ZAINABS GESCHICHTE

GESCHICHTEN AUS UNSEREM PROJEKTLAND NIGERIA

Mein ganzes bisheriges Leben war von Not und Leid geprägt.

Als ich ein junges Mädchen war, trennten sich meine Eltern und ich musste bei meiner Tante leben. Das Gefühl, mütterliche oder väterliche Liebe und Aufmerksamkeit zu erfahren, kannte ich nicht. Ich begann die Grundschule zu besuchen, doch als ich sechs Jahre alt war, ließ meine Tante mich vor dem Schulbeginn und in den Pausen Milch verkaufen, was sehr anstrengend für mich war.

Ich war so glücklich, als ich heiratete. Ich hatte das Gefühl, dass mein Leben viel besser werden würde, nun dass ich jemanden hatte, dem ich mich anvertrauen konnte, dass ich weniger Hausarbeit und weniger Leid hätte. Aber es kam alles anders, als ich es mir vorgestellt hatte.

Mein Mann heiratete eine zweite Frau und hörte auf, mir zuzuhören. Immer, wenn ich eine Auseinandersetzung mit meiner Nebenfrau hatte, fing mein Mann an mich zu schlagen, ohne meine Version des Geschehens anzuhören. Manchmal wollte er mir nicht mal Geld geben, um mich und meine Kinder zu ernähren. Bei meiner Nebenfrau war das nicht so, die liebte er und behandelte er gut.

Dazu kamen die politische Unsicherheit und Unruhen, die uns zwangen, Zuflucht in einer Kaserne zu suchen. Dort angekommen mussten wir aber feststellen, dass sich bereits viele Leute dorthin in Sicherheit gebracht hatten und das Lager völlig überfüllt war. Wir mussten fünf Tage lang unter einem Baum schlafen, weil die Kaserne zu voll war. Schließlich beschlossen wir umzuziehen und den örtlichen Spannungen zu entgehen. Wir verließen das Lager mit nur einer kleinen Matratze, wenigen Klamotten und ein wenig Lebensmitteln im Gepäck.

Wir zogen in ein Lehmhaus und ich fing an, Suppengewürz auf einem Tisch vor unserem Haus zu verkaufen, um über die Runden zu kommen und für das Essen meiner Kinder bezahlen zu können.

Programmteilnehmerin in Nigeria. Foto: SEFA NKANSA

Der Beitritt zu Women for Women International bedeutete für mich den Wendepunkt meines Lebens.

ZAINAB, PROGRAMMTEILNEHMERIN IN NIGERIA

Die angebotenen Kurse erleichterten mich ungemein auf emotionaler Ebene, was mein ganzes Leben veränderte. Das Programm half mir, mich mit anderen Frauen anzufreunden, die anderen Religionen angehören und aus anderen Stämmen stammen. Wir finden beieinander emotionale und – wenn nötig – auch finanzielle Unterstützung. Ich besuche sie und sie kommen auch zu mir nach Hause zu Besuch.

Ich hatte vorher weder meine eigenen Rechte noch die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau gekannt und verstanden. Mir wurde immer beigebracht, dass Frauen bis zur Ehe keine Rechte hätten, und dass ihre Rechte in der Ehe nur so weit reichten, wie es nötig war, um für ihre Familie zu sorgen. Alles, was darüber hinaus ging, hätte von ihrem Mann ermöglicht werden müssen.

„Während den Sitzungen zu Entscheidungsfindung und Frauenrechten wurden mir die Augen geöffnet. Ich habe gelernt, mich selbst als Mensch besser wertzuschätzen.“

Die Anwendung meiner Lernerfolge war nicht einfach, da ich immer große Ehrfurcht vor meinem Mann hatte. Zuerst kam ich schlecht zurecht, denn er setzte meinen Respekt als Selbstverständlichkeit voraus. Eines Tages gab er mir Schläge und befahl mir, das Haus zu verlassen. Normalerweise hätten die Beleidigung und Misshandlung durch meinen Mann mich dazu gebracht, einen Ort zum Sitzen aufzusuchen und mir die Augen auszuweinen. Nach einiger Zeit wäre ich dann zu ihm gegangen und hätte mich entschuldigt.

Aber dieses Mal weigerte ich mich zu weinen. Stattdessen bewahrte ich meine Ruhe und stellte mich ihm gegenüber. Ich sagte ihm, er solle mich zurück zu meinen Leuten in meine Heimat bringen, aus der er mich geheiratet hatte, wenn er wollte, dass ich das Haus verließ. Meine Ruhe überraschte ihn und meine Nebenfrau, die erwarteten, wie üblich die weinende und flehende Zainab zu sehen.

All dies geschah direkt vor dem Haus. Mein Mann wusste nicht, wie er reagieren sollte, weil ich nie zuvor während eines Streits so mutig aufgetreten war. Schon bald kamen Nachbarn, um mir zu helfen und darum zu bitten, dass ich im Haus bleiben konnte und es nicht verlassen musste. Meinem Mann war das sehr peinlich, denn er galt in der Nachbarschaft als sehr guter Ehemann. Seit diesem Tag ist er nie wieder respektlos mit mir umgegangen oder hat seine Hand gegen mich erhoben.

Aus Sicherheits- und Datenschutzgründen verwenden wir ein Foto einer anderen Women for Women International Absolventin, um die Frau in der Geschichte darzustellen.

Unsere Klassenzimmer mögen jetzt etwas anders aussehen – mit Abstandsregeln, Gesichtsmasken und Handwaschstationen zum Schutz unserer Programmteilnehmerinnen und Trainerinnen – aber die unterstützende Gruppenatmosphäre ist dieselbe, und sie erweist sich als wichtiger denn je. Es gibt Hunderte von Frauen, die darauf warten, sich für unser einjähriges Trainingsprogramm anzumelden. Melde dich noch heute an und gib einer Frau die Chance, ihr Leben zu verändern.

SPONSERE EINE FRAU

MEIN NAME IST SARATU

EINE PROGRAMMTEILNEHMERIN AUS NIGERIA ERZÄHLT IHRE GESCHICHTE.

Saratu musste sich dem überwältigenden Gefühl der Angst schon viele Male in ihrem Leben stellen. Sie und ihr Ehemann arbeiten beide in der Landwirtschaft und lebten einmal in Borno, Nigeria. Doch nur ein einziger Tag genügte, um ihr Leben völlig durcheinander zu bringen.

Wir hörten Schüsse und dann fingen die Leute an, in verschiedene Richtungen zu rennen. Wir rannten weg, um uns zu verstecken.

In ihrem Versteck, außer Sichtweite und aus der Ferne mussten Saratu und ihre Familie zusehen, wie ihr Haus von der Terrormiliz Boko Haram angezündet wurde. Das Haus, für welches sie und ihr Mann so lange hart gearbeitet hatten, ging in Flammen auf, während die Extremisten die übrigen Nachbarhäuser niederbrannten.

Vor COVID-19 feierten Saratu und ihre Gruppe den Internationalen Frauentag, indem sie Gemeindemitglieder mit körperlicher Behinderung unterstützten.

Und dann nahm sich die Gruppe die Menschen vor. Hilflos, in Gedanken bei ihrer Familie, musste Saratu mit ansehen, wie Boko Haram ihre Freunde und Nachbarn ermordete. „Wir hatten Glück, dass wir überlebten und dass unser Versteck nicht gefunden wurde, sonst wären auch wir getötet worden.“

Saratu und ihre Familie hatten tatsächlich Glück im Unglück. Sie trafen auf Menschen aus Tafawa Balewa in Bauchi, die auf dem Weg nach Hause waren. Die Reisenden versicherten Saratu, dass ihre Heimatgemeinde sicher sei und luden sie und ihre Familie dazu ein, mit ihnen zu kommen. Und auch dort war das Glück auf ihrer Seite: Saratus Mann traf einen Freund, der ihnen Unterschlupf bot.

Die eingekehrte Ruhe währte nicht lange, da Saratu und ihre Familie in finanzielle Schwierigkeiten gerieten. „Früher buk ich Bohnenkuchen, die ich dann verkaufte und als Einkommensquelle nutzte. Doch inzwischen standen die Dinge so schwierig, dass wir kaum genug Geld hatten, um uns zu ernähren. Auch andere Bedürfnisse der Familie mussten erst einmal hintenangestellt werden, genau wie das Aufrechterhalten meines Geschäfts“, sagt Saratu. „Wir waren von den kleinen Geschäften meines Mannes abhängig. Als es zu schwierig für uns wurde, verkauften wir ein wenig von unseren landwirtschaftlichen Erzeugnissen.“

Saratu tritt dem Programm von Women for Women International bei

„Dann hörte ich von einer NGO in unserer Gemeinde, die Frauen unterstützte, die den Krieg überlebt hatten. Ich betete zu Gott, in das Programm aufgenommen zu werden. Ich entsprach dem Profil.“

Saratus Gebete wurden erhört. Als sie dem Women for Women International Programm beitrat, begann sie zu planen, wie sie ihr Geschäft neu starten, ihren Mann unterstützen und ein neues Unternehmen zum Verkauf gut erhaltener Second-Hand Kleidung gründen konnte.

Nach drei Monaten im Programm war Saratu imstande, ihr Bohnenkuchen-Geschäft neu zu eröffnen, dank der Unterstützung durch das monatliche Stipendium. Sie konnte ihren Kindern neue Kleidung kaufen. Nach einem halben Jahr war Saratu zusammen mit anderen Frauen einer lokalen Spargruppe beigetreten (Village Savings and Loan Association – VSLA).

Saratu lernte mehr, als nur ein gutes Geschäft zu führen: Sie gewann eine neue Perspektive auf Geschlechterrollen, ihre Rechte, Gesundheit und Hygiene.

Wir sparen Geld, vergeben Kredite zur Verbesserung unserer Geschäfte und unterstützen uns gegenseitig in schwierigen Zeiten. Jetzt, da ich Geld für die Zukunft meiner Familie sparen kann, fühle ich mich unglaublich gestärkt.

SARATU, PROGRAMMTEILNEHMERIN AUS NIGERIA

Geschlechterrollen und -gerechtigkeit

Ich lerne viel aus meine Trainingseinheiten. Die Kurse haben meine Einstellungen zu einigen unserer Traditionen verändert.“, sagt Saratu. „Zum Beispiel versuche ich, meine Kinder gleichberechtigt und unabhängig vom Geschlecht zu behandeln. Traditionell erziehen wir Jungs so, dass ihnen bereits in jungem Alter vermittelt wird, Mädchen gegenüber höhergestellt zu sein. Sie geben den Familiennamen weiter. Nach meinem Training zur geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung bemerkte ich, wie wichtig es ist, meinen Sohn so zu erziehen, dass auch er Hausarbeiten erledigen kann. Zumindest solche, für die er in seinem Alter in der Lage ist.“ Sie fügt hinzu: „Zu meiner Überraschung gefällt es ihm sogar, mit seiner Schwester zusammen zu arbeiten.“

Auch ihr Mann lernte durch die Teilnahme am Men’s Engagement Programm, seine eigenen Annahmen zu Geschlechterrollen zu überdenken. „Nachdem er an einigen Treffen teilgenommen hatte, erzählte er mir, dass er nie gewusst hatte, dass Männer ihre Frauen bei Haushaltsaufgaben unterstützen sollten. Jetzt glaubt er, dass unsere Traditionen verantwortlich für das Verhalten der Männer gegenüber ihren Frauen sind.“

Saratu und ihre Familie.

Was Saratu und ihr Mann über Geschlechterrollen und -rechte gelernt haben wird einen Einfluss auf ihre Familie haben, der weit über häusliche Aufgaben hinausgeht. „Ich war sehr überrascht zu hören, dass er gelernt hat, dass auch Frauen am Erbe beteiligt sein sollten. Obwohl er zugab, dass es für ihn nicht leicht sein würde, dies anzunehmen.“, sagt sie. „Ich bin gespannt, zu sehen, wie er sich diesbezüglich entscheidet.“ Sie hat sich die Erkenntnisse aus ihren Kursen zu Herzen genommen und nutzt diese nun, um das Leben ihrer Familie zu verbessern. „Ich habe ein besseres Verständnis dafür, wie ich gesund bleibe und mich dadurch um meine Familie kümmern kann. Vorher aßen wir alles, was da war, nur, um unsere Bäuche zu füllen. Doch jetzt achte ich auf eine gute Ernährungsweise, indem ich schon vorher plane, was ich für die Familie koche. Die Mahlzeiten sind inzwischen vielseitig und bestehen aus den verschiedenen Grundnahrungsmitteln.“

Ich habe jetzt auch festgestellt, dass es sicherer und kostengünstiger ist, ins Krankenhaus zu gehen, wenn ich krank bin oder ein Familienmitglied sich nicht gut fühlt. Vor Kurzem erst waren mein ältester Sohn und seine Schwester krank, wir gingen also zum Krankenhaus und inzwischen geht es ihnen besser. Ich war sehr stolz auf mich, so gehandelt zu haben, anstatt sie wie früher selbst mit Kräutern zu behandeln. Dank Women for Women International lebt meine Familie jetzt gesünder.

sagt Saratu

Covid-19

Ein neuer Gegner – diesmal ein unsichtbarer – kam zu Saratu nach Bauchi, während sie am Programm teilnahm. Doch dieses Mal konnte Saratu sich und ihre Familie vor der neuen Bedrohung schützen.

„In unserem Dorf ist es nicht ungewöhnlich, Kinder, und manchmal auch Erwachsene, beim Essen zu sehen, ohne sich die Hände zu waschen. Doch ich habe gelernt, dass ungewaschene Hände der leichteste und schnellste Weg für Keime und Krankheiten sind, sich zu verbreiten.“, sagt Saratu. „Meinen Kindern habe ich beigebracht, ihre Hände besonders vor und nach dem Essen richtig zu waschen.“

„Durch die Trainings wurde ich für das Coronavirus sensibilisiert – es betrifft jeden Menschen auf der ganzen Welt. Mir wurde das richtige Händewaschen beigebracht, bei dem man Seife und Wasser benutzt, und wenn das beides nicht da ist, Handdesinfektionsmittel.“

Mit dem für viele Frauen neuen Wissen, dass sich das Coronavirus ständig weiterverbreitet, leistet Women for Women International einen wesentlichen Beitrag dazu, Fehlinformationen zu begegnen. Frauen können dadurch wichtige Maßnahmen kennenlernen, um sich und ihre Gemeinde zu schützen.

Durch die Trainings fing ich an, Gerüchte zum Virus zu hinterfragen und erkannte Fehlinformationen schneller. Zum Beispiel, dass Menschen in tropischen Regionen vom Virus nicht befallen werden, oder dass Gebete das Virus abwehren.

SARATU, PROGRAMMTEILNEHMERIN AUS NIGERIA

Saratu und ihre Klasse während des coronakonformen Unterrichts.

Für mehrere Wochen waren die persönlichen Schulungen von Women for Women International in Nigeria zur Sicherheit und Gesundheit der Teilnehmerinnen pausiert. Währenddessen setzen die Frauen ihr neues Wissen ein: „Zu Hause waschen wir unsere Hände regelmäßig mit Wasser und Seife, außerdem besuche ich inzwischen keine Freunde mehr, weil ich damit mich und meine Familie am besten schütze.“
„In unserer Kirche findet der Gottesdienst gestaffelt zu unterschiedlichen Zeiten statt, da wir normalerweise in ziemlich großen Gruppen zusammenkommen. Die Gruppe, zu der ich gehöre, trifft sich jetzt an der frischen Luft oder in einem großen Raum mit maximal 15 Personen, die alle in der gleichen Straße wohnen. Märkte finden nur noch selten statt, weil die meisten Getreidehändler der anderen Gemeinden nicht mehr kommen. Sie haben Angst, das Virus zu verbreiten.“

Für viele Menschen auf der ganzen Welt ist genau das zum zweischneidigen Schwert geworden.
Trotz Saratus wirtschaftlicher Erfolge durch das Programm haben der Lockdown und die weit verbreitete Angst vor der Krankheit die Nachfrage nach ihren Bohnenkuchen beeinflusst. Ein totaler Lockdown seitens der Regierung ließ Saratu die schwierige Entscheidung treffen, ihr Geschäft zu pausieren und damit ihren Mann zur einzigen Einkommensquelle als „Okada-“, also Motorradfahrer, zu machen.
„Das Leben wird schwieriger, da die Menschen keinen Erwerbstätigkeiten mehr nachgehen können, wie vor COVID-19.“, erklärt Saratu. „Die Angst der Meisten ist, dass die Essensvorräte nicht mehr lange genug ausreichen. Während sich die Menschen schützen wollen, wird der Hunger gleichzeitig ein immer größeres Problem und zwingt sie, ihre Häuser zu verlassen und nach Essen zu suchen.“

Finanzielle Gefahren sind oft ein Türöffner für weitere Probleme, vor allem für Frauen. „Die Fallzahlen zu häuslicher Gewalt verbreiten sich in meiner Gemeinde immer mehr, die Männer sind frustriert durch den Leerlauf und die fehlende Möglichkeit, Geld zu verdienen. Schnell werden sie verärgert, sobald die Frauen um Geld bitten, da sie von den Frauen erwarten, die Situation zu verstehen. Dabei wollen sich die Frauen nur um die Bedürfnisse der Familie kümmern. Diese Spannung resultiert meistens in ernstem verbalem Missbrauch seitens der Männer.“, erklärt Saratu.

Obwohl Saratu und ihre Familie wieder einmal mit Herausforderungen zu kämpfen haben, zieht sie Kraft aus ihrem Wissen und ihrer Hoffnung für die Zukunft. „Ich vermisse meine Trainingseinheiten mit Women for Women International. Ich vermisse die Verbindung mit anderen Frauen, das Teilen unserer Erfahrungen und das Kennenlernen neuer Themen. Doch momentan ist es an der sichersten, den Abstand zu wahren, für unsere Gesundheit und unser Überleben.“

Wir hoffen und beten, dass diese Pandemie vorbeigeht und unsere Leben wieder zur Normalität zurückkehren können.

SARATU, PROGRAMMTEILNEHMERIN AUS NIGERIA

WIR SIND HANYA

IRAKISCHE UNTERNEHMERINNEN KÄMPFEN GEGEN DIE AUSBREITUNG VON COVID-19

Hasiba, Rajaa, Najma, Amal und Shakiba gehören zu den 300 Frauen, die sich im Jahr 2017 für das Women for Women International Programm in Daratu im Irak eingeschrieben haben. Heute sind sie „Agents of Change“, und schützen ihre Gemeinden vor dem Coronavirus.

Alle fünf Frauen besuchten unsere 12-monatiges Ausbildungsprogramm. Dort erwarben sie neben essenziellen gesundheitlichen Kenntnissen wichtige finanzielle und kaufmännische Fähigkeiten.

Sie lernten, wie man ein eigenes Geschäft aufbaut und bekamen Auskünfte darüber, was ihre Rechte als Frauen und Gemeindemitglieder beinhalten. In Rahmen des Programms konnten sie an Nähkursen teilnehmen und lernten, Kleider, Hosen, Oberteile und traditionelle kurdische und arabische Kleidung zu nähen. Die Trainerin vermittelte ihnen gleichzeitig den hohen Wert dieser Arbeit – sie hatte den Weg zur wirtschaftlichen Selbstbestimmtheit durch ihre Erwerbstätigkeit als Schneiderin selbst durchlaufen.

Ein gemeinsamer Traum wird zum unternehmerischen Erfolg

Hasiba, Rajaa, Najma, Amal und Shakiba nutzten ihr gemeinsames Wissen aus dem Programm und taten sich zusammen.

Aus Träumen wurde bald ein ausgetüftelter Plan und sie eröffneten schließlich ein Schneidereigeschäft.

HANYA: Rajaa, Najma, Amal & Shakiba. Foto: Alison Baskerville

Vor ihrem Abschluss trugen sie dem Team von Women for Women International ihre Idee vor und sicherten sich einen Startzuschuss für ihr Geschäft. Sie nannten ihre Gruppe „Hanya“, nach Hasibas Tochter.

In einem kleinen Geschäft über der Wohnung eines Gruppenmitglieds nutzen sie ihre im Programm erworbenen Kenntnisse, um ihr Einkommen zu verdienen. Sie haben ihr Geschäft stetig erweitert, indem sie Visitenkarten druckten und an Nachbarn verteilten, um mehr Kunden anzulocken.

Reaktion auf COVID-19

Ich habe traditionelle kurdische Kleidung für meine Kinder genäht, als sie rausgehen und in einem Garten in der Nähe meines Hauses spielen wollten. Also habe ich mich dazu entschieden, ihnen Masken zu nähen.

HASIBA, WOMEN FOR WOMEN INTERNATIONAL, IRAK

Hasiba beim Nähen einer Maske. Foto: Alison Baskerville

Jede der Unternehmerinnen weiß über Gesundheitsvorkehrungen und Hygienevorschriften in Zeiten von COVID-19 Bescheid; das meiste davon haben sie aus den Schulungen mitgenommen.  

Die Hanya-Mitgliederinnen bündeln nun ihre Kräfte und Ressourcen, um die Fabrik, für die sie vorher gearbeitet hatten, bei der Produktion von Gesichtsmasken zu unterstützen. So fertigen die fünf Frauen im Rahmen dieser Kooperation zahlreiche Schutzmasken an und teilen diese mit ihren Verwandten und Nachbarn in ihrer Gemeinde. 

Früher wurden Hasiba, Rajaa, Najma, Amal und Shakiba als verletzlich angesehen. Heute teilen sie die Stärke, die Fähigkeiten und das Wissen, das sie gewonnen haben, um ihre Familien und Gemeinden zu unterstützen. Dies zeigt einmal mehr den Welleneffekt unseres Programms: Erfolgreiche, selbstbestimmte Frauen können „Agents of Change“ für ihre Gemeinschaften sein!

Mein Name ist Cinama

CINAMA IST 26 JAHRE ALT, AUS DEM DORF NYANGEZI IN SÜD KIVU, IM OSTEN DER DEMOKRATISCHEN REPUBLIK KONGO.

Nach Abschluss des Women for Women International Programms in 2016 wurde sie Ziegelbrennerin und jetzt besitzt sie ein erfolgreiches Ziegelgeschäft. Sie ist auch bei Women for Women International als Ausbilderin tätig und unterrichtet andere Frauen im Ziegelbrennen. Hier ist Cinamas Geschichte.

Mein Vater starb als ich drei Jahre alt war. Ich kann mich nicht an sein Gesicht erinnern.

Unser Land wurde dem Bruder meines Vaters gegeben, da keiner meiner Brüder alt genug war, um erben zu können. Meine Mutter verlor alles. Sie musste 7 Kinder groß ziehen, ohne eine Einkommensquelle zu haben.

Wir hatten eine Mahlzeit am Tag und meine Mutter arbeitete sehr hart auf den Feldern von anderen Leuten, um uns zu unterstützen, aber es war nie genug Geld da, um zu sparen oder unser Schulgeld zu bezahlen.

Foto: Ryan Carter

Die erste Einschreibung in meinem Dorf habe ich verpasst, aber dann sah ich die anderen Frauen vom Ausbildungszentrum zurück kommen und sie lobten das Programm.

Das Ausbildungsprogramm war praktisch und hilfreich. Ich lernte wirtschaftliche Zusammenhänge, lernte finanziell unabhängig zu sein, über Frauenrechte, Sparen in einer Gruppe und Entscheidungen zu treffen. Ich wählte Ziegelbrennen zu meiner beruflichen Ausbildung.

Das wichtigste, was ich gelernt habe, ist über die Rechte der Frauen. Ich wollte Dinge verändern, denn meine Mutter war ein Opfer, sie konnte nicht erben, weil sie eine Frau ist.

Ich begann mein eigenes Geschäft zur Ziegelbrennerei kurz nach dem Abschluss meines Programms in 2016.

Ich gründete auch ein Geschäftskollektiv mit einer Gruppe anderer Frauen. Alle sechs Monate teilen wir unsere Gewinne zwischen uns auf.

Ich kann Women for Women International nich genug dafür danken, was sie für mein Leben getan haben.

Meine Familie ist sehr arm und ich bin die Einzige, die sie unterstützen kann.

Ich habe ein Haus gebaut, ich kann meine Mutter, Schwestern und Brüder ernähren und ich kann auch die Kinder meiner Schwester unterstützen, nachdem sie von ihrem Ehemann verlassen wurde, ich zahle das Schulgeld und kümmere mich um Arztrechnungen.

Heute besitze ich Land im Wert von 1000  so wie meine Ziegelwerkstatt und das Betriebsgelände. In meinem Ort ist es ungewöhnlich, dass eine Frau Eigentum besitzt, aber ich bin stolz darauf, eine Eigentümerin zwischen Männern zu sein.

Women for Women International suchte ausgebildete Frauen, um Ausbilderinnen zu werden. Meine Geschäftsgruppe schlug mich vor und ich wurde unter drei anderen ausgesucht.

Cinama bildet Frauen wie Nankafu im Ziegelbrennen aus. Foto: Ryan Carter

Ich bin stolz, dass ich andere Frauen unterrichten kann – sogar Frauen, die älter sind als ich. Sie glauben, ich kann ihnen helfen, ihr Leben zu verändern.

Wenn sie mich fragen, wie sie ihre Fähigkeiten verbessern können, um mehr Einkünfte zu haben, weiß ich, dass sie mir vertrauen. Ich habe keinen Raum für Irrtümer wenn 50 Frauen mich als ihr Vorbild erachten.

Mein Zukunftstraum ist, in die Fußstapfen von Women for Women International zu treten… Ich glaube daran, dass ich eines Tages meine eigene Organisation gründen werde, um Frauen in Schwierigkeiten zu unterstützen.

WERDEN SIE PATE FÜR EINE „SISTER“

Ihre Unterstützung gibt Ihrer ‚Sister‘ die Möglichkeit, ihr Leben wiederaufzubauen.

WERDEN SIE PATE