Der Mut hinter Leilas Lächeln

DAS ERSTE, WAS MIR AN LEILA AUFFÄLLT, IST IHR STRAHLENDES LÄCHELN.

Leilas und ich treffen einander im syrischen Geflüchtetenlager in Basirma am Rande von Erbil, der Hauptstadt der irakischen Region Kurdistan (KRI). Women for Women International betreibt dort seit 2020 ein Ausbildungszentrum. Leila lebt seit 2019 mit ihrer Familie in dem Lager. 

Im Jahr 2018 wurde Leilas Dorf in Damaskus bombardiert, was ihr Leben für immer veränderte. Sie verlor bei einem Bombenangriff zwei Kinder. Ihre Tochter Najah, heute 12 Jahre alt, wurde verletzt – ihr Bein wurde so schwer verwundet, dass sie immer noch nicht richtig laufen kann. Leila erzählt mir ihre Geschichte, ihr Gesicht ist verzerrt von der Angst vor dem Verlust ihrer Kinder und ihres Zuhauses. Auch sie wurde verletzt, zeigt auf ihr Bein und zeigt mir die Prothese, die sie tragen muss, um laufen zu können.

Ich saß ein paar Minuten schweigend bei ihr, hielt ihre Hand und drückte sie, um sie zu trösten – es spielte keine Rolle, dass wir die Sprache des anderen nicht sprechen konnten, Worte waren in diesem Moment nicht nötig.

Leila erzählte mir, wie sie mit Najah fliehen musste. Da Leila Kurdin ist, wurde ihr und Najah in KRI Asyl gewährt, aber ihr Ehemann, der Syrer ist, konnte nicht ausreisen, bis seine Papiere bearbeitet wurden. Er schloss sich ihnen einige Monate später in Basirma an.  

Als Leilas Sohn Yousef vor zwei Jahren geboren wurde, wusste sie, dass sie trotz ihrer Trauer weitermachen musste, um sich um Najah und Yousef zu kümmern. Sie begann, ihr Leben wieder in Ordnung zu bringen. Im Jahr 2020 nahm sie an unserem „Stronger Women, Stronger Nations“-Schulungsprogramm teil. 

Im Programm traf Leila andere Frauen, die ähnliche Schrecken des syrischen Krieges erlebt hatten. Sie fand Trost darin, ihren Verlust und ihre Trauer mit ihnen zu teilen.  

Leila in ihrem Zuhause, Fotocredit: Sabua

Der Besuch des Schulungszentrums gab mir ein Gefühl der Sinnhaftigkeit und half mir dabei, zu heilen.

LEILA, PROGRAMMTEILNEHMERIN, WOMEN FOR WOMEN INTERNATIONAL – IRAK

Mit einem Lächeln im Gesicht erzählt sie mir, wie sehr sie es genossen hat, jeden Tag zum Unterricht zu gehen und Neues zu lernen. Es eröffnete ihr neue Möglichkeiten, aber noch wichtiger ist, dass es ihr half, Selbstvertrauen zu gewinnen. Ausgestattet mit den geschäftlichen und beruflichen Fähigkeiten, die sie im Programm erlernte, wollte sie ihr eigenes Unternehmen gründen, um finanziell unabhängig zu werden und eine bessere Zukunft für ihre Familie aufzubauen. 

Dieser ganzheitliche Ansatz, der Frauen, die den Krieg überlebt haben, mit sozialen und wirtschaftlichen Fähigkeiten ausstattet, steht im Mittelpunkt unserer Arbeit bei Women for Women International. 

Die Frauen, mit denen wir arbeiten, sagen uns, dass unsere Ausbildungszentren ein sicherer Ort für sie sind, an dem sie miteinander in Kontakt treten und gemeinsam lernen können. Und langsam, aber sicher beginnen sie, ihre Kraft zu erkennen. 

Leila bei der Herstellung des traditionellen kurdischen Brotes Kulera. Foto: Sabua

Leila lädt mich in ihr Haus im Camp ein, das nur wenige Gehminuten vom Ausbildungszentrum entfernt liegt. Nachdem sie im Juni 2021 unser Programm absolviert hat, hat sie sich auf das Brotbacken spezialisiert und zeigt mir ihr Geschäft zu Hause. Sie stellt ein lokales Brot namens Kulera her, das ihr Mann dann auf dem Markt verkauft.   

Als sie mir stolz zeigt, wie sie Kulera herstellt, sehe ich, wie ihre Augen aufleuchten und ihr Selbstvertrauen durchscheint. Sie ist in ihrem Element und lächelt von Ohr zu Ohr. Najah und Yousef schleichen um mich herum und sind zunächst schüchtern, weil sie vor der Kamera stehen, aber als wir in ihrem Haus auf dem Boden sitzen, beginnen sie sich wohler zu fühlen und Yousef nimmt sogar ein Stück Kulera von mir an.

Nidhi mit Leila und ihrer Familie. Foto: Women for Women International

Während ich mit Leila und ihrer Familie Kulera esse, inspiriert es mich sehr, wie sie die Kraft gefunden hat, weiterzumachen und ihr Leben wieder aufzubauen. Ihr ansteckendes Lachen bleibt mir im Gedächtnis. Es ist umso ergreifender, nachdem ich erfahren habe, was sie durchgemacht hat.

Ohne es zu merken, hat sie mir ein Geschenk gemacht – eine Erinnerung, die ich in Ehren halten werde, vor allem in Zeiten, in denen ich mich schlecht fühle. Denn ich weiß, wenn ich an diesen Moment zurückdenke und mich an den Mut hinter ihrem Lächeln erinnere, wird mir das auch Kraft geben.  

Ich bin unendlich stolz auf die Rolle, die Women for Women International im Leben von Tausenden von Frauen wie Leila spielt, die einfach nur eine bessere Zukunft für sich und ihre Familien wollen – die einfach nur ein Gefühl der Zugehörigkeit haben wollen.   

Ist das nicht letztendlich das, was wir alle wollen? 

SCHAU DIR HIER LEILAS GANZE GESCHICHTE AN!

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Unterstütze Frauen wie Leila dabei, sich nach den Traumata des Krieges ein neues Leben aufzubauen.

ZUR PATENSCHAFT

Mein Name ist Dada

ÜBER ZWEI JAHRZEHNTE LANG BEEINTRÄCHTIGTE DER BOKO-HARAM-AUFSTAND DAS LEBEN VON TAUSENDEN FRAUEN UND MÄDCHEN IN NIGERIA ERHEBLICH.

Durch gezielte Gewalt, Entführungen, Sklaverei, Vergewaltigungen und Morde haben Frauen unermessliches geschlechtsspezifisches Leid erfahren und wurden aus ihren Häusern vertrieben. Auch Männer wurden getötet, sodass allein die Frauen den Haushalt führen und die Hauptlast der Versorgung der Familie tragen mussten.

Credits: Monilekan

Diese Erfahrung teilt auch Dada, die mit ihrer Familie in der Stadt Potiskum im Bundesstaat Yobe lebte. Ihr Ehemann Gabra Isa, 60 Jahre alt, ein pensionierter Polizist, verlor einen Kollegen, der von Boko Haram getötet wurde. Während der Beerdigung erhielt Gabra einen Brief, dass er der Nächste sein würde. Er war entsetzt und verwirrt. Da er nicht wusste, was er tun sollte, floh er sofort aus der Stadt. Später in der Nacht hörten Dada und ihre Tochter Schüsse, nahmen in aller Eile mit, was sie tragen konnten, und flüchteten in eine Stadt namens Bauchi, die etwa 200 Kilometer von Potiskum entfernt ist, wo sie seit vielen Jahren zu Hause waren. 


Dada ließ sich mit ihrer Familie in der Gemeinde Mararaban Liman Katagum in Bauchi City nieder. Belastet von Verlust und Trauma trotzte Dada allen Widrigkeiten und meldete ihre beiden Töchter Khadija und Habiba in örtlichen Schulen in Bauchi an. Außerdem begann sie mit dem Verkauf von Reis in ihrem Haus, um ihre Familie zu unterstützen. Die Einnahmen aus diesem Geschäft reichten in der Regel nicht aus, da die zweite Ehefrau ihres Mannes, Khadija, und deren fünf Kinder ebenfalls in dem Haus lebten. Die Mahlzeiten waren unausgewogen und das Essen reichte oft nicht aus, um die Kinder satt zu machen. 


Vor etwa neun Monaten schrieb sich Dada für das „Stronger Women, Stronger Nations“ Programm ein, das von Women for Women International in Bauchi angeboten wird. Sie ist eine von 25 Frauen in ihrer Gruppe und wurde zur Klassensprecherin ernannt. Jeden Morgen bereitet Dada ihre Töchter auf die Schule vor. Sobald sie das Haus verlassen, nimmt sich Dada ihre Tasche und macht sich auf den Weg zum Ausbildungszentrum. Obwohl sie 30 Minuten in der sengenden Sonne laufen muss, ist sie immer die Erste, die im Klassenzimmer ankommt. Sie putzt den Raum und bereitet ihn vor, bevor alle anderen kommen. 


„Ich mag das Arbeitsteilungstraining. Früher habe ich die ganze Hausarbeit allein gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass meine Kinder noch zu jung waren, um zu arbeiten. Aber mit dem Training von WfWI habe ich angefangen, ihnen Hausarbeiten zuzuweisen. Einer fegt das Haus, der andere wäscht das Geschirr ab. Dadurch habe ich mehr Zeit, um auf den Markt zu gehen und Geschäftsmaterial zu kaufen“, erklärt Dada.


Das Programm bietet den Frauen außerdem die Möglichkeit, ihre Geschäfts- und Rechenkenntnisse auszubauen. Sie erlernen berufliche Fertigkeiten wie Backen, Schneidern, Friseurhandwerk, Ziegelherstellung, Schönheitspflege, Geflügelhaltung, Stricken, Handel und vieles mehr. Da Dada bereits vor ihrer Teilnahme am Programm geschäftlich tätig war, entschied sie sich für den Handel als berufliche Qualifikation. Dada hatte die Vision, mit ihrem Reisgeschäft erfolgreich zu werden. Die Schulung hat ihr Geschäft enorm verbessert und die Einnahmen gesteigert. Früher verkaufte sie nur Reis, aber mittlerweile hat sie ihr Geschäft auf Saatkuchen und geröstete Erdnüsse ausgeweitet, um etwas zusätzliches Geld zu verdienen. Sie kann nun bequem ihren Lebensunterhalt bestreiten und zum Haushaltseinkommen beitragen. Ursprünglich verdiente Dada etwa 300 bis 400 Naira, doch jetzt verdient sie allein mit dem Reisverkauf bis zu 2000 Naira. Mit Samenkuchen und gerösteten Erdnüssen erzielt Dada einen Gewinn von 500 Naira. Dada sagt:

In drei Jahren möchte ich mein Geschäft so weit ausbauen, dass ich vor meinem Haus einen Laden eröffnen kann, um Lebensmittel zu verkaufen.

Dada freut sich auf den Besuch des Schulungszentrums. Sie erwirbt nicht nur Wissen, sondern hat auch die Möglichkeit, sich mit anderen Frauen zu treffen. Im Rahmen des Programms werden 25 Frauen mit ähnlichen Erfahrungen und dem gleichen Wunsch, ihr Leben zu ändern, in Gruppen zusammengeführt. Die Frauen knüpfen enge Freundschaften und fühlen sich sicher, wenn sie in den folgenden 12 Monaten ihre Geschichten miteinander teilen. Auch nach Abschluss des Programms bleibt das Zusammengehörigkeitsgefühl bestehen. Sie lernen, wie wichtig soziale Netzwerke und die Arbeit in einer Gruppe sind. Außerdem erhalten sie ein monatliches Stipendium und werden im Sparen und den Vorteilen des Sparens in der Gruppe geschult.

Credits: Monilekan

Viele Frauen in Nigeria sind sich ihrer Rechte, der Gleichberechtigung von Mann und Frau und der Entscheidungsfreiheit in ihrem Zuhause nicht bewusst. Frauen werden nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen; die meisten denken, dass nur Männer das Recht haben, Rechte zu haben. In Dadas Kurs werden sie in sozialem Empowerment geschult, wo sie ihre Rechte erkennen und einige soziale Normen und Mythen in ihrer Gemeinschaft widerlegen. Dada gibt diese Informationen an ihren Ehemann, ihre Familie und ihre Nachbarn weiter, was einen Welleneffekt der positiven Veränderung auslöst. 

Ich habe gelernt, mit meiner Familie und der Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, so dass wir alle voneinander profitieren können, und ich habe gelernt, Menschen zu unterstützen

sagte Gabra, Dadas Ehemann.

Innerhalb weniger Monate konnten wir beobachten, wie sich das Leben von Dada und ihrer Familie stark verändert hat. Sie nimmt immer noch an dem Programm teil und wird bald den Abschluss unseres SWSN-Programms machen.

Jede Frau hat die Kraft, die Welt zu verändern, und mit Unterstützung und Entschlossenheit ist Dada dabei, ihr Leben und das ihrer Familie zu verändern. Genau das ist die Kraft von Women for Women International. 

VR FILM: THROUGH DADA’S EYES

Schau dir für einen Einblick in Dadas Leben in Nigeria unseren VR Film „Through Dada’s Eyes“ auf Youtube an.

UNTERSTÜTZE FRAUEN WIE DADA

Übernimm eine Patenschaft und begleite eine Frau, die einen Krieg überlebt hat, auf dem Weg in eine selbstbestimmte Zukunft.

ZUR PATENSCHAFT

Mein Name ist Shireen

Credits: Alison Baskerville

SHIREEN UND IHRE FAMILIE VERLIESSEN SYRIEN IM JAHR 2013, UM DEN KÄMPFEN ZU ENTKOMMEN. SIE LEBEN JETZT IN DER REGION KURDISTAN IM IRAK

Da sie als Geflüchtete keine Arbeit fand, wollte Shireen unbedingt eine neue Fertigkeit erlernen, die ihr helfen würde, ihre Familie zu versorgen. Shireen lernte nähen, aber sie gewann mehr als nur die Fähigkeit, Kleidung herzustellen: Sie lernte ihren Wert und ihr Selbstwertgefühl als Frau kennen. 

IM NOVEMBER 2017 NAHM SHIREEN AM PROGRAMM „STRONGER WOMEN, STRONGER NATIONS“ TEIL.

Sie traf andere Frauen, die ähnliches erlebt haben und erlernte soziale, wirtschaftliche und technische Fähigkeiten wie Nähen und Buchhaltung. 

Das Programm hat Shireen geholfen, ihren Wert zu verstehen, und sie kann nun dieses Wissen an ihre Töchter weitergeben.

Credits: Alison Baskerville

Ich kann sie verteidigen und für ihre Rechte eintreten … sie haben Rechte in diesem Leben.

SHIREEN

Shireen, die sich leidenschaftlich für die Rechte der Frauen und Themen wie Kinderheirat einsetzt, hat gelernt, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sein sollten:

„[Ein Mann] sollte sie [seine Frau] nicht mit Gewalt kontrollieren, wie ‚du sollst dies oder das tun‘, und sie würde es tun. Nein, sie ist auch wie du [Mann]. Sie sollte tun, was sie will und mag. Ein Mann sollte sich ihr nicht aufdrängen, weil er ein Mann ist und sie eine Frau ist. Das ist nicht richtig.“

Credits: Alison Baskerville

IM RAHMEN DES EINJÄHRIGEN PROGRAMMS ENTSCHIED SICH SHIREEN FÜR EINE AUSBILDUNG ZUR SCHNEIDERIN.


Mit ihren neuen Fähigkeiten, ihrem Wissen über das Geschäftsleben und ihrem Selbstvertrauen hofft Shireen, Arbeit zu finden oder ein eigenes Geschäft zu eröffnen und ihre Familie zu unterstützen.

Ich möchte einfach etwas tun, z. B. in einem Nähgeschäft oder einer Fabrik arbeiten oder zu Hause ein Nähgeschäft eröffnen.

Shireen war überglücklich, als sie das Programm abschloss.

Ich fand es toll, als ich über die Bühne ging und mein Zertifikat erhielt. Als mein Name verlesen wurde und ich auf die Bühne trat, dachte ich: ‚Ich werde ein Geschäft eröffnen‘ und dieses Zertifikat wird eingerahmt an der Wand meines Ladens hängen….Und wenn ein Kunde versucht, mir zu sagen, dass meine Näharbeit nicht professionell ist, würde ich antworten: ‚Was meinen Sie?‘

Frauen wie Shireen nutzen ihre innere Stärke, um sich ihre Zukunft neu aufzubauen und ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben zu führen. Damit verändern sie nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer Familie und ihrer Gemeinden. So kreieren sie einen Welleneffekt, der nachhaltig positive Veränderungen stiftet.

STAND WITH HER

Durch deine Unterstützung kann sich eine Frau ein neues Leben nach dem Krieg aufbauen.

STAND WITH HER

Aus der Armut zur Boss Lady

ALS ANGELIQUE NABINTU MWANA MUPOPO ZUM ERSTEN MAL IHREN EIGENEN LANDTITEL IN DEN HÄNDEN HIELT, SETZTE SIE SICH NICHT ÜBER DAS GESETZ HINWEG. SIE WIDERSETZTE SICH DAMIT EINER SEIT LANGEM BESTEHENDEN UNGLEICHHEIT IN DER DEMOKRATISCHEN REPUBLIK KONGO, DIE DEN WIRTSCHAFTLICHEN AUFSTIEG VON FRAUEN SEIT JAHRHUNDERTEN BEHINDERT.

„Ich war so glücklich, dass ich hätte springen können“, sagt die 38-jährige Mutter von neun Kindern, „aber es war eine öffentliche Zeremonie, also versuchte ich mich zusammenzureißen.“ 

Angelique und ihr Landtitel. Credit: Sighted Design.

Dieser Erfolg für Frauen hätte schon viel früher kommen erreicht werden können. Im Jahr 2006 wurde in der Verfassung der Demokratischen Republik Kongo die Gleichberechtigung von Männern und Frauen festgeschriebenfest verankert. Das Land hat auch das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung gegen Frauen mitunterzeichnet, das als internationales Gesetzbuch der Rechte von Frauen gilt.

Um die Qualität der Geschlechtergleichstellung weiter zu verbessern,Geschlechtergerechtigkeit weiter voranzutreiben hat die Regierung der Demokratischen Republik Kongo vor kurzem die Familien- und Landgesetze geändert, und die NGOs vor Ort haben sich intensiv für die Einhaltung der Gesetze eingesetzt.

Doch bis jetzt hat die Realität nicht mit der Theorie Schritt gehalten.   

Es gibt viele Gründe, warum kongolesische Frauen wie Angelique bisher keinen eigenen Landbesitz hatten:. Extreme Armut,. Ein kulturelles Vorurteil kulturelle Vorurteile, das die Frauen den Zugang zu Bildung verwehrt und der. Der einheimische Brauch, Land nur an Söhne zu vererben.

Vor allem aber kannten die Frauen ihre Rechte nicht.  

Um die Bedeutung der Erlangung des Landtitels für Angelique richtig einschätzen zu können, müssen wir uns zunächst die wirtschaftliche Situation in ihrem Land vergegenwärtigen.  

Angelique und ihre Familie. Credit: Sighted Design

Die Demokratische Republik Kongo ist zwar von der Fläche her die zweitgrößte Landmasse Afrikas und äußerst reich an natürlichen Ressourcen (zwei Drittel ihres Landes – die Regenwälder – sind für die Klimazyklen des Planeten von entscheidender Bedeutung), aber sie ist auch eines der ärmsten Länder der Welt. Ethnische Feindseligkeiten, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, eine Geschichte gieriger Diktatoren und eine schwache Infrastruktur haben dazu beigetragen, dass sich das Land nicht stabilisieren konnte.

Infolgedessen sind viele ländliche und indigene Bevölkerungsgruppen von Landunsicherheit betroffen. Und Frauen sind am meisten gefährdet.

Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Unterstützung der des Zugangs von Frauen zu Land sie in die Lage versetzt, größere Entwicklungsziele zu erreichen, einschließlich des Zugangs zu Krediten und Darlehen. Wenn Frauen stärker und unabhängiger werden, verbessern sie die wirtschaftliche Zukunft ihres Landes.


Angeliques Landerwerb in ihrem Heimatdorf Nyangezi ist ein Beispiel für Erfolg, aber nicht ohne Kampf.

Als Angelique 2017 zum ersten Mal von ihrem Dorfvorsteher von den WfWI-Programmen hörte, arbeitete sie auf den Farmen anderer Leute für etwa einen Dollar pro Tag. Als ihr Mann, ein Maurer, sich das Bein brach und nicht mehr arbeiten konnte, hatte sie keine Möglichkeit mehr, ihre Familie zu unterstützen.

Im Rahmen unseres Stronger Women, Stronger Nations Schulungsprogramms lernte Angelique soziale und wirtschaftliche Kompetenzen kennen und wurde auch über die Rechte der Frauen informiert. Dann wählten Gleichaltrige sie für unser Change-Agent-Programm aus, in dem sie eine Ausbildung als Anwältin erhielt.

Doch als sie und ihr Mann an einem Paardialog über das Landerbe teilnahmenein Gespräch über Landbesitz anfingen, erlebte sie aus erster Hand, welche Kontroversen das Thema auslösen kann.

Ein Mann sagte sogar: „Meine Vorfahren haben es Frauen nicht erlaubt, Land zu besitzen, also werde ich nicht der Erste sein, der sich ändert.“

Angelique verstandzeigte dafür Verständnis.

„Es gab eine Zeit, in der mein Mann mir sagte, ich hätte kein Mitspracherecht, weil er das Land geerbt hat.” Nach der Sitzung fragte er sie sogar unter vier Augen, ob das Recht der Frauen, Land zu erwerben, dazu führen könnte, dass sie sich von ihren Ehemännern scheiden lassen.

Aber Angelique war im Programm gut geschult worden. „Ich habe meinem Mann gesagt, dass das Ziel der Sitzung darin bestand, die Mentalität der Gemeinschaft in Bezug auf die Landbewirtschaftung zu ändern.“

Doch als er sie in ihr Dorf begleitete, um das Gelernte über Landrechte mitzuteilen, machte er plötzlich vor allen Anwesenden eine überraschende Ankündigung.

„Es stimmt“, sagte er, „Männer sollten mit gutem Beispiel vorangehen, und ich bin jetzt bereit, dir dein eigenes Land zu geben.“

Heute, mit dem neuen Titel in der Hand, spielt Angelique fröhlich die „Chefin“ für andere. Sie verdient mehr Geld und kann ihre Familie unterstützen. Außerdem sorgt sie in der gesamten Gemeinde für ein größeres Bewusstsein, insbesondere für die Rechte der Frauen.

Und nicht nur Angelique.Angeliques Geschichte ist kein Einzelfall: Bis heute hat WfWI 145 Landtitel an Frauen vergeben, weitere 300 stehen noch aus.

DRC-Programmteilnehmer und ihre Landtitel. Credit: Sighted Design.

Einer der Schlüssel zum Erfolg von WfWI ist die Einbeziehung von Männern als Verbündete in der Gemeinde.

Nach der Hälfte der Projektlaufzeit stellte sich heraus, dass jeder der 20 Männer, die als Führungspersönlichkeiten eingesetzt wurden, ihren Ehefrauen Land überlassen hatte, nachdem sie mit dem Konzept vertraut gemacht worden waren.

Im Grunde genommen ermöglicht der Landbesitz einer Frau nicht nur eigenes Einkommen, sondern auch die Möglichkeit, für den Rest ihres Lebens eine Dividende zu erhalten.

Heute träumt Angelique vom Rest ihres Lebens – und darüber hinaus. „Wenn das Land heute verkauft wird, muss ich an der Entscheidung beteiligt sein, und das macht mich glücklich.“ Sie plant, das Land für ihre beiden Söhne und Töchter zu nutzen, damit sie selbst bauen oder Landwirtschaft betreiben können.

„Aber mein größter Traum ist es, dass meine Töchter hieratenheiraten, so wie ich ihren Vater, und ebenfalls Land bekommen.“

„Für die Frauen in unserem Programm“, sagt Rachel Boketa, WfWI-Länderdirektorin für die DRK, „ist unsere Arbeit ein Augenöffner. Am Anfang können sich unsere Teilnehmerinnen nicht einmal vorstellen, dass es so etwas gibt. Heute ist Angelique ihre eigene Boss Lady.

„Das Schöne ist, dass meine Kolleginnen und ich aus städtischen Zentren kommen und als Vorbilder fungieren können. Ich besitze Immobilien. Ich besitze Land. Und ich bin eine Frau. Das sagt ihnen: ‚Hey, das kann sich ändern.‘ Und sie können es mit eigenen Augen sehen.

Investiere in die Wirtschaftskraft von Frauen wie Angelique.

Proud To Be a Landowner: Angelique from the DRC 

Wie ein Engel in meinem Leben – Olga aus der Ukraine

WENN MIR FRÜHER JEMAND GESAGT HÄTTE, DASS ICH MEIN LEBEN VON GRUND AUF NEU AUFBAUEN MÜSSTE, HÄTTE ICH DAS NICHT FÜR MÖGLICH GEHALTEN. ABER GENAU DAS IST MIR PASSIERT, ALS DER KRIEG IN DER UKRAINE AUSBRACH UND ICH MIT MEINEM SOHN NACH POLEN FLIEHEN MUSSTE.

Contentwarnung: Der folgende Artikel enthält grafische Darstellungen von Gewalt.

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, an dem ich zu Hause Angst hatte, weil hörte, wie die Bomben immer näherkommen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wollte in den Keller gehen, aber ich hatte zu viel Angst, dass er sich bei einem Bombeneinschlag in ein Massengrab verwandeln würde. Ich rief meinen Mann bei der Arbeit an und bat ihn, eine andere Route für den Heimweg einzuschlagen. Ich hatte gehört, dass der Weg, den er sonst nahm, zu gefährlich war. Auf seinem Umweg traf er auf einen russischen Panzer und er wurde erschossen. Es dauerte noch nichtmals 1 Minute, um 25 Jahre glücklicher Ehe zu zerstören. All unsere gemeinsamen Träume und Pläne für die Zukunft waren mit seinem Tod plötzlich dahin. 

Ich konnte seine Leiche erst nach vier Tagen abholen. Das Feuer in der Region brannte ununterbrochen und niemand wollte dorthin gehen. Schließlich konnte mich am vierten Tag ein Freund zu dem Ort, an dem mein Mann gestorben ist, begleiten. 

Ich werde nie vergessen, wie mein Mann getötet wurde, sein toter Körper lag noch hinter dem Lenkrad. Dieses Bild verfolgt mich jeden Tag…

Nach seiner Beerdigung beschloss ich, nach Polen zu fliegen, um das Leben meines Sohnes zu schützen. Ich war unendlich traurig und hatte die Freude am Leben verloren. Als ich in Polen ankam, suchte ich einen Psychologen auf. Ich musste mit jemandem reden, um zu verstehen, was in mir vorging. Ich fühlte mich so schuldig wegen des Todes meines Mannes. Ich machte mir jeden Tag Vorwürfe, weil ich ihm gesagt hatte, er solle seine Route ändern und hatte das Gefühl, der Unfall sei meine Schuld. Ich hatte auch den Glauben an Gott verloren. Das Einzige, was mich davon abhielt, mein Leben zu beenden, war mein Sohn. Ich musste um sein Leben kämpfen. Dank des Conflict Response Fund von Women for Women International nehme ich regelmäßig psychologische Hilfe in Anspruch. Zum ersten Mal nach all den Monaten konnte ich mich endlich jemandem gegenüber öffnen und weinen. Vorher hatte ich das Gefühl, stark bleiben zu müssen, weil ich meinen Sohn nicht beunruhigen wollte. Jetzt nehmen wir beide am Polnischunterricht teil, fahren Fahrrad und haben neue Freund:innen gefunden.

Ich verbringe viel Zeit mit meinem Sohn und habe vor kurzem eine Stelle in einer Bäckerei gefunden. Als ehemalige Anwältin bin ich es gewohnt, in einem Büro zu arbeiten, daher ist dies eine ganz andere Art von Arbeit für mich. Aber ich bin dankbar, dass ich hierdurch ein regelmäßiges Einkommen habe, mit dem ich eine gemütliche kleine Wohnung für meinen Sohn und mich mieten kann.  

Wenn ich jetzt auf mein Leben schaue – vor allem nach allem, was wir durchgemacht haben – kann ich nicht glauben, was wir geschafft haben. Der Tod meines Mannes hat mir das Herz zerrissen, aber jetzt sehe ich meine Stärke darin, dass ich in ein anderes Land gezogen bin und ein neues Leben bei Null angefangen habe.

Die Gespräche mit meinem Therapeuten haben mir geholfen, zu überleben und mich nicht in meiner Trauer zu verlieren. Ich fühle, dass ich nicht allein bin.

Die Therapiesitzungen zeigen mir, wie belastbar ich bin und ich fühle mich bereit, neue soziale Kontakte zu knüpfen und vielleicht nach einem Job in meiner Fachrichtung zu suchen. Ich bin Women for Women International, Žene za Žene und Human Doc/Beregina sehr dankbar für all die Unterstützung, die ihr mir zukommen lasst. Ihr seid wie ein Engel in meinem Leben.

DEINE SPENDE FÜR DIE UKRAINE

Hilf uns dabei, unsere Arbeit mit ukrainischen Frauen und Kindern auszuweiten.

DEINE SPENDE

Geschichten aus Afghanistan: Obaida

Mein Name ist Obaida, und ich lebe in Afghanistan. Ich bin Mutter von sechs Kindern – zwei Töchtern und vier Söhnen. Mein Mann hat früher als Rikscha-Fahrer seinen Lebensunterhalt verdient, aber wir sind trotzdem nicht über die Runden gekommen. Eines Tages hörte mein Mann vom Dorfvorsteher von Women for Women International, einer Organisation, die in unserem Dorf ein Zentrum eröffnet hatte. Mein Mann hat mich dazu ermutigt, mich für das Programm anzumelden und ich habe mich sehr darüber gefreut.  

Das Programm begann eine Woche nach der Anmeldung. Im Programm hatten wir einen geschützten Raum, in dem ich mit anderen Frauen in den Kursen zum Erwerb von Fähigkeiten und zur Stärkung der sozialen Kompetenz in Kontakt treten konnte. Ich lernte Dinge, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich in meinem Leben die Möglichkeit dazu haben würde. 

Durch das Programm erhielt ich ein monatliches Stipendium, mit dem ich meine Familie unterstützen konnte. Im Rahmen der Berufsausbildung lernte ich zu nähen und verdiente Geld, indem ich Kleidung für meine Nachbarn nähte.

Natürlich verlangte ich nicht viel Geld für die Kleidung, denn es war der Beginn meines Geschäfts, aber ich begann, mir eine vielversprechende Zukunft und ein besseres Leben für mich und meine Familie vorzustellen. Meine Kinder gingen jeden Tag zur Schule, wir konnten es uns leisten, Essen auf den Tisch zu stellen, und die Dinge liefen endlich gut. Doch bald schon änderte sich alles. 

Im August 2021, als die Welt entsetzt zusah, wie die neue de-facto-Regierung die Kontrolle über Kabul übernahmen, änderte sich unser Leben zum Schlechten. Ich werde diese Zeit nie vergessen. 

Es war Mitternacht, als wir Schüsse hörten und Menschen schrien. Es war spät in der Nacht, aber alle Menschen in unserer Nachbarschaft waren wach, auch die Kinder. Alle wollten wissen, was los war. 

Der Morgen begann mit Tageslicht, aber unser Leben lag völlig im Dunkeln. Plötzlich waren alle Schulen, Büros und Aktivitäten verboten. Afghanistan stand unter Quarantäne. Nicht wegen der Pandemie, sondern wegen der neuen de-facto-Regierung.

Wieder geriet unser Leben in Ungewissheit und extreme Armut. Mein Mann musste aufhören zu arbeiten, weil wir Angst hatten, was mit uns passieren könnte. Wir hatten nichts zu essen und keine innere Ruhe. Unsere Kinder weinten ständig, weil sie Hunger hatten. Während der Ausbildung hatte ich etwas Geld von meinem Stipendium gesammelt, das ich sparte, um eine Nähmaschine zu kaufen. Ich nutzte meine Ersparnisse, um Lebensmittel für uns zu kaufen, aber das Geld ging uns bald aus. Unsere Lage verschlechterte sich immer mehr, und wir konnten nur noch um Frieden und Nahrung beten. 

Nach einigen Monaten der Verzweiflung hörte ich im Februar 2022, dass Women for Women International seine Schulungszentren wieder eröffnete. Das war wie ein Hoffnungsschimmer in diesen dunklen Zeiten. Ich brach in Tränen aus. Aber dieses Mal waren es Tränen des Glücks! 

In der Nacht vor der Wiedereröffnung unseres Zentrums war ich zu aufgeregt, um zu schlafen. Am nächsten Tag ging ich zum Zentrum und meldete mich endlich wieder für das Programm an. Zusätzlich zu dem monatlichen Stipendium gab Women for Women International auch ein zusätzliches „Überwinterungsgeld“, um uns in diesen harten Zeiten zu unterstützen. Damit konnte ich Lebensmittel für meine Familie kaufen, und mit einem Teil des Geldes konnte mein Mann seine Rikscha wieder in Gang bringen und begann, Eis zu verkaufen. Ich ahnte nicht, dass unsere Schwierigkeiten noch lange nicht vorbei waren, und was dann geschah, stellte meine ganze Entschlossenheit und Stärke auf die Probe. Eines Tages im Mai 2022 war mein Mann auf dem Markt, als er mich anrief, um nach den Kindern zu sehen und mir zu sagen, dass er uns etwas zu essen bringen würde. Während ich mit ihm telefonierte, hörte ich plötzlich Schreie und Menschen weinen, und dann wurde das Telefon meines Mannes abgestellt. Ich rief ihn mehrmals zurück, aber sein Handy war ausgeschaltet. Er war einfach verschwunden, es gab keine Nachricht von ihm. Ich habe überall nach ihm gesucht, aber ich konnte ihn nicht finden. Keiner wusste, wo er sich aufhielt. Ich wandte mich an den Besitzer der Eiscremefirma, für die er arbeitete, der mir sagte, dass die de-facto-Regierung nach meinem Mann suchten und ihn an einen unbekannten Ort gebracht hatten.

Ich werde nie das schreckliche Leid vergessen, das wir durchgemacht haben, ohne zu wissen, ob er lebt oder tot ist.

Während seiner Abwesenheit, da ich immer noch am Programm teilnahm, kaufte ich mit dem Stipendiengeld einige Hühner und begann, Kleidung für andere zu nähen, um meine Familie zu unterstützen. Nach 15 Tagen wurde mein Mann freigelassen. Wir erfuhren, dass er verhaftet und gefoltert wurde, nur weil er mit mir telefoniert hatte. 

Women for Women International vermittelte mir die Fähigkeiten, die ich brauchte, um meine Familie zu unterstützen. Ich betreibe immernoch ein kleines Geschäft, in dem ich Kleidung nähe, und verkaufe jetzt auch Eier mit dem Hühnerstall, den ich im Rahmen des Programms erhalten habe. Mit dem Geld, das ich verdiene, kann ich meine Familie ernähren und auch einen Teil davon sparen. Ich weiß zwar nicht, was die Zukunft für uns bereithält, aber ich habe das Gefühl, dass ich mein Leben endlich wieder Schritt für Schritt zusammensetzen kann. 

DEINE SPENDE

Unterstütze Frauen in konfliktbetroffenen Gebieten und hilf ihnen dabei, die Zukunft nach ihrem Willen zu gestalten.

DEINE SPENDE

FAZILA AUS BOSNIEN UND HERZEGOWINA

In ihrem kleinen Geschäft direkt bei der Gedenkstätte Srebrenica-Potočari verkauft die 65-jährige Fazila Blumen an Trauernde und Besucher, die vorbeikommen, um die 8.000 Männer und Jungen zu ehren, die dort im Juli 1995 ihr Leben verloren haben. Vor dem Genozid lebte Fazila mit ihrem Mann Hamed, ihrem Sohn Fejzo und ihrer Tochter Nirha in Srebrenica. Heute sind nur noch sie und Nirha übrig.

Fazila und ihre Familie hatten in den Tagen vor dem Massaker Zuflucht auf dem Gelände der Vereinten Nationen in Srebrenica gesucht. Aber als serbische Truppen plötzlich die Kontrolle über das Gebiet übernahmen, wurden Fazila und Nirha von Hamed und Fejzo getrennt. Ihr Mann und Sohn wurden in Busse gesetzt, um in ein vorübergehendes Internierungszentrum gebracht zu werden.

Sie sahen sie nie wieder.

Die darauffolgenden Tage waren von Chaos und Angst bestimmt. Fazila und Nirha flohen zusammen mit Tausenden anderen Menschen aus Srebrenica. Tage, Wochen und Jahre vergingen. Das Schicksal ihres Mannes und ihres Sohnes wurde totgeschwiegen.

Anfang der 2000er Jahre beschloss Fazila, sich für das Trainingsprogramm “Stronger Women, Stronger Nations” von Women for Women International in Sarajevo anzumelden. Dort schloss sie sich anderen Frauen an, die ebenfalls damit kämpften, sich von dem erlebten Trauma und den Folgen des Krieges zu erholen. Fazila wünschte sich eine bessere Zukunft für ihre 15-jährige Tochter und wusste, dass sie mit ihrem Leben weitermachen musste. “[Meine Tochter] war in diesem Moment die wichtigste Person für mich”, erinnert sich Fazila.

Fazila holt Blumen aus ihrem Laden, um sie auf das Grab ihres Mannes zu legen.

Mir war bewusst, dass ich meine persönliche Tragödie in Energie umwandeln musste, die zunächst meine Tochter und dann auch andere Frauen aus meiner Stadt benötigten

Fazila (rechts) besucht die Gedenkstätte Srebrenica-Potocari.

Rückkehr nach Srebrenica 

Fazila traf 2002 die schwierige Entscheidung, nach Srebrenica zurückzukehren. Sie zog zurück in das Haus, in dem sie und ihr Mann vor dem Krieg ihr gemeinsames Leben begonnen hatten, wo ihr Sohn geboren wurde, seine ersten Schritte machte und seine Kindheit verbrachte. Als Fazila dort ankam, fand sie ihr Haus in Trümmern vor. Langsam begann sie, es selbst wieder aufzubauen, allerdings kamen gleichzeitig die Erinnerungen und das Trauma, das sie erlebt hatte, zurück. 

„Verbitterung, Wut und Angst versteckten sich unter dem Trümmerhaufen“, sagt Fazila. Die Erinnerung an die Worte ihrer Mutter inspirierte sie, weiterzumachen. 

„[Sie sagte mir:] ‚Du musst im Leben mutig sein und dich deinen größten Herausforderungen und Ängsten stellen, die das Leben mit sich bringt! Wenn du dir etwas wirklich wünschst, darfst du niemals aufgeben!'“ 

Fazila und die anderen Frauen, die nach Srebrenica zurückkehrten, sahen sich mit einer Reihe komplizierter legaler Angelegenheiten konfrontiert, um ihr Eigentum formell einzufordern, von Projekten zum Wiederaufbau ihrer Häuser zu profitieren und sich Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten zu schaffen. 

Viele der Frauen hatten keine Ausbildung und wussten nicht, wie sie sich inmitten der vielen Formalitäten zurechtfinden sollten, die sie eigentlich unterstützen und schützen sollten. Für die meisten Frauen war es zudem ein schwieriger, emotionaler Schritt, ein selbstbestimmtes Leben zu beginnen. 

Ich hatte das Gefühl, dass ich ihnen dabei helfen muss, denn wir hatten nur uns selbst.

Die Teilnehmerinnen von Women for Women International kommen zusammen, um zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Zusammen einen Ausweg finden 

Gemeinsam gründeten Fazila mit einer Gruppe von Rückkehrerinnen einen eigenen Verein – Mothers of Srebrenica -, um Überlebende zu unterstützen und eine Möglichkeit für Frauen zu schaffen, zusammenzukommen, um sich gegenseitig zu ermutigen und Wege zur Lösung gemeinsamer Probleme zu finden. Außerdem ist es ihnen wichtig, das Bewusstsein für das zu schärfen, was ihren Familien 1995 widerfahren ist. Im Laufe der Jahre ist der Verein gewachsen und hat sich für die Aufarbeitung der Verbrechen in Srebrenica eingesetzt. 

„Diejenigen, die uns zuhören, können die Botschaft an andere weitergeben, und auf diese Weise geht die Wahrheit um die ganze Welt“, sagt Fazila. Zumindest hofft sie, dass ihre Arbeit andere daran erinnern wird, dass schreckliche Dinge an jedem Ort und jedem Menschen passieren können.   

Absolventin Fazila (rechts) ermutigte Women for Women International, das Schlungsprogramm für weibliche Überlebende des Krieges nach Srebrenica zu bringen. Die erste Außendienstmitarbeiterin von Women for Women International Farida Musanovic (links) und G

Fazila hat dank ihrer Arbeit mit dem Verein „Mothers of Srebrenica“ ihr Selbstvertrauen zurückgewonnen und die Kraft gefunden, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Sie wandte sich an das Team von Women for Women International in Sarajevo und ermutigte sie, ihre Programme auf Srebrenica auszuweiten, um den Frauen in ihrer Gemeinde zu helfen,  das Trauma des Krieges zu überwinden. 

„Fazilas Geschichte ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Frauen von Bosnien und Herzegowina im Zentrum der Bemühungen um den Wiederaufbau unseres Landes standen und stehen“, sagt Seida Saric, Direktorin von Žene za Žene International, einer Schwesterorganisation von Women for Women International, die mit Fazila an dem Tag dabei war, als Women for Women International ihr Büro in Srebrenica eröffnete. Heute unterstützt Žene za Žene weiterhin mehr als 30 Frauenvereinigungen von Women for Women International-Absolventinnen. 

Frauenverbände in ganz Bosnien stärken lokale Gemeinschaften, schaffen Möglichkeiten für wirtschaftliche Entwicklung und bürgerliches Engagement. Sie schaffen Brücken für Heilung und Zusammenarbeit, um in unsere Zukunft zu investieren.

Erinnerungen an das Geschehene 

Während sie mit ihrem Leben weitermachte und ihrer Tochter half, ihren Master-Abschluss zu machen, war die Vergangenheit nie weit von Fazilas Gedanken entfernt. Jeden Tag trägt sie noch das Taschentuch mit sich herum, das ihr Sohn ihr vor seinem Tod gab. 

Sie trug es auch an dem Tag im Jahr 2003 bei sich – acht Jahre nach dem Völkermord – als die sterblichen Überreste ihres Mannes Hamed endlich in einem Massengrab gefunden und in der Gedenkstätte und dem Friedhof von Srebrenica-Potočari, wo sie ihren Blumenladen betreibt, umgebettet wurden. 

Das Taschentuch war ebenso dabei, als 2005 weitere Überreste ihres Mannes in einem zweiten Massengrab gefunden wurden und sie ihn umbetten ließ. 

Und es war dabei, als sie 2013 endlich die sterblichen Überreste ihres Sohnes Fejzo auf demselben Friedhof wie ihren Mann begraben konnte. 

Fazila am Grab ihres Mannes auf dem Friedhof von Srebrenica-Potocari.
Dank des Blumenladens, den sie in der Gedenkstätte Srebrenica-Potocari betreibt, hilft Fazila Trauernden und Besuchern, die Menschen, die getötet wurden, weiter zu ehren.

Als Zeugin des Leidens von Frauen, die ähnliche Erfahrungen wie sie gemacht haben, sowohl in Bosnien als auch auf der ganzen Welt, sagt Fazila, sie fühle deren Schmerz, als wäre es ihr eigener. 

Diejenigen, die kämpfen, ermutigt sie,  sich ihrer Kraft bewusst zu werden: 

„Frage dich, welche Kraft in dir steckt und wie du damit denen helfen kannst, die ihre Kraft gerade nicht erkennen oder finden können … Es ist nicht immer einfach, aber ich bin mir sicher, auch du wirst deinen Weg finden! Manchmal wirst du denken, dass du diejenige bist, die Hilfe braucht, und das ist in Ordnung so! Aber suche stets nach deiner inneren Kraft und du wirst erkennen, dass auch du jemandem helfen kannst.“ 

UNTERSTÜTZE UNS

Frauen, die in Kriegs- oder Konfliktgebieten leben, haben die Kraft, ihr Leben wieder aufzubauen, aber sie brauchen Unterstützung. Mit der Unterstützung von anderen können Frauen eine bessere Zukunft aufbauen. Die Vergangenheit kann nicht vergessen werden, aber die Zukunft kann besser sein als die Gegenwart. Ermöglichen Sie einer Frau die Teilnahme an unserem lebensverändernden Programm.

SPONSERE EINE FRAU

FÜR DIE MÄDCHEN, DIE IN UNSERE FUßSTAPFEN TRETEN

JEDE FRAU HAT DIE MACHT, IHR EIGENES LEBEN ZU ÄNDERN — UND DAS LEBEN DER MÄDCHEN UM SIE HERUM.

Das sehen wir zum Beispiel im Irak, wo die Teilnehmerinnen von Online-Schulungen den wertvollen Unterrichtsstoff mit ihren Töchtern teilen. Oder in Ruanda, wo Absolventinnen ihre Kompetenzen an Mädchen in ihren Familien weitergeben und damit in die Zukunft dieser Mädchen investieren. Ein weiteres Beispiel ist die Geschichte von Aishatu und ihrer Tocher Ummi aus Nigeria, die uns über die Hindernisse auf dem Weg zur Gleichberechtigung erzählen und wie sie daran arbeiten, diese aus dem Weg zu räumen.

AISHATU

Ich hatte vor, meine Tochter zu verheiraten, bevor sie die weiterführende Schule abschließen würde (wie bei den meisten muslimischen Mädchen in meiner Umgebung), aber ich änderte meine Meinung, nachdem ich dem Programm Women for Women International beigetreten war. Mir wurden die Gefahren bewusst, denen ich meine Tochter aussetzen würde. Und mir wurde klar, dass auch ihre Menschenrechte dadurch verletzt würden, so wie meine es wurden als ich mit 15 heiratete.

Ich beschloss, meinen Töchtern das weiterzugeben, was ich selbst gelernt hatte, damit sie ein anderes Leben als mein Leben führen können.

Von meinen vier Töchtern ist Ummi die älteste. Was ich lerne, teile ich mit allen vieren, aber vor allem mit Ummi, weil sie sich als junge Frau in der verletzlichsten Phase ihres Lebens befindet.

Sie ist 17 Jahre alt, besucht zurzeit eine weiterführende Schule und lernt fleißig für ihren Abschluss. Das macht sie von zu Hause aus, weil die Schulen aufgrund der COVID-19-Pandemie momentan geschlossen sind.

Manche Leute in unserer Nachbarschaft beschweren sich und sagen, Ummi sei doch bereit zu heiraten und solle mit einem Mann zusammenleben. Ich sage ihnen aber immer wieder, dass die Entscheidung zu heiraten, Ummis eigene Entscheidung sein soll und nicht meine.

UMMI

Meine Mutter hat mir beigebracht, wie wichtig Bildung ist. Bildung stärkt mich darin, gute Entscheidungen zu treffen, zu Hause und in der Gesellschaft. Obwohl manche Leute in unserer Umgebung meine Eltern bedrängt haben, mich zu verheiraten, unterstützen meine Eltern mich zum Glück vollkommen bei meinem Schulabschluss. Ich möchte nach der Schule eine Ausbildung im Bereich Gesundheit absolvieren, bevor ich überhaupt ans Heiraten denke.

Wenn ich schnell heiraten würde, würde ich anderen zeigen, dass ich einen Mann brauche, um Rechte zu haben. Stattdessen habe ich angefangen, mein Wissen mit anderen jungen Mädchen in meiner Umgebung zu teilen. Ich habe gelernt, mich selbst zu lieben, zu respektieren und wertzuschätzen.

Durch die Diskussionen mit meiner Mutter verstand ich immer besser, dass Frauen die gleichen Rechte haben wie Männer. Ich habe ein Recht auf Bildung, Ehe, das Erben von Vermögen und auf Respekt.

Ich dachte vorher, dass Frauen keine Rechte haben bevor sie heiraten und, dass sie nur durch ihre Ehemänner bestimmte Rechte wahrnehmen können. Ich glaube, das ist der Grund dafür, dass viele von uns jungen Mädchen so schnell heiraten wollen, nachdem wir kurz in der Schule waren. Dabei realisieren wir nicht, dass wir uns damit unser fundamentales Recht auf Bildung verbauen.

Mut ist eine Qualität, die meine Mutter mir beigebracht hat.

Ich selbst nehme nicht Teil am Programm von Women for Women International, aber hatte das Glück, durch meine Mutter davon zu profitieren. Obwohl ich schüchtern bin, hat das, was ich von ihr gelernt habe, mein Selbstbewusstsein gestärkt.

Meine Mutter und ich sind durch das Wissen, das wir teilen, enge Freundinnen geworden.

Übersetzt von Froukje

MEIN NAME IST CARITAS

GESCHICHTEN AUS RUANDA

Ich war in der Schule, als der Genozid in meinem Heimatland passierte. Von meinen acht Brüdern sind sieben gestorben. Auch mein Vater. Nur meine Mutter, einer meiner Brüder und ich überlebten. Nach diesem Ereignis hatte ich nicht mehr viel Lust, irgendetwas zu tun. Nach dem, was ich gesehen hatte, dachte ich, dass mein Leben an dieser Stelle zu Ende war. Ja, ich habe es geschafft zu überleben, aber es ist mir schwergefallen, mein Heimatland noch zu mögen. Aber als nach und nach wieder Menschen anfingen, in mein Leben zurückzukehren – auch Menschen, mit deren Anteilnahme ich nicht mehr gerechnet hatte – kam ich langsam wieder zu mir. Und auf diese Weise bekam mein Leben eine neue Chance. Meinen Bruder zu sehen, half, meine Perspektive zu ändern. Er war bei dem Angriff von einigen Kugeln getroffen worden und ich dachte nicht, dass er überleben würde. Also hatte ich mir eingeredet, dass ich alleine sterben würde. Aber jemand hat ihm geholfen und er kehrte zu mir zurück. Er ist noch am Leben und ich bin sehr glücklich. Eine Zeit lang dachte ich auch, ich würde meine Mutter nie wieder sehen. Ich versuchte, sie zu finden, aber alle sagten mir immer wieder, dass sie gestorben sei. Wieder hatte ich das Gefühl, dass mein Leben stehen geblieben war. Ich heiratete nicht und ging nicht mehr zur Schule. Aber dann, eines Tages, nach langer Suche, gelang es mir, sie zu finden. Es war wie ein Wunder. Wir waren eine Zeit lang obdachlos und das Leben war sehr hart. Ich fand Arbeit und schaffte es, etwas Geld zu sparen, mit dem ich ein kleines Haus mietete. Es hatte nur ein Zimmer und meine Mutter und ich lebten dort zusammen.

Caritas. Foto: Serrah Galos/WfWI

Ich bin 39 Jahre alt. Ich bin verheiratet und habe zwei eigene Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Und ich habe fünf weitere Kinder adoptiert, wegen des Völkermords.

CARITAS, PROGRAMMTEILNEHMERIN IN RUANDA

In dieser Zeit lernte ich meinen Mann bei einem Freund kennen. Dieser Freund war dem Völkermord entkommen, und ich ging dort hin, um seine Geschichte zu hören. Mein zukünftiger Mann war auch dort. Wir lernten uns kennen und begannen eine Beziehung. Seine erste Frau wurde während des Völkermords getötet. Er war meine erste große Liebe. Ich liebte diesen Mann, weil er mir immer erzählte, wie er dem Völkermord entkommen ist und wie er jetzt seine Kinder allein großzieht. Als ich ihn in seinem Haus besuchte, konnte ich sehen, wie schwer die alleinige Erziehung seiner Kinder für ihn war. Ich verliebte mich in seine Kinder und erklärte mich bereit, mich um sie zu kümmern. Also beschlossen wir zusammen zu leben.

Ich hatte den Traum, offiziell zu heiraten, mit einer richtigen Hochzeit, und als ich ihm das sagte, lehnte er ab. Das war unser erster Konflikt. Er wollte, dass ich zu ihm ziehe, um auf seine Kinder aufzupassen, während er auf der Suche nach einem Job war, um sie unterstützen zu können. „Wir werden sehen. Vielleicht später“, sagte er. Als ich sagte, dass ich ihn nicht ohne eine offizielle Trauung heiraten würde, sagte er mir: „Ich weiß, dass du Kinder liebst. Ich denke, du solltest mit mir zusammen diese Kinder großziehen und später kannst du Gott um die offizielle Hochzeit bitten.“

Ich ging zu seinem Haus, weil er mich darum bat, und ich sah die Kinder, die sehr arm waren und nicht versorgt wurden. Da beschloss ich, mich ihm anzuschließen, um mich um diese Kinder zu kümmern. Die Ehe war wirklich eine Herausforderung. Wir hatten gute und schlechte Zeiten – was in einer Ehe normal ist. Das Gute daran war, dass ich eine verheiratete Frau wurde und von der Gesellschaft respektiert wurde. Und ich habe auch Kinder geboren. Ich hatte eine Tochter, dann Zwillinge, dann einen Jungen. Aber die Zwillinge starben kurz nach ihrer Geburt. Das hat mich aus der Bahn geworfen. Ich hätte vier Kinder haben können, aber jetzt habe ich nur zwei.

Ich dachte einmal, dass die Ehe auch mir Halt geben würde, dass nicht nur ich den Mann unterstützen würde. Aber man stellt im Leben fest, dass man nicht immer das bekommt, was man erwartet, sondern dass man nur enttäuscht wird. So bin ich manchmal enttäuscht, weil meine Erwartungen nicht erfüllt werden. Wenn man mit jemandem zusammenlebt, erwartet man, dass man zusammensitzt, dass man zusammen plant. Aber mein Mann und ich planen nicht zusammen. Er macht, was er will. Ich tue, was ich will. Wirklich, ich fühle mich schlecht, wenn ich das sage. Aber etwas, das ich sehr schätze, ist, dass er es geschafft hat, mir eine offizielle Hochzeit zu ermöglichen. Am Ende habe ich ihn überzeugt, und wir hatten unsere Hochzeit. Aber trotzdem war die gemeinsame Planung eine Herausforderung für meine Ehe – bis jetzt.

In der Vergangenheit hat mich mein Mann manchmal geschlagen. Er schlug mich so auf den Kopf, dass niemand sehen konnte, dass ich geschlagen worden war. So konnte ich ihn nicht einmal bei der Polizei anzeigen, weil es keine Beweise gab. Und er wollte, dass ich zu Hause bleibe. Er wollte nicht, dass ich rausgehe und andere Frauen treffe, mit denen ich reden könnte.

Um also mehr Ruhe zu Hause zu haben, schloss ich mich im Haus ein und erledigte alle anfallenden Arbeiten. Aber später hörte eine Freundin von mir von Women for Women International. Sie ging dorthin, um sich selbst anzumelden und half mir, Informationen zu bekommen. Das war, nachdem ich gerade meine Zwillinge entbunden hatte, die gestorben waren. Also konnte ich nicht hingehen. Meine Tochter ging dorthin und half mir, das Formular auszufüllen. Und später bin ich geflohen. Ich sage, dass ich geflohen bin, weil ich das Haus verließ, als ich sicher sein konnte, dass mein Mann nicht da war. Er wusste einen Monat lang nicht, dass ich zu den Schulungen von Women for Women International ging.

Aber schließlich fand er es heraus, weil er frei hatte und zu Hause blieb, aber ich, ich musste gehen – ich musste weiter zu meiner Ausbildung gehen. Und so sagte ich ihm, dass ich gehen würde, auch wenn er es nicht wollte. Später hatten wir Unterricht über die Rechte der Frauen. Und als ich von diesem Training zurückkam, setzte ich mich mit ihm zusammen und erklärte ihm alles, was ich gelernt hatte, und ich sagte ihm: „Wenn du mich von heute an noch einmal schlägst, werde ich dich anzeigen. Denn ich kenne jetzt meine Rechte.“ Die Antwort meines Mannes war: „Meine Frau, wer hat dir Gift gegeben? Denn das ist das erste Mal, dass ich dich so reden höre. Ich habe dir gesagt, dass die Frauen nicht gut sind. Wann hast du dich ihnen angeschlossen? Sie haben dir jetzt schlechte Dinge beigebracht. Du fängst an, mir schlechte Geschichten zu erzählen.“ Eines Tages folgte er mir und beobachtete mich, als ich das Büro von Women for Women betrat. Er wartete draußen auf mich, bis ich aus dem Training herauskam. Als ich wieder herauskam, sagte er mir, dass er mir gefolgt sei.

Ich sagte ihm: „Das ist nur für Frauen. Wenn du versuchst, das Büro von Women for Women International zu betreten, werden die Wachen dich schlagen.“

Also fing mein Mann an, mich wie eine unabhängige Frau zu behandeln, weil ich jetzt das tat, was ich als gut für mich empfand. Und nach ein paar Monaten fingen wir an, Perlenstickerei zu lernen. Und ich, weil ich es liebte, konnte den ganzen Tag lang daran arbeiten, während andere es nur ein paar Stunden lang taten. Ich lernte es sehr schnell. Ich sagte meinem Mann, dass wir jetzt, wo wir etwas lernen, den ganzen Tag dafür brauchen würden. Auf diese Weise würde er mich nicht mehr fragen, wo ich war. Ich blieb und lernte mit zwei Gruppen – als ich einmal fertig war, schloss ich mich einer anderen Gruppe an, um weiter zu lernen. Nach einem Monat begannen wir bereits, Fortschritte zu sehen. Mein Mann fing an, mich mit anderen Augen zu sehen und wir begannen, Dinge gemeinsam als Familie zu planen.

Ich entdeckte, was meine Arbeit mit den Perlen bewirken konnte. Meine Nachbarin, die extrem arm war, hatte keine Unterstützung wie ich. Aber eines Tages ging ich zu ihr nach Hause und stellte fest, dass sich alles verändert hatte. Als hätte sie plötzlich einen reichen Mann, der für sie sorgte: gute Stühle, alles sauber. Ich fragte sie, wie sie es geschafft hat, ihr Leben zu ändern und sie erzählte mir, dass es wegen der Perlen war. Es gab eine Vereinigung von Witwen, die von einer Frau unterstützt wurde, die sich in der Herstellung von Perlen ausbilden ließ und einen Markt in Europa fand. So schaffte es meine Nachbarin, gute Stühle in ihrem Haus zu kaufen, und ihr Leben hat sich wirklich sehr verändert. Ich fragte sie, ob ich auch dem Verein beitreten könnte. Sie sagte mir, da ich keine Völkermordwitwe sei, könne ich das nicht. Aber ich behielt immer den Wunsch in meinem Herzen, mitzumachen.

Weil ich die Bedeutung von Perlen kannte, versuchte ich meine Klasse bei Women for Women International davon zu überzeugen, dass wir Perlen herstellen sollten, aber die meisten Frauen verstanden die Bedeutung des Perlenmachens nicht. Also versuchte ich, es ihnen zu erklären, indem ich die Geschichte meiner Nachbarin erzählte und wie sich ihr Leben durch die Perlen verändert hat. Einige verstanden es und schlossen sich mir an. Wir waren insgesamt 10 und so konnten wir mit der Arbeit beginnen. Wir haben schnell gelernt. Ich war endlich in der Lage, das Geld zu verdienen, das ich brauchte, um zum Zahnarzt zu gehen. Ich hatte schon seit dem Völkermord Probleme mit meinen Zähnen. Wie du sehen kannst, habe ich jetzt gute Zähne.

Mein Mann schlägt mich nicht mehr. Ich konnte ein Stück Land kaufen und jetzt kann ich auch Essen, Kleidung und Haushaltsgegenstände kaufen. Mein Haus ist sehr sauber. Ich habe sehr schöne Stühle. Das habe ich gemacht. Ich habe es geschafft, diese Stühle selbst zu kaufen.

Es gibt einige Dinge, die mein Mann getan hat, die ich ihm verziehen habe. Aber es gibt auch einige, die ich ihm noch nicht verziehen habe. Wir sind noch immer dabei daran zu arbeiten. Ich versuche, Einfluss auf ihn zu nehmen, aber das ist sehr, sehr harte Arbeit.

Mein Leben ist sehr schön, weil ich ein Handwerk erlernt habe, das es mir ermöglicht, ein gewisses Einkommen zu erwirtschaften und für alle meine Bedürfnisse zu sorgen. Ich bin sicher, dass ich in Zukunft noch mehr Möglichkeiten zum Verkauf meiner Waren haben werde. Ich kann sogar meine Perlen außerhalb Ruandas verschicken, um mehr Geld zu verdienen. Mit diesem Geld möchte ich auf dem Land, das ich gekauft habe, mein eigenes Haus bauen und ein eigenes Zuhause haben. Und ich hoffe, dass ich meine Kinder in eine gute Schule schicken kann, damit sie genauso lernen können, wie ich es getan habe.

Übersetzt von: Sabrina Schmidt

ZAINABS GESCHICHTE

GESCHICHTEN AUS UNSEREM PROJEKTLAND NIGERIA

Mein ganzes bisheriges Leben war von Not und Leid geprägt.

Als ich ein junges Mädchen war, trennten sich meine Eltern und ich musste bei meiner Tante leben. Das Gefühl, mütterliche oder väterliche Liebe und Aufmerksamkeit zu erfahren, kannte ich nicht. Ich begann die Grundschule zu besuchen, doch als ich sechs Jahre alt war, ließ meine Tante mich vor dem Schulbeginn und in den Pausen Milch verkaufen, was sehr anstrengend für mich war.

Ich war so glücklich, als ich heiratete. Ich hatte das Gefühl, dass mein Leben viel besser werden würde, nun dass ich jemanden hatte, dem ich mich anvertrauen konnte, dass ich weniger Hausarbeit und weniger Leid hätte. Aber es kam alles anders, als ich es mir vorgestellt hatte.

Mein Mann heiratete eine zweite Frau und hörte auf, mir zuzuhören. Immer, wenn ich eine Auseinandersetzung mit meiner Nebenfrau hatte, fing mein Mann an mich zu schlagen, ohne meine Version des Geschehens anzuhören. Manchmal wollte er mir nicht mal Geld geben, um mich und meine Kinder zu ernähren. Bei meiner Nebenfrau war das nicht so, die liebte er und behandelte er gut.

Dazu kamen die politische Unsicherheit und Unruhen, die uns zwangen, Zuflucht in einer Kaserne zu suchen. Dort angekommen mussten wir aber feststellen, dass sich bereits viele Leute dorthin in Sicherheit gebracht hatten und das Lager völlig überfüllt war. Wir mussten fünf Tage lang unter einem Baum schlafen, weil die Kaserne zu voll war. Schließlich beschlossen wir umzuziehen und den örtlichen Spannungen zu entgehen. Wir verließen das Lager mit nur einer kleinen Matratze, wenigen Klamotten und ein wenig Lebensmitteln im Gepäck.

Wir zogen in ein Lehmhaus und ich fing an, Suppengewürz auf einem Tisch vor unserem Haus zu verkaufen, um über die Runden zu kommen und für das Essen meiner Kinder bezahlen zu können.

Programmteilnehmerin in Nigeria. Foto: SEFA NKANSA

Der Beitritt zu Women for Women International bedeutete für mich den Wendepunkt meines Lebens.

ZAINAB, PROGRAMMTEILNEHMERIN IN NIGERIA

Die angebotenen Kurse erleichterten mich ungemein auf emotionaler Ebene, was mein ganzes Leben veränderte. Das Programm half mir, mich mit anderen Frauen anzufreunden, die anderen Religionen angehören und aus anderen Stämmen stammen. Wir finden beieinander emotionale und – wenn nötig – auch finanzielle Unterstützung. Ich besuche sie und sie kommen auch zu mir nach Hause zu Besuch.

Ich hatte vorher weder meine eigenen Rechte noch die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gekannt und verstanden. Mir wurde immer beigebracht, dass Frauen bis zur Ehe keine Rechte hätten, und dass ihre Rechte in der Ehe nur so weit reichten, wie es nötig war, um für ihre Familie zu sorgen. Alles, was darüber hinaus ging, hätte von ihrem Mann ermöglicht werden müssen.

„Während den Sitzungen zu Entscheidungsfindung und Frauenrechten wurden mir die Augen geöffnet. Ich habe gelernt, mich selbst als Mensch besser wertzuschätzen.“

Die Anwendung meiner Lernerfolge war nicht einfach, da ich immer große Ehrfurcht vor meinem Mann hatte. Zuerst kam ich schlecht zurecht, denn er setzte meinen Respekt als Selbstverständlichkeit voraus. Eines Tages gab er mir Schläge und befahl mir, das Haus zu verlassen. Normalerweise hätten die Beleidigung und Misshandlung durch meinen Mann mich dazu gebracht, einen Ort zum Sitzen aufzusuchen und mir die Augen auszuweinen. Nach einiger Zeit wäre ich dann zu ihm gegangen und hätte mich entschuldigt.

Aber dieses Mal weigerte ich mich zu weinen. Stattdessen bewahrte ich meine Ruhe und stellte mich ihm gegenüber. Ich sagte ihm, er solle mich zurück zu meinen Leuten in meine Heimat bringen, aus der er mich geheiratet hatte, wenn er wollte, dass ich das Haus verließ. Meine Ruhe überraschte ihn und meine Nebenfrau, die erwarteten, wie üblich die weinende und flehende Zainab zu sehen.

All dies geschah direkt vor dem Haus. Mein Mann wusste nicht, wie er reagieren sollte, weil ich nie zuvor während eines Streits so mutig aufgetreten war. Schon bald kamen Nachbarn, um mir zu helfen und darum zu bitten, dass ich im Haus bleiben konnte und es nicht verlassen musste. Meinem Mann war das sehr peinlich, denn er galt in der Nachbarschaft als sehr guter Ehemann. Seit diesem Tag ist er nie wieder respektlos mit mir umgegangen oder hat seine Hand gegen mich erhoben.

Aus Sicherheits- und Datenschutzgründen verwenden wir ein Foto einer anderen Women for Women International Absolventin, um die Frau in der Geschichte darzustellen.

Unsere Klassenzimmer mögen jetzt etwas anders aussehen – mit Abstandsregeln, Gesichtsmasken und Handwaschstationen zum Schutz unserer Programmteilnehmerinnen und Trainerinnen – aber die unterstützende Gruppenatmosphäre ist dieselbe, und sie erweist sich als wichtiger denn je. Es gibt Hunderte von Frauen, die darauf warten, sich für unser einjähriges Trainingsprogramm anzumelden. Melde dich noch heute an und gib einer Frau die Chance, ihr Leben zu verändern.

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