selbst für ein Amt kandidieren.

Alles änderte sich vor fünf Jahren, als ich mich für das Change Agents-Programm von Women for Women International anmeldete. Dort erhielt ich Schulungen zu Frauenrechten, Führung, aktiver Bürgerschaft, Gesundheit, finanzieller Unabhängigkeit und Solidarität. Die Einheit über Frauenrechte und das Kennenlernen der Gesetze war ein Wendepunkt für mich. In diesem Moment begann ich, das infrage zu stellen, was ich immer geglaubt hatte. Mir wurde bewusst, wie eingeschränkt meine Welt zuvor gewesen war, und ich beschloss, diese lang gehegten Überzeugungen herauszufordern.

Als der Sitz für das Amt der Gemeinderätin in meinem Wahlbezirk im Jahr 2023 frei wurde, beschloss ich, mein Glück in der Politik zu versuchen. Ich schockierte alle in meinem Dorf, als ich das Nominierungsformular abholte. Meine Geschwister machten sich über mich lustig. Mein Mann war wütend. Die Ältesten riefen mich zu sich und sagten, ich sei respektlos. Sogar meine Mutter sagte mir, dass eine Frau nicht so ehrgeizig sein sollte.

Ich war kurz davor aufzugeben, doch das Team von Women for Women International in Nigeria unterstützte mich. Sie ermutigten mich, reisten mit mir, um Unterstützung zu sammeln, und erinnerten mich daran, dass ich das Recht habe zu führen.

Das war der Moment, in dem ich begann, alles infrage zu stellen, was ich immer geglaubt hatte. Mir wurde klar, wie begrenzt meine Welt früher gewesen war, und ich beschloss, diese alten Überzeugungen herauszufordern.

Leider wurden meine Ambitionen beendet, als meine Brüder mit verschiedenen einflussreichen Personen zusammenarbeiteten und die Frauen gegen mich aufbrachten. Die Ältesten setzten mich unter Druck, meine Kandidatur zurückzuziehen. Ich stimmte zu – aber nur unter einer Bedingung: Frauen sollten in traditionelle Räte und politische Rollen einbezogen werden. Der Distriktchef akzeptierte meine Bedingungen. Ich sprach über die Ungerechtigkeiten, die wir Frauen ertragen müssen, wie geschlechtsspezifische Gewalt – darunter Misshandlung und Schläge durch Ehemänner, Vergewaltigung, wirtschaftliche Gewalt, mangelnder Zugang zu Bildung und das Unterdrücken unserer Stimmen. Ich sagte ihnen:

Die Stimmen der Frauen zählen. Es ist unmenschlich, uns zum Schweigen zu bringen.

Obwohl ich meine Kandidatur zurückzog, erreichte ich etwas viel Bedeutenderes: einen Platz für Frauen am Tisch der Entscheidungsträger.

Lyop spricht während einer Veranstaltung in Abuja, Nigeria. Foto: WfWI

Seitdem hat sich mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Ich werde jetzt zu traditionellen und kirchlichen Räten eingeladen, um bei Entscheidungen mitzuwirken, und wurde 2023 als Delegierte bei der Gouverneurswahl gewählt, bei der ich führende politische Kandidaten aus dem Bundesstaat Plateau traf. Ich ermutigte meine Gemeinschaft, Führungspositionen für Frauen zu schaffen. Eine Mitteilnehmerin des Programms, Helen Kaze, ist heute die Frauenleiterin des Distrikts Rim.

Seit 2022 haben meine Gemeinschaft und die umliegenden Dörfer mehrere Angriffe erlebt, die aus Konflikten zwischen Viehhirten und Bauern entstanden sind. Im August 2024 gründete ich eine Friedensgruppe, um frühzeitig Anzeichen von Konflikten zu erkennen. Unsere Gruppe hat zehn Mitglieder: fünf muslimische Fulani und fünf christliche Berom.

Dank unserer Friedensarbeit und Vermittlungen sind Angriffe seltener geworden und das Vertrauen zwischen den Gruppen beginnt zu wachsen.

Bei Gemeinschaftsaktivitäten kläre ich über Gewalt gegen Frauen auf – darunter häusliche Gewalt, wirtschaftliche Gewalt, Vergewaltigung – und über die Bedeutung von Frieden. Dadurch konnte ich acht Frauen, die Gewalt überlebt haben, dabei helfen, die richtige Unterstützung zu finden, und ihre Probleme konnten angegangen werden.

Auch wenn ich den Sitz im Gemeinderat nicht gewonnen habe, wurde ich in das Beratergremium des Dorfchefs berufen. Dort sorge ich dafür, dass die Stimmen der Frauen gehört werden. Junge Mädchen kommen heute zu mir und erzählen mir von ihren Träumen, Führungspersönlichkeiten zu werden – als Gemeinderätinnen, Gouverneurinnen oder Senatorinnen.

Mein Weg war nicht leicht, aber er hat etwas verändert. Ich habe nicht nur für ein Amt kandidiert – ich habe geholfen, alte Strukturen zu verändern.

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In unserem Change Agents Programme lernen Frauen, wie sie in ihren Gemeinschaften Führung übernehmen, Frieden vorantreiben und mit alten Normen brechen.

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Mein Name ist Iqbal: So habe ich mein Leben neu aufgebaut

Geschichten aus dem Irak

Ich wurde am 25. März 1977 in Bagdad geboren. Ich bin Mutter von sieben Kindern – fünf Töchtern und zwei Söhnen. Ich habe jung geheiratet und meine Schulbildung nicht abgeschlossen, aber ich habe auf andere Weise weitergelernt.

Am 20. Juli 2006 verließen wir Bagdad wegen der konfessionellen Gewalt und zogen nach Qaraqosh. Noch einmal neu anzufangen war schwer. Aber ich konnte es mir nicht leisten, darauf zu warten, dass sich die Dinge von selbst verbessern. Ich eröffnete ein kleines Geschäft für Damenbekleidung. Nach etwa einem Jahr hatte ich eine zweite Idee: Ich begann, Kleider für Hochzeiten und besondere Anlässe zu verleihen.

Nach und nach begann die Arbeit, uns zu tragen. Von dem Geld, das ich verdiente, und mit einem Wohnungsdarlehen bauten wir ein Haus. Für eine Weile fühlte es sich so an, als hätten wir etwas erreicht, das Stabilität nahekam.

Doch das hielt nicht lange an. Als 2014 der IS in die Region Al-Hamdaniya einmarschierte, brannte unser Haus nieder. Auch das Geschäft brannte.

Jahre harter Arbeit verschwanden innerhalb weniger Stunden.

Wir wurden erneut vertrieben – dieses Mal nach Erbil, wo wir drei Jahre lang lebten. Wir verloren nicht nur unser Einkommen. Wir lebten auch mit ständiger Unsicherheit und der Angst vor dem, was als Nächstes passieren würde. Als die Region befreit wurde, kehrten wir nach Al-Hamdaniya zurück.

Iqbal im Women for Women International-Schlungszentrum im Irak. Foto: WfWI-Team

Wir kamen zurück ohne Projekt, ohne Ersparnisse und ohne klaren Plan, wie wir unser Leben wieder aufbauen sollten. Die kleine Rente meines Mannes reichte kaum aus, um die Bedürfnisse unserer sieben Kinder zu decken. Einige Organisationen unterstützten uns bei der Reparatur des Hauses. Ich begann außerdem, an Trainings und Gemeinschafts-programmen teilzunehmen und Handarbeiten zu lernen. Am Anfang ging es einfach darum, irgendeinen Weg zu finden, etwas Geld zu verdienen. Aber es ging auch darum, weiterzumachen – nicht zuzulassen, dass das, was 2014 passiert war, den Rest meines Lebens bestimmt.

Als wir zurückkehrten, waren die Schäden nicht nur materiell. Ich sah die Angst in den Gesichtern der Menschen, und ich sah, wie schnell Misstrauen zwischen verschiedenen Gruppen wuchs – zwischen Ethnien, Religionen und Konfessionen.

Die Menschen beschuldigten einander, und Frauen trugen oft als Erste die Folgen – zu Hause und in der Gemeinschaft. Das hat mich tief verletzt. Ich wollte die Spannungen nicht verstärken, und ich wollte auch nicht in ihnen leben. Ich wollte jemand sein, der helfen kann, die Situation zu beruhigen – auch wenn es nur in kleinen Schritten ist.

Ich schloss mich einer lokalen Frauenorganisation an, die sich für die Stärkung von Frauen einsetzt. In Treffen und Dialogrunden versuchten wir, Missverständnisse zu verringern und Menschen wieder näher zusammenzubringen. Wir hörten zu, diskutierten Konflikte in der Gemeinschaft und unterstützten Frauen, wenn sie zu Hause oder im öffentlichen Leben Probleme hatten.

Mit der Zeit hörte ich auf, diese Arbeit als etwas Zusätzliches zu sehen. Sie fühlte sich notwendig an. Als unsere Arbeit wuchs, wuchs auch meine Rolle. Gemeinsam mit anderen Frauen begann ich, mich in der Interessenvertretung zu engagieren.

Wir traten mit lokalen Entscheidungsträgern und Behörden in Kontakt – etwa mit den Wasserversorgungsdiensten, der Stadtverwaltung, dem Grundbuchamt und der Gemeindepolizei. Wir brachten Beschwerden aus der Bevölkerung vor, verfolgten ungelöste Probleme weiter und setzten uns für praktische Lösungen ein.

Iqbal hält im Schulungszentrum im Irak einen Vortrag. Foto: WfWI Team

Manchmal bedeutete Unterstützung, Menschen Orientierung zu geben. Manchmal halfen wir ihnen, Zugang zu Dienstleistungen zu bekommen. Und manchmal bedeutete es kleine finanzielle Hilfe, wenn es keine andere Möglichkeit gab. Ich widmete dieser Arbeit den größten Teil meiner Zeit, weil ich überzeugt war, dass unsere Gemeinschaft sie braucht – und weil niemand mit solchen Problemen allein gelassen werden sollte.

Später nahm ich am Programm Stronger Women, Stronger Nations von Women for Women International teil. Die Sitzungen halfen mir, verschiedene Formen von Gewalt und Konflikten zu verstehen und zu erkennen, wie Friedensarbeit im Alltag aussehen kann – nicht nur als Wunsch, sondern als konkrete Entscheidungen und Verantwortung. Ich lernte mehr über Frauenrechte und über die rechtlichen Schutzmechanismen, die Frauen unterstützen sollen. Außerdem erwarb ich praktische Fähigkeiten in Gemeinschaftsarbeit, Interessenvertretung und Sensibilisierung. Ebenso lernte ich Grundlagen zur Entwicklung von Einkommensmöglichkeiten, zur Planung und zum Management kleiner Projekte.

Genauso wichtig war jedoch, dass das Programm mir half, mein Selbstvertrauen wieder aufzubauen. Nachdem wir 2014 alles verloren hatten, trug ich lange Angst in mir – die Angst zu scheitern und die Angst, noch einmal etwas aufzubauen und es wieder zu verlieren.

Mit stetiger Unterstützung und Ermutigung begann ich wieder, mir selbst zu vertrauen. Ich startete ein kleines Handarbeitsgeschäft von zu Hause aus, das unserer Familie wieder ein wenig Einkommen brachte. Es ging nicht nur um Geld. Es ging darum, sich wieder fähig zu fühlen.

Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich nicht nur Vertreibung und Verlust. Ich sehe auch die Schritte, die ich unternommen habe, um meine Familie aufrecht zu halten – und wie sich mein Leben verändert hat: vom bloßen Überleben hin dazu, etwas für andere beizutragen.

Ich glaube, Frieden beginnt damit, wie wir zu Hause miteinander umgehen und wie wir in der Gemeinschaft miteinander sprechen. Er wächst, wenn Menschen zuhören, statt einander zu beschuldigen.


Ich brauche keinen Titel, um zu wissen, was ich geschafft habe. Ich versuche einfach, das zu tun, was ich kann – dort, wo ich lebe, und mit den Menschen um mich herum.

Unterstütze Frauen wie Iqbal im Irak, in Afghanistan, in Palästina und anderen Konfliktregionen.

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Mein Name ist Lilian Kiden: Ich stehe für Frieden in meiner Gemeinde ein

Geschichten aus dem Süsudan

Mein Name ist Lilian Kiden. Ich bin 48 Jahre alt, Mutter von acht Kindern und Bäuerin. Obwohl ich nie die Möglichkeit hatte, zur Schule zu gehen, gab mir WfWI die Chance, an einem Führungs- und Advocacy-Trainingsprogramm teilzunehmen, das mein Leben verändert hat.

Heute kennen mich viele Menschen, und mein Einfluss reicht über mein Dorf hinaus. Ich bin zur Change Agent geworden und diene nun als Sultanin (Chief) der Mahad-11-Gemeinschaft in Gimunu Boma, Yei County, Südsudan.

Nachdem ich 2022 das WfWI-Change-Agent-Programm abgeschlossen hatte, begann ich, meine Fähigkeiten und Erfahrungen zu nutzen, um Probleme in meiner Gemeinschaft anzugehen. Konflikte waren ein großes Thema, also entschied ich mich, meine Stimme zu erheben und zu handeln – auch wenn es schwierig war. Die Menschen bemerkten mein Engagement und wählten mich zur Sultanin, eine Rolle, die üblicherweise Männern vorbehalten ist und lange Zeit als unerreichbar für Frauen galt.


Lilian Kiden spricht mit Teilnehmerinnen eines Programms über Friedensförderung. Foto: WfWI

Obwohl es nach Jahren der Kämpfe in Südsudan Friedensabkommen gab, hat die Gewalt nicht aufgehört. Stattdessen hat sie sich von den Frontlinien in die Dörfer verlagert. Diese Veränderung hat Soldaten in engeren Kontakt mit der lokalen Bevölkerung gebracht, was zu mehr Spannungen zwischen Zivilisten und Militär führte. Das ist auch in meinem Dorf und in anderen Dörfern im Yei County der Fall. Da sich in Yei eine Militärkaserne befindet, habe ich häufig geholfen, Konflikte zwischen Soldaten und Zivilisten zu vermitteln. Wenn ein Konflikt ausbricht, führe ich Gespräche sowohl mit Soldaten als auch mit ranghohen Offizieren. So entsteht eine Verbindung zwischen der lokalen Gemeinschaft und den Verantwortlichen, die sich um Soldaten kümmern, die schwere Vergehen begangen haben. Anschließend übernimmt Marab, ein Generalmajor der Armee, den Fall, und die Soldaten werden zu disziplinarischen Maßnahmen vorgeladen.

Am 14. Januar 2025 brach in Yei ein schwerer Konflikt zwischen zwei Gemeinschaften aus Rumbek und Bor im Bundesstaat Lakes aus. Ich meldete den Vorfall sofort, und die Beteiligten wurden schnell festgenommen, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Das Gericht handelte zügig und konnte den Konflikt lösen.


Lilian Kiden sitzt vor ihrem Haus mit ihren Kindern. Foto: WfWI

Ich unterstütze auch Familien dabei, Konflikte zu lösen, die sich verschlimmern können, wenn sie nicht frühzeitig angesprochen werden. Ich bringe alle Beteiligten an einen Tisch, damit sie miteinander sprechen, und betone, wie wichtig es ist, dass Männer in die Lösungsfindung einbezogen werden. Es kann herausfordernd sein, doch nach einigen Treffen akzeptieren Familien in der Regel meine Vermittlung und finden wieder Frieden. Meine Erfahrung in der Konfliktlösung hilft mir, familiäre Streitigkeiten zu schlichten und Harmonie wiederherzustellen. Selbst Verwandte, die sich zuvor gemieden haben, beginnen wieder miteinander zu sprechen und gemeinsam zu essen.

Darüber hinaus leite ich die Change-Agents-Gruppe in meinem Dorf und unterstütze die Mitglieder aktiv dabei, verschiedene Herausforderungen in der Gemeinschaft anzugehen. Indem ich Verständnis fördere und proaktiv handle, helfe ich sicherzustellen, dass alle fokussiert und motiviert auf unsere gemeinsamen Ziele hinarbeiten.


Ich habe an vielen unterschiedlichen Konflikten gearbeitet, darunter Streitigkeiten zwischen Gemeinschaften, familiäre Probleme und Auseinandersetzungen um gemeinschaftliche Wasserstellen. Jede Situation bringt eigene Herausforderungen mit sich – etwa lange Anfahrtswege oder anfängliche Zurückhaltung der Beteiligten. Dennoch bin ich überzeugt, dass es wichtig ist, zu einer friedlichen Gemeinschaft beizutragen, und ich gebe mein Bestes, um Menschen wieder näher zusammenzubringen.

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Im Südsudan arbeiten wir mit konfliktbetroffenen Frauen zusammen, um ihnen eine neue Perspektive zu ermöglichen und gemeinsam nachhaltigen Frieden in ihren Gemeinschaften zu etablieren.

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Mein Name ist Tahreer: Ich kämpfe für die Zukunft meiner Kinder

Geschichten aus Palästina

Nachdem sie ihren Ehemann, ihren Sohn und ihr Zuhause verloren hat, steht Tahreer weiterhin stark für ihre Kinder und findet Momente der Heilung durch die Unterstützung unserer Partner in Gaza.

Mein Name ist Tahreer. Ich bin Mutter von vier Kindern, aber heute sind nur noch drei von ihnen bei mir. Mein Ehemann und mein Sohn wurden im Krieg hier in Gaza getötet, und von diesem Moment an wurde ich die einzige Person, auf die meine Kinder sich verlassen können. Das Leben war nie einfach für uns, aber als der Krieg begann, brach alles auf einmal zusammen.

Mein Sohn war gerade einmal acht Jahre alt, als er getötet wurde. Er war ein brillanter Junge, voller Versprechen. Zu Beginn des Krieges, als der Strom ausfiel und er nicht mehr lernen konnte, bat er darum, bei seiner Tante zu bleiben, weil sie Solarstrom hatte. Er wollte einfach nur mit seinen Lektionen weitermachen. Noch am selben Tag wurde das Haus bombardiert. Mein Sohn, seine Tante und ihr Kind wurden sofort getötet.

Auch mein Ehemann Mohammad wurde früh im Krieg getötet. Sein Auto war Ziel eines Angriffs und er kam nie nach Hause.

Wir hatten nicht einmal die Gelegenheit, einen Verlust zu verstehen, da der nächste schon kam. Selbst jetzt sitze ich manchmal in Stille da und versuche, alles zu begreifen. Mein Sohn war nur ein Kind. Er hatte nichts mit all dem zu tun.

Tahreer in ihrem Zuhause. Credit: WfWI

Bevor der Krieg begann, lebten wir einfach, aber mit Würde. Ich arbeitete als Friseurin und mein Ehemann war Elektriker. Meine Kinder gingen zur Schule, trugen saubere Kleidung, aßen gut und führten ein normales Leben. Wir waren nicht reich, aber wir waren stabil. Jetzt fühlt sich dieses Leben an wie eine Geschichte, die jemand anderem gehört.

Seit Kriegsbeginn wurden wir bereits fünfmal vertrieben. Jeder Umzug nahm uns etwas: unser Zuhause, unsere Sachen, unser Gefühl der Sicherheit. Wir haben auf dem Weg unsere Würde verloren. Heute haben wir kein stabiles Einkommen und keine Gewissheit, was morgen bringt. Das Leben in der Vertreibung ist ein täglicher Kampf. Statt aufzuwachen, um meine Kinder für die Schule vorzubereiten, wache ich auf, um ein Feuer zu machen, damit ich Wasser erhitzen kann. Stundenlang wasche ich Kleidung von Hand, stehe in der Schlange für Brot oder sauberes Wasser. Meine Kinder, die eigentlich spielen oder lernen sollten, müssen stattdessen stundenlang in langen Schlangen stehen.

Manchmal kommen sie mit leeren Händen zurück oder werden sogar geschlagen. Das ist kein Leben, das irgendjemand verdient.

Wir haben keinen Strom. Um mein Telefon aufzuladen, das die einzige Möglichkeit ist, wie meine Kinder am Online-Unterricht teilnehmen können, muss ich es stundenlang bei jemandem lassen, der einen Generator benutzt. Einmal wurde mein Telefon gestohlen. Die Preise sind mittlerweile unerträglich, aber ohne ein Telefon verlieren meine Kinder ihre einzige Verbindung zur Bildung.


Tahreer mit ihrem Sohn. Credit: WfWI

Trotzdem versuchte ich, ein kleines Stück meines alten Lebens wieder aufzubauen. Ich hängte ein kleines Schild vor unser Zelt, auf dem steht, dass ich Friseurin für Frauen bin. Mit den wenigen Werkzeugen, die ich noch habe, versuche ich zu arbeiten, etwas zu verdienen, um meine Kinder zu ernähren. Aber mit der Krise so tief und der Unterstützung so stark eingeschränkt, fühlt sich sogar das Überleben wie ein Kampf an.
Mitten im Konflikt und der Vertreibung nahm ich meine Friseurarbeit in meinem Zelt wieder auf und tue alles, um meine Kinder zu beschützen und zu ernähren.


Eine der wenigen Quellen des Trostes kam durch die psychosoziale Unterstützung, die durch die Wefaq Association mit Unterstützung von Women for Women International angeboten wurden.

Eine Spezialistin saß bei mir und meinen Kindern. Sie hörte uns zu, verstand die Last, das ich trage, und zeigte mir kleine Möglichkeiten, wie ich meinen Kindern helfen kann, mit dem Schmerz umzugehen, wie ich ihnen helfen kann, für einen Moment die Angst und den Verlust zu vergessen. Meine Kinder freuten sich immer auf ihre Sitzungen.

Sie zu sehen, wie sie lächeln, fühlt sich an wie ein kleines Licht in einer sehr dunklen Zeit.

Aber die Herausforderungen bleiben. Dieses Zelt ist kein Zuhause. Nachts dringt die Kälte durch alles hindurch. Manchmal sitze ich allein da und denke darüber nach, wer ich früher war und wer ich jetzt bin. Wir sind aus allen Richtungen ungerecht behandelt worden. Wir leiden auf jede erdenkliche Weise.

Heute ist mein Wunsch einfach: Strom, normales Essen, eine Waschmaschine, ein wenig Sicherheit und ein Ort, der sich wieder wie ein Zuhause anfühlt. Ich möchte, dass meine Kinder ihre Ausbildung ohne Angst fortsetzen können. Ich möchte, dass sie ein Leben in Würde haben. Das ist nicht viel, aber im Moment fühlt es sich wie ein ferner Traum an.

Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt, aber ich halte durch für meine Kinder und die Hoffnung, dass das Leben eines Tages wieder Zu etwas wird, das sich menschlich anfühlt.

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Mein Name ist Tahani: Ich träume davon, mein Haus angstfrei verlassen zu können

Geschichten aus Palästina

Durch ein kleines Fenster in das eigene Zuhause zu gelangen und sich dabei zu fühlen, als würde man sich wie ein Dieb hineinschleichen, ist ein schmerzhaftes und demütigendes Gefühl.

Mein Name ist Tahani Al-Muhtaseb. Ich bin 53 Jahre alt, Mutter von fünf Kindern und Großmutter von sechs wundervollen Enkelkindern. Seit mehr als 30 Jahren lebe ich in meinem Haus. Es ist der Ort, an dem meine Kinder aufgewachsen sind, an dem Erinnerungen entstanden sind und an dem sich mein Leben entfaltet hat.

Doch seit vielen Jahren kann ich meine eigene Haustür nicht mehr benutzen.

Tahani an ihrem Fenster. Credit: WfWI

Mein Haus liegt in der Altstadt von Hebron, ganz in der Nähe eines militärischen Kontrollpunkts. Ihn zu passieren ist unberechenbar und oft unsicher. Vor vielen Jahren, während der Ereignisse von 1994, trafen wir eine Entscheidung, die keine Familie jemals treffen sollte: Wir öffneten ein kleines Fenster in unserem Haus und begannen, es anstelle der Haustür zum Hinein- und Hinausgehen zu benutzen.Wenn jemand in der Familie krank ist, wenn wir Lebensmittel brauchen, wenn wir spät in der Nacht nach Hause kommen – ganz gleich aus welchem Grund –, wir benutzen dieses Fenster. Es ist einfacher und fühlt sich sicherer an, als täglich an den israelischen Soldaten vorbeigehen und den Stress des Kontrollpunkts auf sich nehmen zu müssen. Das Fenster ist zu unserem Eingang geworden, zu unserem Ausgang, zu unserer Art, den Alltag unter der Besatzung zu bewältigen. Manchmal dürfen Menschen überhaupt nicht passieren. Sie werden angehalten, durchsucht oder zurückgeschickt – besonders an Feiertagen.

Über Jahre hinweg haben wir aufgehört, die Haustür unseres Hauses zu benutzen. Die Vorstellung, dass es unsicher sein könnte, durch die eigene Tür zu gehen, ist etwas, womit niemand leben sollte.

Diese Realität macht mich zutiefst traurig. Ich wünsche mir so sehr, meine Haustür frei öffnen zu können. Durch ein kleines Fenster in das eigene Zuhause zu gehen und sich dabei zu fühlen, als würde man sich wie ein Dieb hineinschleichen, ist ein schmerzhaftes und demütigendes Gefühl. Erst kürzlich habe ich die Haustür einmal benutzt – und auch nur mit großer Mühe, weil ich große Gegenstände hatte, die schlicht nicht durch das Fenster passten.

Trotz all dem weigere ich mich zu glauben, dass das alles ist, was das Leben zu bieten hat.

Jeden Tag halte ich an der Hoffnung fest, dass ein sichereres und würdevolleres Leben noch möglich ist.

Was in letzter Zeit etwas in mir verändert hat, war meine Teilnahme am Programm Stronger Women Stronger Nations von Women for Women International. Durch dieses Programm habe ich nicht nur Fähigkeiten erworben, sondern auch innere Stärke gewonnen.

Früher fühlten sich viele von uns zögerlich und unsicher. Doch durch die Unterstützung, Solidarität und das Verständnis, das wir erfahren haben, wuchs unser Selbstvertrauen. Wir begannen, unsere innere Kraft wieder zu spüren. Als Frau, die ihre Familie mitversorgt, bin ich stolz darauf zu lernen, zu wachsen und eine bessere Zukunft aufzubauen. Das Programm hat mich daran erinnert, dass wir selbst unter den schwierigsten Umständen Handlungsspielraum, Würde und die Fähigkeit haben, gemeinsam stark zu sein.

Meine größte Hoffnung ist einfach: Ich möchte, dass meine Kinder und Enkelkinder in größerer Sicherheit leben als wir es getan haben. Ich wünsche mir, dass die Angst, die uns jeden Tag begleitet, verschwindet. Ich hoffe, dass die internationale Gemeinschaft wirklich hinschaut, wie wir leben – nicht nur davon hört, sondern es sieht. Jeden Tag träume ich von Frieden.

Jeden Tag träume ich davon, meine Haustür zu öffnen und frei hindurchzugehen. Und jeden Tag halte ich an der Hoffnung fest, dass ein sichereres, würdevolleres Leben noch möglich ist.

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Was mich meine Entführung im Südsudan über Mut und Verbundenheit gelehrt hat

Von: Poni Abraham, Advocacy and Communication Coordinator, Südsudan

Mein Name ist Poni und ich bin die Advocacy- und Kommunikationskoordinatorin für Women for Women International im Südsudan.

Es ist später Nachmittag, und ich renne seit Stunden durch den Wald, Schlamm klebt an meinen Stiefeln, Schweiß mischt sich mit Regen. Ich weiß nicht, wo ich bin. Ich weiß nicht, ob ich überleben werde. Die Männer, die uns entführt haben, haben ihre Drohungen deutlich gemacht.

Ich bin erschöpft. Ich denke an meine Mutter, an meine beiden kleinen Kinder. Ich versuche, ihre Gesichter nicht vor mir zu sehen – aber ich tue es trotzdem. Ich kann nicht anders.

Ich hätte nie gedacht, dass mein Leben so enden könnte.

An diesem Morgen hatte ich ein Gefühl, nicht ins Auto einzusteigen. Aber ich schob es beiseite. Ich arbeite für Women for Women International, eine Organisation, die Frauen unterstützt, die Krieg und Gewalt überlebt haben.

Ich habe Dutzende Geschichten über die Frauen erzählt, mit denen wir arbeiten – Geschichten von Stärke, von Gewalt, von unvorstellbarer Resilienz. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich selbst eine dieser Geschichten erleben würde.

Poni

Wir fuhren aus Yei im Südsudan heraus, auf dem Weg zu unserem Trainingszentrum, als wir bewaffnete Männer in militärischen Regenmänteln sahen. Wir dachten, es sei ein Kontrollpunkt. Doch dann tauchten mehr Männer auf, umringten unser Fahrzeug und gaben uns Zeichen, von der Straße abzufahren. Da wusste ich, dass etwas furchtbar schief lief.

Sie befahlen uns, auszusteigen. „Versucht nicht, etwas zu verstecken“, warnten sie. Wir gehorchten. Sie nahmen uns das Wenige, das wir dabeihatten, und zwangen uns, mit ihnen in den Wald zu gehen.

Stunden vergingen. Wir waren erschöpft, verängstigt, wussten nicht, was als Nächstes passieren würde. An einem Punkt trennten sie einen Teil unserer Gruppe ab. Ich erinnere mich an den tiefen Schmerz in meiner Brust, als ich meine Kolleginnen und Kollegen zwischen den Bäumen verschwinden sah.

Den Rest von uns führten sie tiefer in den Wald. Jedes Mal, wenn wir stolperten, schlugen sie uns. Schließlich erreichten wir ein neues Versteck. Die Luft war schwer und still, nur unterbrochen vom Prasseln des Regens auf den Blättern. Ich spürte, wie die Last des Tages mich überwältigte.

Irgendwann hörte ich auf, gegen die Angst anzukämpfen. Ich legte mich auf den kalten, schlammigen Waldboden, wickelte mich in meine Jacke und schlief ein.

Als ich aufwachte, war etwas anders. Die Männer sprachen leise, ihr Ton weniger hart. Dann, plötzlich, sagten sie uns, wir sollen gehen. Ich glaubte ihnen zuerst nicht. Doch wir liefen – Schritt für Schritt – aus diesem Wald heraus. Keine Geräusche. Keine Schüsse. Nur Stille. Wir waren frei.

Stunden später, nachdem wir ein vorbeifahrendes Fahrzeug angehalten hatten, kamen wir zurück nach Yei. Lebendig.

Doch Freiheit brachte keinen Frieden. In den folgenden Tagen war ich voller Wut – Wut darüber, wie knapp ich dem Tod entkommen war, und darüber, wie oft so etwas im Südsudan passiert.

Poni

Ich fragte mich: Ist dieser Job mein Leben wert? Meine Familie flehte mich an zu kündigen. Aber etwas in mir hatte sich verändert. Jahrelang habe ich Frauen zugehört, wie sie ihre Geschichten des Überlebens erzählten – Geschichten von Gewalt, von Verlust, davon, wieder Hoffnung zu finden. Ich dachte, ich verstehe sie. Ich dachte, Mitgefühl wäre genug. Doch nach dem, was passiert war, wurde mir klar, dass es einen Unterschied gibt zwischen Verstehen und Wissen.

Poni bildet Frauen im Rahmen unseres Change-Agent-Programms in Führungs- und Advocacy-Kompetenzen aus, damit sie Veränderungen in ihren Gemeinden vorantreiben können. Foto: WfWI

Jetzt weiß ich, wie es sich anfühlt, die Kontrolle zu verlieren, echte Angst zu erleben und sich an den Glauben zu klammern, wenn man sonst nichts mehr hat. Und in diesem Wissen habe ich eine tiefere Verbindung zu den Frauen gefunden, mit denen ich arbeite.

Ihr Mut hat mich immer inspiriert. Jetzt stärkt er mich auch.

Diese Erfahrung hat meinen Geist nicht gebrochen – sie hat ihn erneuert. Sie hat mich daran erinnert, warum diese Arbeit wichtig ist, warum wir nicht aufgeben dürfen, selbst wenn die Welt grausam und unsicher erscheint. Ich habe meine Entscheidung getroffen: Ich werde nicht weggehen.

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